Kirchen müssen einander respektieren und anerkennen

Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I. bezeichnet beim internationalen Kongress über das Ostkirchenrecht in Rom den ökumenischen Dialog als „substanziellen Beitrag für eine bessere Zukunft der Menschheit“

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Foto ©: ניר חסון Nir Hason (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Rom, 17.09.19 (poi) Alle Kirchen – ob sie orthodox, römisch-katholisch oder reformatorisch seien – hätten die grundsätzliche Verpflichtung, den „anderen“ zu respektieren und anzuerkennen. Dies betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. beim 24. Internationalen Kongress der „Society for the Law of the Eastern Churches“, der derzeit am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom stattfindet. Am Donnerstag, 19. September, wird Papst Franziskus die Teilnehmenden empfangen. Damit Dialog zustande kommt, sei es notwendig, „sich von jeder Form des feindlichen Antagonismus zwischen Christen unterschiedlicher Konfession zu befreien“ und einen Dialog auf Augenhöhe auf der gemeinsamen Suche nach der Wahrheit zu führen, so Bartholomaios I.

Die Kirche sei nicht gespalten zwischen „Progressisten“ und „Konservativen“, sondern zwischen Irrtum und Wahrheit, zwischen Leben und Tod, betonte der Ökumenische Patriarch seine Überzeugung. Der Weg zur Wahrheit sei schwierig und verlange auch Widerstand gegen die historischen Übel wie Fanatismus, Intoleranz und Fundamentalismus. Diese Übel müssten „im Namen des Evangeliums“ zurückgewiesen werden. Eine Voraussetzung für den Dialog seien auch Persönlichkeiten, die imstande sind, ihre Erfahrungen in Demut den anderen zu präsentieren, damit alle die „erreichte Übereinstimmung entdecken, verstehen und erleben können“. All dies bedrohe nicht die kanonische Tradition der orthodoxen Kirche, unterstrich Bartholomaios I. Im Gegenteil werde das orthodoxe Kirchengesetz dadurch bereichert.

Im ökumenischen Dialog gehe es aber um mehr, dieser Dialog dürfe nicht auf die Perspektive einer Vereinigung der christlichen Kirchen reduziert werden. Das Streben nach der Einheit der Kirche bedeute letztlich das Streben nach der Einheit des Menschengeschlechts, so Bartholomaios I. Wörtlich sagte der Patriarch: „In der derzeitigen kulturellen Situation, die von vielfältigen Formen des Rassismus gekennzeichnet ist, bedeutet jede Initiative zur Vereinigung der Völker im Geist ehrlicher Versöhnung einen Schritt, um die bösen Absichten und die Inhumanität einzugrenzen, es ist ein substanzieller Beitrag für eine bessere Zukunft der Menschheit. Der Auftrag der Kirche ist es, der Menschheit zu dienen, nicht dem eigenen Territorium“.

Treffen mit Großerzbischof Schewtschuk

Mit großem Interesse wurde wahrgenommen, dass Bartholomaios I. am Rande des Kanonistenkongresses am Morgen des 16.September mit dem ukrainischen griechisch-katholischen Großerzbischof von Kiew und Halytsch (Galizien), Swjatoslaw Schewtschuk, in der Domus Sanctae Marthae zusammengetroffen ist. Die Begegnung fand auf Initiative des Großerzbischofs unter Einschaltung des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen statt, wie die italienische katholische Nachrichtenagentur SIR meldet. In einer Erklärung der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche heißt es wörtlich: „Patriarch Bartholomaios hat Großerzbischof Schewtschuk die Motive dargelegt, warum er sich entschlossen hat, der orthodoxen Kirche in der Ukraine die Autokephalie zu verleihen. Er hat die ökumenische Offenheit der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche gelobt“. Die ökumenische Situation in der Ukraine nahm im Gespräch zwischen dem Ökumenischen Patriarchen und dem unierten Großerzbischof von Kiew breiten Raum ein. Schewtschuk äußerte die Hoffnung, dass die Verleihung der Autokephalie an die (neugegründete) Orthodoxe Kirche der Ukraine den ökumenischen Dialog im Land erleichtern werde, denn die „orthodoxe Ortskirche sei der wichtigste Gesprächspartner der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche“.

Als Geschenk überreichte der Großerzbischof dem Ökumenischen Patriarchen eine Kopie der „Bibel von Halytsch“. Halytsch (von der österreichischen Verwaltung nach den Teilungen der „Rzeczpospolita“ latinisiert „Galizien“ genannt) war eines der ursprünglichen ostslawischen Fürstentümer. Der griechisch-katholische Großerzbischof trägt den Namen des Fürstentums bis heute in seinem Titel. Bartholomaios I. revanchierte sich mit einem Buch über das Ökumenische Patriarchat und die Sondermarke zum Besuch von Benedikt XVI. im Phanar im Jahr 2006.