Kirche in Moldawien gedachte der Opfer der stalinistischen Repression

Am Freitag läuteten im Land zwischen Pruth und Dnjestr die Kirchenglocken – Gedenken an die Opfer der drei stalinistischen Deportationswellen

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Foto: © Serhio (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Chisinau, 06.07.18 (poi) In Moldawien läuteten am Freitag um 10 Uhr alle Glocken der orthodoxen Kirchen zehn Minuten lang zum Gedenken an die Opfer der stalinistischen Repression. In vielen Kirchen wurde am Freitag auch ein Requiem für die Opfer zelebriert. Der 6. Juli wurde in Moldawien zum „nationalen Trauertag“ im Hinblick auf die Deportationen und sonstigen Verfolgungsmaßnahmen in stalinistischer Zeit erklärt. Nach Angaben von Valentina Sturza, der Vorsitzenden der Vereinigung der einstigen politischen Gefangenen, wurden in stalinistischer Zeit mehr als 90.000 Personen aus Moldawien deportíert. Es gab drei Deportationswellen: Im Juni 1941, im Juli 1949 und im April 1951. Derzeit sind noch rund 8.000 frühere Deportierte am Leben.

Die Deportationen spiegeln die diffizile Geschichte Moldawiens. Nach mehr als hundertjähriger Zugehörigkeit zum Russischen Reich war Moldawien (damals unter dem Namen Bessarabien) im Zug der Revolutionswirren 1918 an das rumänische Königreich angeschlossen worden. Rund 20 Jahre später verlangte die sowjetische Regierung, die die Abtretung Bessarabiens nie akzeptiert hatte, Ende Juni 1940 die Rückgabe des Landstrichs zwischen Pruth und Dnjestr. Wenige Tage später rückte die Rote Armee kampflos in Bessarabien ein. Schon ein Jahr später, im Juni 1941, beteiligte sich Rumänien am deutschen Angriff auf die Sowjetunion, Bessarabien wurde wieder rumänisch. Aber schon drei Jahre später, im Sommer 1944, erlangte die Rote Armee nach dem Königsputsch in Bukarest, der zur Absetzung des faschistischen „Conducators“ Ion Antonescu führte, in Bessarabien wieder die Oberhand. Die Provinz wurde als „Sowjetrepublik Moldawien“ Teil der Sowjetunion. Nach dem Zerfall der Union erlangte Moldawien die Unabhängigkeit.

Der häufige Wechsel der staatlichen Zugehörigkeit führte dazu, dass viele Menschen in Moldawien in Loyalitätskonflikte gerieten und dadurch willkommene Opfer der Machthaber wurden.