Koptischer Metropolit Anba Bischoi verstorben

Er zählte zu den einflußreichsten Persönlichkeiten der koptisch-orthodoxen Kirche und war führend am ökumenischen Gespräch mit den anderen christlichen Kirchen beteiligt

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Foto: © Lumen roma (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Kairo, 03.10.18 (poi) Anba Bischoi, koptisch-orthodoxer Metropolit von Damiette und Repräsentant seiner Kirche in vielen ökumenischen Gremien, ist im Alter von 76 Jahren verstorben. Er war eine der einflußreichsten Persönlichkeiten der koptisch-orthodoxen Kirche und eng mit dem verstorbenen Papst-Patriarchen Schenuda III. verbunden. Anba Bishoi war sowohl am Dialog der orientalisch-orthodoxen Kirchen untereinander als auch am ökumenischen Gespräch mit den anderen Kirchen führend beteiligt. In diesem Zusammenhang war er auch ein langjähriger Dialogpartner von “Pro Oriente”. Im ökumenischen Gespräch vertrat der Metropolit konsequent die Tradition seiner Kirche.

Der Metropolit – mit bürgerlichem Namen Makram Iskander Nicola – wurde am 19. Juli 1942 geboren. 1959 begann er das Technik-Studium in Alexandrien. 1963 schloß er dieses Studium mit dem Bachelor-Grad ab und wurde Assistenzprofessor an der Fakultät für Ingenieurwesen. Vor seinem Klostereintritt entschloß er sich, sein Studium mit dem Master-Grad abzuschließen. Zwei Tage, nachdem die Fakultät ihm diesen Grad verliehen hatte, trat er am 30. Mai 1968 im Kloster Der al-Surian, dem berühmten Syrer-Kloster im Wadi Natrun, ein.

Zuvor war er eingeladen worden, als verheirateter Priester in die Pfarrseelsorge zu gehen, was er aber ablehnte, ebenso das Angebot, ein Doktoratsstudium im Ausland zu absolvieren. 1969 erhielt er unter dem Namen Thoma al-Suriani die Mönchsweihe in seinem Kloster im Wadi Natrun. Am Palmsonntag 1970 wurde er zum Priester geweiht, was er eigentlich nicht wollte, weil er keinen höheren Rang im Kloster anstrebte. Am 24. September 1972 wurde er zum Bischof geweiht und mit der Verantwortung für die Eparchie Damiette betraut. 1990 erfolgte die Rangerhöhung zum Metropoliten.

Trauer in der Ökumene

Der Weltkirchenrat (WCC) trauert um den koptisch-orthodoxen Metropoliten Anba Bischoi, der im weltweiten ökumenischen Dialog eine wesentliche Rolle innehatte. Sein  Begräbnis fand nach orientalischer Sitte bereits am Tag nach seinem Ableben, am Donnerstag, statt. Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, stellte am Donnerstag fest: „Der Metropolit war zutiefst in seiner Kirche verankert und zugleich auf der globalen Ebene überaus präsent. Nicht nur die Kirchen im Nahen Osten, sondern Christen in aller Welt werden diese dynamische ökumenische Führungspersönlichkeit vermissen“.

Anba Bishoi gehörte dem WCC-Exekutivausschuss von 2006 bis 2013 an; er war Mitglied des WCC-Zentralausschusses ab 2013 und Mitglied der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung (Faith and Order) ab 1991. Ein bedeutende Rolle hatte er auch in der offiziellen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen. Pfarrer Fykse Tveit betonte den Beitrag des Metropoliten zum ökumenischen Geschehen, Anba Bishoi habe „mit Leidenschaft und Herz“ die ökumenischen Anstrengungen für Einheit und gemeinsames Zeugnis mitgetragen. Wörtlich fügte der Generalsekretär hinzu: „Ich werde mich immer seiner Freundschaft und seiner Präsenz erinnern und sie vermissen. Er hat uns stets daran erinnert, dass wir das Kreuz Christi gemeinsam tragen sollen“.

Susan Durber, die Moderatorin der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung, stellte fest, Anba Bishoi habe in „herausfordernden Kontexten und Zeiten“ seine Tradition und „ein kraftvolles Zeugnis für das Evangelium“ glaubwürdig vertreten. Er habe oft nicht nur mit theologischen Einsichten überrascht, sondern auch mit Geschichten aus seiner langen Erfahrung von gelebtem Glauben, Zeugnis und Leitungsstil.

