Kiew: Metropolit Epifanij feierte ersten Jahrestag seiner Amtseinführung als Oberhaupt der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“

Unmittelbar davor fand ein Treffen mit dem US-Außenminister Michael Pompeo statt, bei diesem Treffen wurde ein Abkommen über bilaterale Kooperation „im Bereich des Schutzes der Gewissens- und Religionsfreiheit“ geschlossen – Heiliger Synod der Kirche Epifanijs erklärt alle kanonischen Leitungsrechte und –pflichten von „Ehrenpatriarch“ Filaret (Denisenko) für erloschen

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Kiew, 04.02.20 (poi) Der erste Jahrestag der Amtseinführung von Metropolit Epifanij (Dumenko), dem Oberhaupt der neugegründeten „Orthodoxen Kirche der Ukraine“, wurde in Kiew am 2. Februar festlich begangen. Eine offizielle Delegation des Ökumenischen Patriarchats unter Führung des orthodoxen Metropoliten von Paris, Emmanuel (Adamakis), reiste an; der Delegation gehörten u.a. auch Metropolit Amphilochios (Stergios) von Edirne (Adrianopel) und zwei Äbte von Athos-Klöster an. Als Vertreter des Patriarchats von Alexandrien nahm Bischof Theodoros von Babylon teil. Bei der Göttlichen Liturgie in der Michaelskathedrale waren keine weiteren orthodoxen Hierarchen aus dem Ausland anwesend. In seiner Ansprache ging Metropolit Emmanuel nicht nur auf theologische Erwägungen zur Natur des Sonntags als „Tag der Auferstehung“ ein, sondern widmete sich auch dem Jahrestag der Amtseinführung von Metropolit Epifanij ein. Es handle sich um einen „spirituellen Sieg“, weil Epifanij in diesem ersten Amtsjahr die Kirche der Ukraine mit jenen geeint gehalten habe, „die ihr wahrhaft angehören wollen“. Der Metropolit von Paris überbrachte die „herzlichen Glückwünsche“ des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und „die mütterliche Zuneigung der ‚großen Kirche von Konstantinopel‘“. Wörtlich fügte er hinzu: „Wir sind an Ihrer Seite! Wir sind mit Ihnen! Ihr seid nicht allein, liebe Brüder in der Ukraine!“ Der „große Gewinner“ sei das „fromme Volk der Ukraine“, stellte Metropolit Emmanuel fest: „Sie sind Oberhaupt der Kirche der Ukraine, damit die Ukrainer frei seien, als Ukrainer zu leben, im Andenken an die vergangenen Generationen, die für diese Freiheit gekämpft haben“. In Kiew wurde aufmerksam registriert, dass der Pariser Metropolit in seiner Ansprache als Anrede für Metropolit Epifanij die Formulierung „Eure Seligkeit“ wählte, die üblicherweise Patriarchen vorbehalten ist.

Metropolit Epifanij bezeichnete bei dem Gottesdienst die Verleihung der Autokephalie an die am 15. Dezember 2018 neugegründete Kirche als „irreversiblen Vorgang“. Durch „gemeinsame Anstrengungen“ sei es gelungen, die Einheit zu erreichen, stellte der Metropolit fest: „Wir wollen weiter hart daran arbeiten, dass sich alle Ukrainer um den Bischofsthron von Kiew vereinen“. Bei einer Pressekonferenz hatte Metropolit Epifanij zuvor seine Überzeugung betont, dass nach der Kirche von Griechenland und dem Patriarchat von Alexandrien auch andere autokephale orthodoxe Kirchen seine Gemeinschaft anerkennen würden. Allerdings tue die russisch-orthodoxe Kirche alles, um zu verhindern, dass weitere autokephale orthodoxe Kirchen diesen Schritt setzen.

Unmittelbar vor dem ersten Jahrestag der Amtseinführung von Metropolit Epifanij hatte der US-amerikanische Außenminister Michael Pompeo das Oberhaupt der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ in der Kiewer Michaelskathedrale aufgesucht. Dabei wurde

auch ein Abkommen über bilaterale Kooperation „vor allem im Bereich des Schutzes der Gewissens- und Religionsfreiheit“ unterzeichnet. Diese Formulierung umfasst auch „Projekte zur Reintegration des Donbass“. Kooperationspartner sind das State Department bzw. die US-Botschaft in Kiew und die „Metropolitanstiftung“ der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“. Metropolit Epifanij brachte den Dank an die USA für die Unterstützung sowohl im Hinblick auf die „äußeren Herausforderungen“ der Ukraine wie auch betreffend die Anstrengungen zur „Staats- und Demokratiereform“ zum Ausdruck. Zugleich führte der Metropolit Beschwerde über die Verfolgung der Priester seiner Kirche in den durch Russland unterstützen Republiken von Lugansk und Donezk. Außenminister Pompeo erklärte bei dem Treffen wörtlich, er sei „erfreut“ über die Anerkennung der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ als „autokephale Schwesterkirche“ durch die orthodoxen Kirchen von Griechenland und Alexandrien. Russland dürfe dem „fundamentalen Recht des ukrainischen Volkes zur Ausübung seiner religiösen Freiheit“ nicht im Weg stehen. Die Ukrainer könnten in dieser Hinsicht auf die US-amerikanische Unterstützung zählen.

