Leichen der 2015 in Libyen ermordeten äthiopischen Märtyrer entdeckt

Die Täter waren IS-Terroristen, die sich in der Küstenstadt Sirte verschanzt hatten – Parallelen zum Schicksal der koptischen Arbeitsmigranten, die wenige Monate zuvor ebenfalls in der Nähe von Sirte emordet wurden

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Foto: © Jaw101ie (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Tripoli-Addis Abeba, 07.01.19 (poi) In Libyen sind in einem Massengrab die sterblichen Hüllen von 34 äthiopischen Christen entdeckt worden, die 2015 von IS-Terroristen ermordet wurden. Das Massengrab befindet sich nach Angaben libyscher Behörden unweit der Küstenstadt Sirte, die 2015 unter der Kontrolle der IS-Terroristen war. Sobald die Erhebungen abgeschlossen sind, sollen die Gebeine nach Äthiopien überführt werden. Im April 2015 verbreiteten die Terroristen ein Video, in dem die Ermordung von zwei Gruppen äthiopischer Christen in Libyen gezeigt wurde. Das Video war mit den üblichen Slogans gegen „das Volk des Kreuzes“ und Bildern von der Zerstörung von Kirchen, Ikonen und christlichen Gräbern garniert. Die Opfer der Mordaktion wurden als Angehörige der „feindlichen äthiopischen Kirche“ bezeichnet. Die Ermordeten waren arme junge Migranten, die nach Libyen gekommen waren, in der Hoffnung, dort entweder Arbeit oder eine Fahrtmöglichkeit nach Europa zu finden.

2015 waren wenige Monate zuvor auch 20 koptische Arbeitsmigranten und ein ghanesischer Arbeitskollege von den IS-Terroristen ermordet worden. Die 21 Märtyrer sind inzwischen von der koptisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen worden, ihrem Andenken ist ein neu erbautes Heiligtum in Our in der Region Samalut gewidmet. Auch die Leichen dieser Märtyrer waren – im September 2017 – in einem Massengrab ebenfalls unweit von Sirte entdeckt worden.

Während das Schicksal der 21 koptischen Märtyrer auch weltweit bekannt ist, wurde die Ermordung der äthiopischen Märtyrer nur in Nord- und Ostafrika zur Kenntnis genommen. Als das IS-Video zu zirkulieren begann, in dem zu sehen war, wie die eine äthiopische Gruppe am Strand unweit von Sirte geköpft wurde, während die andere Gruppe an einem unbekannten Ort im Inneren Libyens durch Genickschüsse getötet wurde, bildete das äthiopische Außenministerium eine Sonderkommission. Der äthiopisch-orthodoxe Patriarch Mathias I. sagte seine geplante Reise nach Kairo ab, von wo er gemeinsam mit dem koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II. nach Jerewan reisen wollte, um dort am Gedenken zum Beginn des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich teilzunehmen.

In dem Video kam die wirre Gedankenwelt der IS-Terroristen zum Ausdruck. Unter dem Titel „Bis ein deutlicher Beweis zu ihnen kam“ bezogen sie sich auf Sure 98 des Korans und illustrierten mit Bildern von der Zerstörung christlicher Kirchen und Friedhöfe im nördlichen Irak sowie der Schändung von Ikonen die „einzigen Möglichkeiten“ für die Christen: Konversion zum Islam oder Zahlung der ausgiebigen Sondersteuer für den „Schutz“ durch die muslimischen Machthaber („Dschizya“). Die beiden „einzigen Möglichkeiten“ wurden Personen in den Mund gelegt, die als „Christen aus Syrien“ präsentiert wurden.

Äthiopien steht nach der Bevölkerungszahl mit mehr als 90 Millionen Einwohnern an zweiter Stelle in Afrika. Mehr als zwei Drittel der Äthiopier sind Christen, vor allem Angehörige der äthiopisch-orthodoxen Kirche. Das militärische Eingreifen Addis Abebas im zerfallenen Nachbarstaat Somalia hat immer wieder zu Drohungen von Islamisten geführt. In dem Video aus Libyen wurde nicht direkt auf diese Auseinandersetzungen Bezug genommen, aber einer der Terroristen sagte den Satz: „Das Blut von Muslimen, das durch eure Religion vergossen wurde, ist nicht billig“.