Kirche in Griechenland stärkt Patriarch Bartholomaios den Rücken

Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I. absolviert mehrtägigen Griechenland-Besuch

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Foto ©: Ökumenisches Patriarchat

Athen, 22.11.21 (poi) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. ist am Samstag zu einem mehrtägigen Besuch in Griechenland eingetroffen. Auf dem Programm des Patriarchen stehen bis 25. November zahlreiche kirchliche, aber auch politische Begegnungen, Besuche und Gespräche. Noch am Samstagabend kam Bartholomaios in Athen zu einem persönlichen Gespräch mit Erzbischof Hieronymos (Liapis) zusammen, dem Oberhaupt der Orthodoxen Kirche in Griechenland. Über Inhalte des Gesprächs wurde vorab nichts bekannt. Bei einem Festgottesdienst am Sonntag in Athen stellte sich der Athener Erzbischof aber demonstrativ hinter Bartholomaios.

„Allheiligkeit, trotz der schwierigen Zeiten heißen wir Sie heute als Patriarch der orthodoxen Nation willkommen“, sagte Erzbischof Hieronymos wörtlich. Er würdigte die vielfältigen Verdienste und Aktivitäten des Ökumenischen Patriarchen und hielt fest: „Sie werden immer unseren ungeteilten Respekt, unsere Liebe und Unterstützung haben.“

Patriarch Bartholomaios dankte seinerseits am Ende der Liturgie in der orthodoxen Metropolitankathedrale von Athen für die Unterstützung aus Griechenland. Er sprach u.a. auch selbst den Konflikt rund um die Orthodoxie in der Ukraine an; ebenso auch seinen Versuch, mit der panorthodoxen Synode von Kreta 2016 die Orthodoxie zu einen und notwendige Reformen einzuleiten. Die Synode konnte allerdings nur begrenzte Wirksamkeit entfalten, was u.a. bedingt war durch die Nicht-Teilnahme des Patriarchats von Antiochien sowie der Russisch-, der Bulgarisch- und der Georgisch-orthodoxen Kirche.

In der Ukraine gibt es zwei miteinander konkurrierende orthodoxe Kirchen. Die Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU), die Anfang 2018 von Patriarch Bartholomaios die Unabhängigkeit (Autokephalie) verliehen bekam, und die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats, die innerhalb der Russisch-orthodoxen Kirche autonomen Status hat, aber zum Patriarchat von Moskau gehört. Moskau hat nach der Gewährung der Autokephalie an die OKU die Kirchengemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat ausgesetzt. Die Orthodoxe Kirche in Griechenland hat die OKU inzwischen anerkannt, was sie ebenfalls in einen Konflikt mit Moskau brachte.

Patriarch Bartholomaios sprach im Blick auf die innerorthodoxen Konflikte von „Wolken“ und „Regen“, aber zumindest keinen „zerstörerischen Niederschlägen“. Die verschiedenen Herausforderungen hätten auch so manchen fruchtbaren Dialog hervorgebracht. Er ermutigte zudem zu einer intensiven kirchlichen Zusammenarbeit zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und der Kirche in Griechenland, vor allem auch im Blick auf die Pandemie.

An dem Gottesdienst nahmen auch einige griechische Minister, der Athener Bürgermeister Kostas Bakoyannis, Regionalgouverneur Giorgos Patoulis und weitere Staatsvertreter teil. Im Rahmen seines Griechenland-Besuchs sind auch Gespräche des Patriarchen mit der griechischen Präsidentin Katerina Sakellaropoulou, Premiereminister Kyriakos Mitsotakis und führenden Vertretern der Opposition vorgesehen.

Unklar ist, ob der Patriarch – wie ursprünglich geplant – auch die Mönchsrepublik Athos besuchen wird, die derzeit stark von Covid betroffene ist. Hierzu gibt es aktuell unterschiedliche Medienberichte.

 

Enge Verbindungen Konstantinopel – Athen

Eigentlicher Anlass des Besuchs von Bartholomaios in Griechenland sind vor allem (nachträgliche) Feiern zum 30-jährigen Amtsjubiläum des Patriarchen. Der 81-jährige Bartholomaios I., bürgerlich Dimitrios Archondonis, war am 22. Oktober 1991 zum Erzbischof von Konstantinopel und Ökumenischen Patriarchen gewählt worden.

Der Patriarchenstuhl von Konstantinopel ist der Erste unter den Oberhäuptern autokephaler orthodoxer Kirchen in aller Welt. Sein Inhaber gilt somit als „Primus inter pares“ (Erster unter Gleichen). Sein Sitz ist im Phanar, im gleichnamigen Stadtviertel von Istanbul gelegen. Der Patriarch gilt als 270. Nachfolger des Apostels Andreas.

Die Beziehungen zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und der Orthodoxen Kirche von Griechenland sind nicht nur sehr eng, sondern zugleich jurisdiktionell auch sehr komplex, was vor allem geschichtliche Hintergründe hat.

Die Anfänge der heutigen autokephalen Orthodoxen Kirche von Griechenland liegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach den Unabhängigkeitskämpfen gegen die Osmanen schlug durch den Friedensvertrag von Adrianopel 1829 die Geburtsstunde des jungen souveränen griechischen Staates, der aber nur den Peloponnes, Euböa und kleine Teile Mittelgriechenlands umfasste. 1833 erklärte sich die Orthodoxe Kirche von Griechenland für autokephal. Erst 1850 bestätigte das Ökumenische Patriarchat von seiner Seite aus die Autokephalie der Orthodoxen Kirche von Griechenland. Ihr Oberhaupt wurde der Bischof von Athen, der aus Rücksichtnahme gegenüber dem Ökumenischen Patriarchen bis heute nur den Titel eines Erzbischofs führt.

Durch die Balkankriege Anfang des 20. Jahrhunderts vergrößerte sich das griechische Staatsterritorium nach Norden hin. Diese sogenannten „Neuen Länder“ gehören zwar seit 1928 formell zur Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchats, werden jedoch von der Synode der Orthodoxen Kirche von Griechenland unter der Leitung des Erzbischofs von Athen verwaltet: Ihr „spirituelles Oberhaupt“ ist der Ökumenische Patriarch, ihr „administratives Oberhaupt“ der Erzbischof von Athen.

Dazu kommt die Kirche von Kreta, die einen semi-autonomen Status in Hinordnung auf das Ökumenische Patriarchat hat. Sie befindet sich damit außerhalb des Einflussbereichs des Erzbischofs von Athen. Die Insel Patmos, der Dodekanes und zwei Klöster in Nordgriechenland unterstehen direkt der Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchats, wie auch der Berg Athos.