Orthodoxe Kirche gedachte der Weihe der Christus Pantokrator-Kirche am Goldenen Horn

Sie war die bedeutendste Klosterkirche Konstantinopels und wurde nach der osmanischen Eroberung zur Moschee umgewandelt

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Foto: © Sharon Nathan (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Konstantinopel, 05.08.20 (poi) In der orthodoxen Kirche wurde am 4. August – wie alljährlich – der Weihe der Christus Pantokrator-Kirche am Goldenen Horn, der bedeutendsten Klosterkirche Konstantinopels, gedacht. Das Kloster war Heimstätte bedeutender Mönche, der bekannteste unter ihnen war Gennadios Scholarios, der erste Ökumenische Patriarch unter osmanischer Herrschaft, der von 1454 bis 1464 als Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom, amtierte. Schon bald nach seinem Tod wurde die Christus Pantokrator-Kirche in eine Moschee umgewandelt, die den Namen Molla Zeyrek Cami trägt.

Der Komplex der Christus Pantokrator-Kirche bestand aus drei miteinander verbundenen Gotteshäusern. Diese Struktur blieb auch in der Zeyrek-Moschee erhalten. Die Südkirche ist dem Christus Pantokrator geweiht, die mittlere Kirche dem Erzengel Michael und die Nordkirche der Muttergottes. Die Erzengel Michael-Kirche war als imperiale Grabkirche der Kaiser aus der Familie der Komnenen gedacht. Das Christus Pantokrator-Kloster bildet den Höhepunkt des Architekturschaffens der komnenischen Epoche. Besonders kennzeichnend sind in dem nach der Hagia Sophia zweitgrößten Sakralgebäude, das am Bosporus  aus dieser Zeit heute noch erhalten ist, die für die Kunst der komnenischen Epoche typischen vielkuppeligen Anlagen, die insbesondere in den Klosterkirchen des Athos, aber auch in Russland und auf dem Balkan vorbildlich wurden.

In der Zeit von 1118 bis 1124 ließ die Kaiserin Irene Komnena das Christus Pantokrator-Kloster auf dem Vierten Hügel von Konstantinopel (im heutigen Bezirk Fatih) errichten. Das Kloster erhielt eine große Kreuzkuppelkirche mit drei Apsiden, eine Bibliothek und ein Krankenhaus. Nach dem Tod von Irena Komnena, kurz nach 1134, errichtete ihr Mann, Kaiser Johannes II. Komnenos, im Christus Pantokrator-Kloster eine etwas kleinere Kirche fast gleichen Typs und widmete sie der Muttergottes. Beide Kirchen wurden vor 1136 durch eine dem Erzengel Michael geweihte Kirche verbunden, die den Dynastien der Komnenen und Palaiologen als kaiserliches Mausoleum diente. Im Christus Pantokrator-Kloster lebten nach den Angaben des erhalten gebliebenen „Typikons“ 80 Mönche, das Krankenhaus hatte 50 Betten, es gab auch ein „Gerokomeion“ (Altersheim) mit 24 Plätzen. Das Kloster verfügte über reichen Grundbesitz in Thrazien, Mazedonien, Anatolien und an der ägäischen Küste.

Während des Lateinischen Kaiserreichs, nach dem Vierten Kreuzzug, war der Komplex der Sitz des venezianischen Klerus. Das Kloster war auch Residenz des letzten lateinischen Kaisers, Baudouin II. Es gibt Vermutungen, wonach einige Tafeln der berühmten „Pala d’Oro“ im Markusdom in Venedig ursprünglich aus dem Christus Pantokrator-Kloster stammten. In der Zeit der Lateinerherrschaft wurde im Christus Pantokrator-Kloster ab 1206 die Ikone der Schutzpatronin von Konstantinopel, der Madonna  Hodegetria (der „Wegweiserin“), verehrt.

Nach der palaiologischen Restauration im Jahr 1261 wurde das Kloster wieder von orthodoxen Mönchen bewohnt. Bis vor ein paar Jahren war der ursprüngliche Kloster- und spätere Moschee-Komplex in einem desolaten Zustand und wurde von der UNESCO auf die Liste der gefährdeten Denkmäler gesetzt. In den letzten Jahren wurde eine umfangreiche, aber noch unvollendete Restaurierung durchgeführt.