Kaukasus-Konflikt: Georgischer Patriarch dankt Moskauer Patriarchen für Unterstützung

Russisch-orthodoxe Kirche anerkennt Abchasien und Südossetien nach wie vor offiziell als integrale Bestandteile der Georgisch-orthodoxen Kirche

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Foto: © Patriarch_ILIA_II_of_Georgia.jpg (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Moskau/Tiflis, 02.12.21 (poi) Patriarch Ilia II., Oberhaupt der Georgisch-orthodoxen Kirche, hat in einem offiziellen Schreiben dem Moskauer Patriarchen Kyrill dafür gedankt, dass dieser nicht am kirchenrechtlichen Status von Abchasien und Südossetien rüttelt. „Ich möchte Ihnen und der Russisch-orthodoxen Kirche noch einmal meinen Dank dafür aussprechen, dass Sie entgegen den politischen Interessen, aber unter Beachtung der Kanones der Kirche, unser angestammtes Land – Abchasien und die Region Zchinwali – offiziell als integralen Bestandteil der Georgisch-orthodoxen Kirche anerkennen“, schrieb der Georgische Patriarch. „Zchinwali“ ist der in Georgien offiziell verwendete Name für das Gebiet Südossetien und zugleich Name der Provinzhauptstadt.

Der Georgische Patriarch dankte dem Oberhaupt der Russisch-orthodoxen Kirche auch für seine wiederholte Unterstützung bei der Freilassung georgischer Staatsbürger, die „wegen der Verletzung vorübergehender Grenzen in Gefangenschaft genommen wurden“.

Das Schreiben Ilias wurde Mittwochabend auf der Website des Moskauer Patriarchats veröffentlicht. Offizieller Anlass des Schreibens war der 75. Geburtstag Kyrills (22. November). Ilia fügte seinen Glückwünschen auch eine Würdigung der enormen Fortschritte der Russischen Kirche unter Kyrill auf sozialem, missionarischem, baulichem und pädagogischem Gebiet hinzu.

Konflikt im Kaukasus

Der Hintergrund des Schreibens: Die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien und Abchasien haben sich 2008 mit militärischer Hilfe Russlands in einem Krieg von Georgien abgespalten. Moskau hat in Südossetien und Abchasien bis heute Truppen stationiert und beide Regionen als unabhängige Staaten anerkannt. Georgien kritisiert dies als Bruch des Völkerrechts.

Das Moskauer Patriarchat hat bislang aber keine definitiven Schritte unternommen, die Gebiete in die eigene Jurisdiktion einzugliedern bzw. sie als eigenständig (autokephal) anzuerkennen. Kleinere Auseinandersetzungen mit dem Patriarchat von Georgien gibt es aber von Zeit zu Zeit; etwa, wenn es um die Frage geht, ob die Russisch-orthodoxe Kirche eigene Militärgeistliche nach Südossetien entsendet.

Anfang des Jahres hatte die Georgisch-orthodoxe Kirche gegen einen Weihnachtsgottesdienst protestiert, den ein russisch-orthodoxer Geistlicher in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali ohne Erlaubnis der Georgischen Kirche abgehalten hatte. In einem Brief an das Moskauer Patriarchat verurteilte Metropolit Gerasime (Scharaschenidse), der Leiter des Außenamts der Georgisch-orthodoxen Kirche, den betreffenden Gottesdienst. Mit solchen „Verstößen“ würden die Beziehungen zwischen den beiden Kirchen beschädigt.

Auch in Abchasien ist die kirchliche Situation nicht frei von Spannungen. Erst im Februar wollten maßgebliche Vertreter der orthodoxen Kirche in Abchasien mit einem „Kirchenstreik“ ihren Anschluss an die Russisch-orthodoxe Kirche oder die Selbstständigkeit erzwingen. Beide Patriarchate (Moskau und Tiflis) waren hierauf aber nicht eingegangen.