Kosovo: Orthodoxe Kirche prangert Geschichtsmanipulation der Islamischen Gemeinschaft an

In einem Kommunique der Islamischen Gemeinschaft waren die serbischen Bewohner des Kosovo und der Metochie als „Okkupanten“ bezeichnet worden

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Foto: © Predrag Bubalo (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Pristina, 12.03.18 (poi)  Der Kirchenrat der serbisch-orthodoxen Eparchie Ras-Prizren hat ein Kommunique der Islamischen Gemeinschaft des Kosovo scharf zurückgewiesen, in dem Serbien und die serbische Bevölkerung des Kosovo und der Metochie als „Okkupanten“ bezeichnet werden. Das Kommunique der Islamischen Gemeinschaft – eine Reaktion auf die Feststellung des Belgrader Muftis Muhammed Jusufspahic, dass der Kosovo „die Wiege Serbiens“ sei – trage leider nicht zum „Aufbau des Vertrauens zwischen den religiösen und nationalen Gemeinschaften des Kosovo und der Metochie“ bei. Die Feststellung der Islamischen Gemeinschaft, dass der Kosovo „niemals ein Teil Serbiens“ und „nur kurzfristig von Serbien okkupiert“ gewesen sei, stelle ein „extrem provokantes Beispiel der Geschichtsmanipulation und eine schwere Beleidigung“ dar.

Der serbische Staat habe im Kosovo bereits am Beginn des Hochmittelalters existiert, ebenso wie das orthodoxe Christentum mit seiner reichen Tradition im Kosovo älter sei als der Islam, der erst mit den Osmanen gekommen sei. Zahlreiche historische Quellen seien der Beweis, dass das serbische Volk kontinuierlich im heutigen Kosovo gelebt hat, ob es sich um mittelalterliche Dokumente, die Berichte der osmanischen Volkszählungen („defteri“) oder viele Zeugnisse des kirchlichen Lebens handle. Diese historischen Fakten stellten in keiner Weise die Existenz des albanischen Volkes und seiner Rechte in Frage, aber sie erlaubten in keinem Fall, mit „unverschämten Lügen“ die Existenz des serbischen Volkes und seiner Traditionen als „autochthones Element in der Geschichte dieser Region“ zu leugnen.

Das Kommunique der Islamischen Gemeinschaft fordere indirekt zur Weiterführung der Gewalt gegen die Serben und ihre Heiligen Stätten auf, heißt es in der Erklärung der Eparchie Ras-Prizren.  Diese Gewalt werde durch die vergangenen 19 Jahre der kontinuierlichen Diskriminierung  der Serben und des Erbes der serbisch-orthodoxen Kirche im Kosovo – trotz der internationalen militärischen und zivilen Präsenz – unter Beweis gestellt. Statt „hetzerische politische Erklärungen“ abzugeben, die die religiösen und nationalen Rechte des serbischen Volkes und der serbisch-orthodoxen Kirche verletzen, sollte sich die Islamische Gemeinschaft des Kosovo über das Problem des wachsenden religiösen Extremismus bei einem Teil der Albaner im Kosovo Sorgen machen.

Jüngste Vorfälle nähren Ängste in der serbisch-orthodoxen Bevölkerung des Kosovo. So wurden frühere serbische Bewohner von Djakovica, die von den UCK-Milizionären 1999 vertrieben wurden, am 6. Jänner gehindert, Weihnachten in der orthodoxen Kirche der Stadt zu feiern. Die Vertriebenen waren mit zwei Autobussen unterwegs; die kosovarische Polizei hinderte sie, in die Stadt einzufahren, weil sich vor der Kirche eine größere Demonstration von albanischen Radikalen versammelt hatte, die Parolen wie „Der Kosovo ist unser“ und „UCK“ schrien. Den Vertriebenen, die zum ersten Mal nach 19 Jahren Weihnachten wieder in der Heimat feiern wollten, blieb nichts anderes übrig, als zu den Klöstern von Pec und Decani auszuweichen.

Vor 1999 hatte Djakovica 12.000 serbische Bewohner. Heute leben nur mehr vier ältere serbische Frauen in der Stadt, die inzwischen ein Frauenkloster gebildet haben und die Kirche behüten. Die serbisch-orthodoxe Pfarrkirche von Djakovica war im März 2004 von den Albanern niedergebrannt worden, 2010 wurde sie wiederaufgebaut. Von den einstigen serbischen Bewohnern der Stadt konnte bisher kein einziger zurückkehren; viele „serbische“ Häuser wurden zerstört.