Lenins Leichnam soll vom Roten Platz entfernt werden

Metropolit Hilarion hält das für angemessen, wenn man bedenke, dass „diese Person am Beginn des ‚roten Terrors‘ steht“ – Aber man müsse sorgfältig vorgehen, um keine Konfrontationen zu provozieren

0
199
Foto: © Christophe Meneboeuf (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Moskau, 05.10.20 (poi) Für die Entfernung des Leichnams des Revolutionsführers Lenin vom Roten Platz hat sich der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), öffentlich ausgesprochen. In der Interview-Leiste „Kirche und Welt“ des TV-Senders „Rossija 24“ sagte der Metropolit, er hege keinen Zweifel, dass „der Leichnam dieser Person früher oder später begraben werden wird“. Eine andere Frage sei, wann und unter welchen Umstände dies geschehen werde. Metropolit Hilarion nannte Lenin einen Vaterlandsverräter, der durch das Geld der deutschen Obersten Heeresleitung nach Russland gekommen sei, ein Mann, „den man eigentlich hätte vor Gericht stellen müssen“. So aber sei es geschehen, dass diese Person „am Beginn des ‚roten Terrors‘ steht, am Beginn der Massenverfolgung des russischen Volkes“. Daher sei er der Auffassung, dass „der Leichnam dieser Person“ nicht auf dem Roten Platz verbleiben sollte, so Metropolit Hilarion.

Der Metropolit fügte hinzu, man müsse verstehen, dass die sterblichen Überreste Lenins für seine Anhänger ein „Heiligtum“ darstellen. „Wenn wir daran denken, wie die Bolschewiki Kirchen in die Luft gesprengt und Priester eliminiert haben, dann war das ein Angriff auf unseren Glauben. Wenn der Leichnams Lenins aus dem Mausoleum auf dem Roten Platz entfernt wird, werden jene Leute, für die Lenins Leichnam ein ‚Heiligtum‘ ist, das als Übergriff empfinden“, stellte Metropolit Hilarion fest. Daher müsse man sorgfältig vorgehen, um keine Konfrontationen zu provozieren. Wahrscheinlich werde man etwas warten müssen, bis Lenin begraben werden könne: „Das wird geschehen, wenn die kommunistische Ideologie endgültig in der Vergangenheit verschwindet“.

Das Mausoleum solle man aber nicht abreißen, schließlich sei es ein Werk des herausragenden Architekten Aleksij W. Schtschuschew (1873-1949), der auch Kirchen und viele interessante Bauten errichtet habe. Im Inneren wäre es wahrscheinlich logisch, wenn man ein Museum der „Massenverfolgung“ durch das kommunistische Regime einrichtet.