Kiew: Großerzbischof Schewtschuk zelebriert erstmals in der Hagia Sophia

Der griechisch-katholische Ersthierarch leitet am 7. April die Göttliche Liturgie am Fest Mariä Verkündigung nach Julianischem Kalender – Offiziell ist die Hagia Sophia noch immer wie in kommunistischer Zeit ein Museum

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Kiew, 23.02.19 (poi) In der historischen Hagia Sophia in Kiew wird am 7. April erstmals eine Göttliche Liturgie der griechisch-katholischen Kirche zelebriert werden, Vorsteher der Liturgie wird der unierte griechisch-katholische Erzbischof von Kiew und Halytsch, Swjatoslaw Schewtschuk, sein. Der Termin wurde vom tiefbewegten Großerzbischof am Ende der Göttlichen Liturgie am 17. Februar angekündigt. Die Hagia Sophia ist das Symbol der ukrainischen Christenheit, zugleich ist sie bis heute nach kommunistischem Brauch Staatseigentum. Großerzbischof Schewtschuk sagte am 17. Februar wörtlich: „Ich möchte mit euch eine große Freude teilen. Ich habe von Kulturminister Eugen Nyschtschuk die Mitteilung erhalten, dass wir auf Grund unseres Ansuchens am 7. April, dem Fest Mariä Verkündigung nach Julianischem Kalender, in der Hagia Sophia die Göttliche Liturgie feiern können“. Das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche lud die Gläubigen seiner Kirche aus dem ganzen Land ein, aus diesem Anlass in die Kiewer Hagia Sophia zu pilgern.

Auch die ukrainische griechisch-katholische Kirche betrachtet die Hagia Sophia als „Mutterkathedrale“. Großerzbischof Schewtschuk bezeichnete die Kiewer Hagia Sophia vor kurzem als „wunderbare Inkarnation und unzerstörbaren Tempel der Göttlichen Weisheit“, die auch heute das „sprechende Symbol“ der ursprünglichen umfassenden Einheit der „einen und unteilbaren Kirche von Kiew“ sei. Am 23. November des Vorjahrs hatte Schewtschuk in der Kathedrale, die heute offiziell als Museum gilt, eine Kopie der kostbaren „Bibel von Halytsch“ präsentiert.

Die Grundsteinlegung der Hagia Sophia von Kiew erfolgte im Jahr 1034 auf Anordnung von Jaroslaw dem Weisen. 1934 wurde die Kathedrale von den kommunistischen Behörden beschlagnahmt. An sich sollte die Kathedrale 1988 zum 1.000-Jahr-Jubiläum der „Taufe der Rus“ an die russisch-orthodoxe Kirche zurückgestellt werden. In der Zeit der Turbulenzen um die Auflösung der Sowjetunion wurde diese Intention aber nur vorübergehend umgesetzt, die Kiewer Politiker verfügten, dass die Kathedrale weiterhin als Museum zu dienen hätte.

Die Kathedrale wurde im 11. Jahrhundert als siebenkuppelige fünfschiffige Kreuzkirche nach byzantinischem Vorbild – speziell dem der Hagia Sophia in Konstantinopel – errichtet. Als Hauptkathedrale der Kiewer Rus war sie Mittelpunkt des religiösen, politischen und kulturellen Lebens des Kiewer Staates. Hier fanden unter anderem die Thronbesteigungen der Kiewer Großfürsten statt, hier tagte die Kiewer Volksversammlung. Nach dem Einfall der Mongolen in die Rus (Mitte des 13. Jahrhunderts) büßte nicht nur die Stadt Kiew ihre zentrale politische und kulturelle Funktion ein, auch die Sophienkathedrale verlor ihre kirchliche Bedeutung. In den folgenden zwei Jahrhunderten wurde die Kathedrale durch weitere Einfälle der Krimtataren in Kiew immer stärker zerstört.

Im 17. Jahrhundert veranlasste der Metropolit Petro Mohyla schließlich einen Wiederaufbau. Dazu wurde der italienische Baumeister Ottaviano Mancini eingeladen, unter dessen Leitung die Arbeiten ab 1630 erfolgten. Hierbei wurde die Ausstattung kaum verändert, sodass sich der großartige byzantinische Eindruck bis heute erhalten hat. Besonders beeindruckend sind das Mosaik der „Betenden Gottesmutter“ in der Altarapsis und das Mosaik des allherrschenden Christus („Pantokrator“) in der Zentralkuppel.

Am 15. Dezember 2018 fand in der Sophienkathedrale die umstrittene Synode statt, bei der die Gründung der neuen “Orthodoxen Kirche der Ukraine beschlossen wurde. Am 7. Jänner wurde in der Hagia Sophia in Anwesenheit des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko die Weihnachtsliturgie gefeiert.