Kroatischer Bischof verurteilt Ausschreitungen gegen serbischsprachige Bürger

„Kroatischer Patriotismus darf nicht in eine Ideologie des Hasses und der Gewalt umgewandelt werden“

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Foto: © Rosier-HR (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic)

Zagreb, 26.09.19 (poi) Der katholische Bischof der slawonischen Diözese Pozega, Antun Skvorcevic, hat die Ausschreitungen gegen Bürger serbischer Nationalität in Knin und anderen kroatischen Orten verurteilt, er fühle „mit den Betroffenen“. Bei der Amtseinführung des neuen Pfarrers von Daruvar, Zdravko Rados, betonte der Bischof am 25. August das religiöse Motiv für die Verurteilung der Ausschreitungen: Jesus sei für alle gestorben, er sei der „Bruder aller Menschen“. Daher müsse jeder Gläubige andere Menschen mit tiefem Respekt akzeptieren und dürfe niemand verspotten oder verachten, vor allem nicht im Hinblick auf die ethnische Zugehörigkeit. Wörtlich sagte Bischof Skvorcevic: “Es ist inakzeptabel, wenn der kroatische Patriotismus in eine Ideologie des Hasses und der Gewalt umgewandelt wird“. Der kroatische Patriotismus sei ein Wertesystem, das die Prinzipien des Evangeliums beinhalte: „Wenn jemand die Mitglieder anderer Ethnien hasst und Gewalt gegen sie verübt, verletzt er das christliche Erbe und handelt gegen Gottes Plan“.

Zugleich machte der Bischof deutlich, dass er sich von allen Versuchen distanziere, die bedauerlichen Vorfälle für politische Zwecke zu vereinnahmen und ihnen eine falsche Bedeutung zuzuschreiben, die zu neuen Spaltungen und zur Verbreitung von Mißtrauen führe. Dies könne „noch größere Übel“ als die Gewalttaten in Knin und an anderen Orten auslösen.

Die Zwischenfälle in zwei Dörfern bei Knin hatten sich am 22. August zugetragen, als maskierte „Unbekannte“ in Gasthäuser stürmten, wo serbische Ortsbewohner die Übertragung eines Fußballspiels des Belgrader Clubs „Roter Stern“ verfolgten. Die „Unbekannten“ gingen auf die Anwesenden los und verprügelten sie. In den letzten Monaten war es u.a. auch zu Angriffen auf Mitglieder einer Belgrader Wasserballmannschaft in Split und auf Saisonarbeiter (kroatische Bürger serbischer Ethnizität) auf der Insel Brac gekommen. In Kastav bei Rijeka (Fiume) wurde der stellvertretende Vorsitzende des örtlichen serbischen Minderheitenrates von einem kroatischen „Kriegsveteranen“ niedergeschlagen und so schwer verletzt, dass er starb.