Pompeo war bereits im Oktober in Washington mit Metropolit Epifanij zusammengetroffen. Damals hatte sich die Situation ergeben, dass im öffentlichen Terminkalender des Außenministers an zwei aufeinander folgenden Tagen je ein Treffen mit Metropolit Hilarion (Alfejew), dem Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, und mit Metropolit Epifanij (Dumenko) eingetragen war. Das Treffen mit Metropolit Epifanij fand statt, das Treffen mit Metropolit Hilarion wurde in letzter Minute abgesagt. Bereits ab dem „Vereinigungskonzil“ am 15. Dezember 2018 in Kiew hatte es mehrfach Grußadressen von Außenminister Pompeo an Metropolit Epifanij gegeben. Einer der Mitstreiter Epifanijs, Metropolit Makarij (Maletytsch), das frühere Oberhaupt der in der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ aufgegangenen „ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche“, hat in diesem Zusammenhang mehrfach öffentlich erklärt, die Gründung der neuen Kirche und die Verleihung der Autokephalie an sie sei nur „durch die Unterstützung von Seiten der US-Regierung und anderer westlicher Regierungen“ möglich gewesen.

In der ukrainisch-orthodoxen Kirche (des Moskauer Patriarchats) wurde die jüngste Begegnung zwischen Pompeo und Metropolit Epifanij erwartungsgemäß negativ kommentiert. So sagte Metropolit Luka (Kovalenko) von Zaporoschje und Melitopol, es sei mittlerweile „klar geworden“, dass die US-Politik das „führende Zentrum der anti-orthodoxen Kräfte“ geworden sei. Die Ukraine werde an Leute „ausverkauft“, die nicht an der spirituellen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes interessiert seien. Metropolit Epifanij spreche kaum über Spirituelles, sein Interesse gelte der Politik. Leider sei auch der US-Außenminister nicht an Persönlichkeiten interessiert, die für „Glaube, Ehre und Gewissen“ stehen. P. Nikolai Danylewitsch, der stellvertretende Leiter des Außenamts der ukrainisch-orthodoxen Kirche, nahm das Abkommen über bilaterale Kooperation zwischen US-Stellen und der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ aufs Korn. Damit werde deutlich, dass Washington in aller Offenheit als Sponsor der neuen Kirche auftreten wolle. P. Danylewitsch sprach in diesem Zusammenhang von „double standards“: Die ukrainisch-orthodoxe Kirche werde immer wieder beschuldigt, von Moskau finanziert zu werden, „wofür es keinerlei Beweis gibt“, aber wenn Washington offen seine Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ bekunde, gebe es keinerlei Aufregung.

Mittlerweile hat sich die Auseinandersetzung zwischen der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ und dem umstrittenen „Ehrenpatriarchen“ Filaret (Denisenko) zugespitzt. Filaret war ursprünglich eine treibende Kraft bei der Gründung der neuen Kirche, das von ihm geleitete „Kiewer Patriarchat“ sollte ebenfalls in dieser Kirche aufgehen (Metropolit Epifanij kommt aus dem „Kiewer Patriarchat“ und war „die rechte Hand“ Filarets). Seit Monaten besteht der – von der zuwenig weit gehenden Autokephalie enttäuschte – „Ehrenpatriarch“ darauf, dass das „Kiewer Patriarchat“ nicht in der neuen Kirche aufgegangen sei und weiter bestehe. Der Heilige Synod der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ hat nun am 4. Februar erklärt, dass Filaret alle kanonischen Leitungsrechte und –pflichten verloren habe. Zugleich wurde daran erinnert, dass der „Ehrenpatriarch“ sechs Sitzungen des Heiligen Synods fern geblieben sei und sich weigere, an solchen Sitzungen teilzunehmen. Daher seien seine Befugnisse als Mitglied des Heiligen Synods „beendet“. Der Heilige Synod stellte ausdrücklich fest, dass Filaret keine Bischofsweihen vornehmen dürfe.

Der „Ehrenpatriarch“ hatte im Juni des Vorjahrs das „Kiewer Patriarchat“ wieder offiziell proklamiert und bald zwei neue Bischöfe geweiht, die umgehend von Metropolit Epifanij suspendiert wurden. Ebenso wurden Filaret die Rechte als für Kiew zuständiger Diözesanbischof entzogen. Der „Ehrenpatriarch“ ließ sich aber nicht beirren und weihte vor Wochenfrist bereits den neunten Bischof für „sein“ Patriarchat.