Koptisch-katholischer Bischof bewertet Maßnahmen Kairos gegen die Pandemie positiv

Hoffnung auf baldige Wiederaufnahme der öffentlichen Gottesdienste – „Situation scheint in Ägypten unter Kontrolle zu sein“

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Foto: © Ashashyou (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Kairo, 18.05.20 (poi) Der koptisch-katholische Bischof von Assiut, Kyrillos William Semaan, hat im Gespräch mit „Radio Vatikan“ eine positive Bilanz der Maßnahmen gezogen, die von der Regierung in Kairo zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie getroffen wurden. Der Bischof verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass öffentliche Gottesdienste bald wieder möglich sein werden. Zwar seien in Ägypten viele Menschen – wie auch andernorts – durch die mit der Pandemie verbundenen Einschränkungen arbeits- und einkommenslos geworden. Doch die Regierung habe schnell reagiert und auch ein kleines Einkommen für die besonders hart getroffenen Taglöhner ohne jede soziale Absicherung zur Verfügung gestellt.

Die ersten Fälle seien seines Wissens über ein Kreuzfahrtschiff eingeschleppt worden, nahm der Bischof auf Nachrichten Bezug, wonach noch vor dem Ausbruch der weltweiten Pandemie eine mit dem neuartigen Virus infizierte Frau auf der MS „Asara“ zahlreiche weitere Passagiere und (ägyptische) Crewmitglieder infiziert habe. Die Behörden hätten erst beträchtlich später von der hohen Gefahr erfahren, die von dem Virus ausgeht. Wörtlich fügte der Bischof von Assiut hinzu: „Aber Gottseidank hat die Regierung bei uns rechtzeitig viele Maßnahmen getroffen und alle Schulen und Universitäten zugemacht. Auch wir als kirchliche Verantwortliche haben entschieden, dass wir die Menschen nicht mehr zu Gottesdiensten versammeln können und wir Katholiken waren die ersten, die eine diesbezügliche Erklärung abgegeben haben, danach kamen dann auch die Orthodoxen und die anderen Glaubensgemeinschaften. Und derzeit feiern wir die Messen ohne das Volk Gottes, nur mit einem oder zwei Ministranten. Bei Hochzeiten und Beerdigungen schränken wir die Teilnahme auf sechs Gläubige ein“.

Inzwischen seien etwa zwei Monate vergangen, die Regierung überprüfe ihre Maßnahmen alle vierzehn Tage, berichtete der Bischof. Bis jetzt scheine die Situation in Ägypten jedenfalls unter Kontrolle zu sein, auch wenn es für die Gläubigen hart gewesen sei, das Verbot öffentlicher Gottesdienste zu akzeptieren. Tatsächlich seien die Pfarrer bemüht, den Menschen auch die Heilige Kommunion in die Häuser zu bringen. Es sei zu hoffen, dass es nicht mehr lange dauern werde, bis öffentliche Gottesdienste wieder möglich sind: „Das wird wahrscheinlich nach dem muslimischen Ramadan der Fall sein. Wir merken, dass die Corona-Fälle zurückgehen. Wir haben den ‚Peak‘ erreicht und es gibt immer weniger Infektionen, während jeden Tag mehr Menschen sogar ohne größere Behandlungen als geheilt erklärt werden“.

Wirtschaftliche Folgen desaströs

Doch die wirtschaftliche Lage sei infolge der Pandemie natürlich extrem besorgniserregend, viele Menschen könnten ihre Familien nicht mehr angemessen ernähren oder ihre Mieten zahlen. Die lokale Kirche versuche, so gut sie könne, Privatinitiativen zu fördern, während auch die vatikanische Ostkirchenkongregation im Verband mit der CNEWA (Catholic Near East Welfare Association) und den Päpstlichen Missionswerke eine eigene Kampagne gestartet habe.

Auch die Regierung tue ihr Möglichstes, um die Folgen der Pandemie so erträglich wie möglich für die Menschen im Land zu halten, betonte Bischof Kyrillos William Semaan: „Die Regierung bemüht sich sehr, alle betroffenen Ministerien arbeiten sehr tüchtig, das Gesundheitsministerium hat dafür gesorgt, dass die Krankenhäuser entsprechend eingerichtet wurden, genauso wie davor gewarnt wird, enge soziale Kontakte aufrecht zu erhalten und auch die Masken getragen werden müssen. Auch die Polizei ist sehr aufmerksam. Wir haben von 21 Uhr bis 6 morgens eine Ausgangssperre, vorher war es ab 19 Uhr, aber jetzt im Ramadan wurde die Ausgangssperre etwas nach hinten verlegt. Die Geschäfte schließen um 17 Uhr, auch die Verkehrsmittel stoppen, damit nicht so viele Menschen auf der Straße sind“.