Konstantinopel: Gemeinschaft zwischen Ost und West soll wiederhergestellt werden

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Foto: © Très Riches Heures du duc de Berry, Das Martyrium vom Heiligen Andreas (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain/ United States public domain)

5. Dezember 2019 (NÖK) Papst Franziskus hat anlässlich des Andreas-Fests seine „spirituelle Nähe“ zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel betont. In seiner Botschaft an Patriarch Bartholomaios beteuerte er die „standhafte Absicht“ der katholischen Kirche, das Engagement für die „Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft zwischen den Christen des Ostens und des Westens“ weiterzuführen. Die Botschaft wurde von einer Delegation mit Kardinal Kurt Koch an der Spitze, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, überbracht.

Papst Franziskus verwies auch auf das diesjährige 40-Jahr-Jubiläum der Gründung der gemeinsamen Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche, die „viele wichtige Schritte nach vorn“ gemacht habe. Daher dankte er allen aktuellen und früheren Mitgliedern der Kommission für ihren „engagierten Einsatz“. Die Suche nach der Wiederherstellung der Gemeinschaft sei aber „sicherlich nicht auf den theologischen Dialog beschränkt“, sondern geschehe auch durch „andere Kanäle des kirchlichen Lebens“. Insbesondere „authentische Gesten des gegenseitigen Respekts und der Wertschätzung nähren“ die Beziehungen. Abschließend betonte Franziskus, die beiden Kirchen befänden sich bereits auf einem „vielversprechenden“ Weg, belegt durch die gemeinsamen Initiativen.

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios wandte sich im Rahmen der Feierlichkeiten zu Ehren des Schutzpatrons von Konstantinopel auch an die Delegation der katholischen Kirche. Ihre Anwesenheit sei ein Beweis für die friedliche Koexistenz der beiden Kirchen, betonte er. Auch er lobte die Arbeit der Kommission und die Fortschritte, die sie bei der Diskussion ihres aktuellen Themas „Primat und Synodalität im zweiten Jahrtausend und heute“ erzielt habe. Er würdigte zudem die Reliquien ein, die Papst Franziskus dem Ökumenischen Patriarchat geschenkt hatte. Dies sei „extrem wichtig“, weil die Gläubigen mit der Verehrung der Reliquien auch Gelegenheit hätten, „sich mit verschiedenen Themen im Dialog auseinanderzusetzen“. An Kurt Koch gerichtet erklärte er, für bessere Beziehungen zwischen den Kirchen seien „gegenseitiger Respekt und Wertschätzung sehr wichtig“, die Suche nach Gemeinschaft sei nicht nur eine Sache des theologischen Dialogs, sondern könne auch mit anderen Mitteln erreicht werden.

Die katholische Delegation nahm nicht nur am Festgottesdienst teil, sondern traf auch mit Patriarch Bartholomaios zu einem Gespräch zusammen, ebenso mit der Kommission, die für den Dialog mit der katholischen Kirche zuständig ist. Beim Treffen war unter anderen Erzbischof Job (Getcha), der Ko-Vorsitzende der Dialogkommission und Vertreter des Ökumenischen Patriarchats beim Ökumenischen Rat der Kirche in Genf, anwesend. Dieser hat im neusten Newsletter des ÖRK Spekulationen über das Scheitern des Dialogs zurückgewiesen und ihn als „erfolgreich“ bezeichnet. Dabei verwies er auf das jüngste Treffen des Koordinierungskomitees im November im Kloster Bose im Piemont. Dort sei eine revidierte Fassung der Erklärung über „Primat und Synodalität im zweiten Jahrtausend und heute“ diskutiert worden. Außerdem habe eine zweite Subkommission 2018 regelmäßig getagt, um ein Dokument zum Thema „Auf dem Weg zur Einheit im Glauben: Theologische und kirchenrechtliche Fragen“ zu erarbeiten. Eine Vollversammlung sei für 2021 denkbar. Erzbischof Job betonte, die Kommission arbeite in einem „positiven und konstruktiven Geist“, die Arbeit sei „ernsthaft und genau“ und brauche deshalb Zeit. Sie sollte respektiert werden, „was auch immer im Web darüber gesagt wird“.

Aufmerksamkeit erregte die Anwesenheit von Metropolit Vasilios (Karagiannis) von Konstantia und Ammochostos der Orthodoxen Kirche von Zypern am Festgottesdienst zum Andreas-Fest, der von Bartholomaios und Patriarch Theodoros von Alexandria geleitet wurde. Neben der Griechischen Orthodoxen Kirche ist die Kirche von Alexandria die einzige, die die von Bartholomaios verliehene Autokephalie der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) anerkennt. Die beiden Kirchenleiter kommemorierten in der Liturgie Metropolit Epifanij (Dumenko), das Oberhaupt der OK; zudem nahmen Vertreter der OKU an der Feier teil. Daher hat Vasilios‘ Anwesenheit Spekulationen ausgelöst, ob dies als Schritt hin zu einer möglichen Anerkennung der OKU durch die Kirche von Zypern zu werten sei.