Der koptisch-orthodoxe Erzbischof Angaelos von London würdigte auf Facebook die vielfältigen Verdienste von Anba Bishoi nicht nur im ökumenischen Bereich, sondern auch als Metropolit der wichtigen Eparchie Damiette und als Generalsekretär des Heiligen Synods des koptisch-orthodoxen Patriarchats. Es sei für ihn ein Segen und eine Ehre gewesen, an der Seite des Metropoliten sowohl im Heiligen Synod als auch in vielen ökumenischen Versammlungen und Institutionen wirken zu dürfen, so Erzbischof Angaelos. Seine letzte Begegnung mit Anba Bishoi habe erst vor wenigen Tagen in Etschmiadzin – am Sitz des armenisch-apostolischen Katholikos-Patriarchen – stattgefunden, als der Metropolit 48 Stunden vor seinem Tod für die orientalisch-orthodoxe Kirchenfamilie das „Memorandum of Understanding“ zwischen den „United Bible Societies“ und den orthodoxen sowie orientalisch-orthodoxen Kirchen unterzeichnete. Dieses „Memorandum of Understanding“ stelle für die Ökumene einen historischen Markstein dar, betonte Erzbischof Angaelos, für Anba Bishoi sei es die Frucht unermüdlicher Arbeit von mehr als einem Jahrzehnt gewesen. In Etschmiadzin sei es im Gespräch mit Anba Bishoi auch um die bevorstehende Jahrestagung der internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen anglikanischer Kirche und orientalisch-orthodoxer Kirchenfamilie gegangen, der verstorbene Metropolit war Ko-Vorsitzender dieser Kommission.

 

Dialogpartner der Kardinäle Kasper und Koch

Der Salzburger Ostkirchenexperte (und Vorsitzende der Salzburger Sektion von „Pro Oriente“) Prof. Dietmar W. Winkler erinnerte am Donnerstag im Gespräch mit dem „Pro Oriente“-Informationsdienst an die Funktion von Anba Bischoi als Ko-Vorsitzender der internationalen Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen. In dieser Funktion sei der koptische Metropolit Dialogpartner der Kardinäle Walter Kasper und Kurt Koch gewesen. Prof. Winkler: „Dieser Dialog brachte nicht nur eine ausgesprochen herzliche ökumenische Atmosphäre zu Tage, sondern bisher auch zwei substanzielle gemeinsame Dokumente zum Kirchenverständnis“.

Anba Bishoi habe die koptische Kirche im Gespräch mit „Pro Oriente“ erstmals bei der 5. Konsultation katholischer und orientalisch-orthodoxer Theologen 1988 in Wien vertreten. Diese Konsultation fand nach der Rückkehr von Papst-Patriarch Schenuda III. aus dem  Bishoi-Kloster im Wadi Natrun statt, wohin er 1981 bis 1985 vom damaligen ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat verbannt worden war. Anba Bishoi sei damals, so Prof. Winkler, zum „engen Vertrauten“ von Schenuda III. geworden, den er danach weltweit in allen ökumenischen Dialogen, seien sie inoffiziell oder offiziell, bilateral oder multilateral (z.B. „Faith and Order“) vertreten habe. Prof. Winkler: „Dabei trug er vor allem zur Verbreitung der ‚Wiener Christologischen Formel‘ bei, die 1971 wesentlich vom damals noch nicht zum Patriarchen gewählten jungen Bischof Schenuda unter Bezugnahme auf die koptische Liturgie entwickelt worden war. Anba Bishoi hatte großen Anteil daran, dass sich der Kerntext von Wien 1971 auch in den christologischen Übereinkünften der orientalisch-orthodoxen Kirchen u.a. mit dem Reformierten Weltbund und der Anglikanischen Gemeinschaft findet“.

Der koptische Bischof sei aber auch der Motor für das erste „Pro Oriente“-Regionalsymposion (Middle East Symposium) gewesen, das auf Einladung von Schenuda III. 1991 im Wadi Natrun stattfand, um die Ergebnisse des ökumenischen Dialogs bei Religionslehrern, Priestern, Mönchen und Bischöfen bekannt zu machen. Bei allen folgenden Studienseminaren und Regionalsymposien war Anba Bishoi über Jahrzehnte hinweg „konstanter koptischer Partner von ‚Pro Oriente‘ im Dialog“. Seine theologische Konsequenz habe freilich auch eine manchmal enge Sicht auf die christologische und theologische Terminologie mit sich gebracht. Prof. Winkler: „Dabei war er jedoch vom ernsthaften Bemühen getragen, den rechten Glauben und die alexandrinische Tradition im globalen Konzert der Ökumene zu vertreten und dabei ein menschlich liebenswerter, monastisch spirituell getragener, aber nicht immer leichter Dialogpartner“.