Kirche von Zypern setzt sich weiterhin für Wiederherstellung der Einheit der Inselrepublik ein

Metropolit Basilios von Konstantia begleitete Exkursion von Funktionären des Weltkirchenrats in den türkisch besetzten Nordteil Zyperns – Türkische Invasion vor 45 Jahren verletzte das kulturelle und religiöse Erbe Zyperns zutiefst – „Die Heilung der Wunden ist nicht leicht“

0
73
Foto: © Julian Nyča, CC-BY-SA 3.0 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Nicosia, 21.01.19 (poi) Der orthodoxe Metropolit von Konstantia und Ammochostos auf Zypern, Basilios (Karayiannis), hat im Gespräch mit dem Pressedienst des Weltkirchenrats betont, dass die autokephale orthodoxe Kirche von Zypern sich nach wie vor für die Wiederherstellung der Einheit der Inselrepublik einsetzt, vorerst gehe es aber vor allem darum, die von der türkischen Invasion vor 45 Jahren – 1974 – verursachten Wunden zu heilen. Metropolit Basilios war vor kurzem (9. bis 16. Jänner) Gastgeber der Tagung des “Assembly Planning Committee” (APC), der höchsten gesetzgebenden Körperschaft des Weltkirchenrats. Er begleitete eine Exkursion von APC-Mitgliedern in den türkisch besetzten Nordteil der Inselrepublik, wobei er seine Überzeugung darlegte, dass die religiösen Führungspersönlichkeiten der Insel eher als die Politiker den Weg zu Frieden und Versöhnung bahnen können. Die Exkursion führte u.a. in das Kloster St. Barnabas und zur Kirche Agios Georgios Exorinos in der verlassenen Stadt Famagusta.

Metropolit Basilios hat während der türkischen Invasion 1974 enge Familienmitglieder verloren. Trotzdem pflegt er nach wie vor die Hoffnung auf eine friedliche geeinte Inselrepublik für griechische und türkische Zyprioten wie auch für die Angehörigen der verschiedenen Minderheiten. Die türkische Invasion nach einem Staatsstreich griechischer Offiziere forderte mindestens 6.000 – auch zivile – Todesopfer. An die 1.700 Menschen – mehr als 1.600 waren orthodoxe Christen – kehrten nie mehr nach Hause zurück und gelten als “vermisst”. Im Gefolge der Invasion mussten 200.000 griechische und 65.000 türkische Zyprioten ihre angestammten Heimatorte verlassen.

Die türkische Invasion habe das kulturelle und religiöse Erbe Zyperns zutiefst verletzt, erläuterte Metropolit Basilios vor den Weltkirchenrats-Funktionären. Von der Zerstörung seien archäologische Stätten, Klöster, antike Kirchen und wichtige Monumente betroffen gewesen. Mehr als 500 Kirchen im jetzt türkisch besetzten Teil Zyperns seien geschändet und entweiht worden, dazu verschwanden ungezählte Ikonen und Mosaiken, die teils auf dem internationalen Schwarzmarkt für Kulturgüter landeten.

“Die Heilung der Wunden ist nicht leicht”, betonte der Metropolit: “In jeder Familie auf Zypern finden sich Wunden, die auf die Zeit der türkischen Invasion zurückgehen. Es gibt Menschen, die bis heute vermisst sind, wir wissen von den vielen Toten”. Er selbst habe fünf Familienmitglieder verloren, daher sei es schwierig, Schritte der Versöhnung zu tun, “aber wir müssen sie setzen”.

Der Metropolit sagte, dass “wirkliche Taten” notwendig seien, um den Weg zu einer politischen Lösung des Zypern-Problems zu bahnen. Der erste Schritt zur Überwindung der künstlichen Teilung der Insel sei es, Verbindungen zwischen den Menschen auf beiden Seiten der Demarkationslinie zu knüpfen. Um dies zu ermöglichen, seien die religiösen Führungspersönlichkeiten aufgerufen, eine Atmosphäre zu schaffen, die der Einheit der Zyprioten dient.

Die Teilung der Insel ist für Metropolit Basilios eine schwere Bürde, er hat seine Jugend in jenem Teil Zyperns verbracht, der heute von türkischen Truppen besetzt ist. Er könne sich bis heute nicht daran gewöhnen, dass er eine “Grenze” überschreiten müsse, wenn er zu kirchlichen Ereignissen im Norden der Insel fahre: “Als Bischof der Kirche von Zypern ist es für mich ein äußerst schmerzlicher Vorgang, wenn man mir sagt, dass der nördliche Teil der Insel nicht meine Heimat ist und dass ich eine Genehmigung brauche, um dort einzureisen”.