Kirchen sollen die Gläubigen auf der „Wüstenwanderung“ durch die Corona-Krise begleiten

Generalsekretärin des nahöstlichen Kirchenrates MECC plädiert für „starke spirituelle Solidarität“ und betont die Notwendigkeit, auf öffentliche Gottesdienste, Versammlungen und pfarrliche Aktivitäten zu verzichten

0
169
Foto: © Y. Shishido)GFDL-self or cc-by-sa-2.0 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Beirut, 08.04.20 (poi) Die Kirchen haben die Aufgabe, in der Corona-Krise die Gläubigen auf dieser „Wüstenwanderung“ zu begleiten, ihnen zuzuhören und den „harten und herausfordernden Erfahrungen“ einen Sinn zu geben. Dies betonte die Generalsekretärin des nahöstlichen Kirchenrates MECC, Prof. Souraya Bechealany,  am Mittwoch in einer Stellungnahme zu der historischen gemeinsamen „pastoralen Erklärung zur Pandemie“ des Weltkirchenrats und der regionalen ökumenischen Organisationen vom 26. März. Unmissverständlich betonte die Generalsekretärin: „Es darf keine öffentlichen Gottesdienste in dieser Zeit geben, keine Versammlungen, keine pfarrlichen Aktivitäten. Im Rahmen der Gesundheitsfürsorge und der wissenschaftlichen Forschung sollen kirchliche Krankenhäuser sich in besonderer Weise  den CoVID-19-Kranken widmen“. Bei der Einbeziehung kirchlicher Universitäten sei das libanesische Beispiel „überzeugend“. Im gesellschaftlichen Bereich sollten die Kirchen bereitwillig entsprechend den Anordnungen der Regierungen kirchliche Gebäude und Ressourcen für den Dienst am Volk zur Verfügung stellen. Ebenso seien in Not geratene Familien und Einzelpersonen zu unterstützen.

Die Erklärung vom 26. März habe deutlich gemacht, dass der Schutz von Leben und Gesundheit „höchster Ausdruck der Liebe zu Gott und zum Nächsten“ ist. Es gehe darum, diesen Zeitraum in „starker spiritueller Solidarität“ mit der ganzen Menschheit zu leben. Die Situation sei aber auch ein Anruf, die Periode der Pandemie als eine „gesegnete Zeit“ zu verstehen, die es ermögliche, „tiefer über das Gemeinwohl, gute Regierungsführung  und in der Tradition verankerte ethische Werte nachzudenken“. Weil die Corona-Krise eine Herausforderung für die ganze Menschheit ist, sei es für die Kirchen von höchster Wichtigkeit, gemeinsam ihre Stimmen „laut und klar“ vernehmen zu lassen, um den Glauben an den auferstandenen Christus und die damit verbundene Hoffnung zu bekennen und „jenes prophetische Wort zu wagen, mit dem sie beauftragt sind“.