Kroatien: Erdbeben löste ökumenische Annäherung von Katholiken und Orthodoxen aus

Kardinal Bozanic und Metropolit Porfirije besuchten gemeinsam die beschädigten Kathedralen in Zagreb und tauschen Erfahrungen über die Hilfe für die Erdbebenopfer und über die notwendigen Maßnahmen angesichts der Corona-Pandemie aus

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Foto: © Micki (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Zagreb, 15.01.21 (poi) Die Erdbebensituation in Kroatien hat zu einer ökumenischen Annäherung zwischen serbisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche geführt. Der serbisch-orthodoxe Metropolit von Zagreb, Porfirije (Peric), und der katholische Erzbischof der kroatischen Hauptstadt, Kardinal Josip Bozanic, trafen am 12. Jänner zusammen. Sie besichtigten gemeinsam die beiden Kathedralen im Stadtzentrum von Zagreb und die beiden Bischofshäuser, die alle bei dem starken Erdbeben am 22. März des Vorjahrs und bei den kürzlichen Erdstößen in der Banija schwer beschädigt wurden. Die beiden Bischöfe tauschten Erfahrungen über die Hilfe für die Erdbebenopfer und über die notwendigen Maßnahmen angesichts der Corona-Pandemie aus.

Im Gespräch mit Journalisten verwies Kardinal Bozanic darauf, dass die Begegnung mit seinem orthodoxen Amtsbruder im Vorfeld der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen stattgefunden habe. Er unterstütze den Ökumenismus und das Streben nach Einheit, die katholische Kirche habe viel mit der serbisch-orthodoxen Kirche gemeinsam. Metropolit Porfirije berichtete vor den Journalisten, dass Kardinal Bozanic im Gespräch die Corona-Pandemie einen „Anruf Gottes“ an alle Christen genannt hatte. Dieser Anruf habe bei allen Christen „Antworten und Schritte aufeinander zu“ ausgelöst, betonte der Metropolit: „Wenn wir im ‚Anderen‘ den Nachbarn sehen, dann werden alle Schwierigkeiten leichter, und sie werden leichter zu überwinden sein“. Ereignisse wie die Erdbeben seien eine Erinnerung daran, dass die Menschen dazu berufen sind, „in Verschiedenheit einig zu sein“.

Er teile mit Kardinal Bozanic das Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer der beiden heftigen Erdstöße vom 28. und 29. Dezember in der Banija, sagte Metropolit Porfirije. Es seien auch viele Gotteshäuser zerstört worden, aber jetzt gehe es zunächst darum, Unterkünfte für jene Familien zu schaffen, die bei den Erdstößen ihren Wohnraum verloren haben. Der Wiederaufbau der Gotteshäuser sei einer späteren Phase vorbehalten. Auch Kardinal Bozanic unterstrich, dass die Sorge für die vom Erdbeben Betroffenen jetzt die Hauptsache sei, alles andere habe Nachrang. „Als Bischöfe schauen wir auf die Nöte der Menschen, aber auch auf die Hilfe, die von vielen Seiten kommt“, so der Kardinal.

Metropolit Porfirije verwies auf die vom Erdbeben im März des Vorjahrs ausgelösten schweren Schäden an der katholischen Kathedrale und appellierte an den kroatischen Staat, sich bewusst zu sein, dass „dieses großartige Gotteshaus“ über die Grenzen Kroatiens hinaus bedeutungsvoll ist. Vor den Journalisten erinnerten beide Bischöfe an die lange Liste der von den Erdbeben im März und im Dezember 2020 beschädigten katholischen und orthodoxen Gotteshäuser in Kroatien.