Libanesischer Präsident Aoun in Moskau

Er traf mit Präsident Putin, Metropolit Hilarion und Vertetern der Duma zusammen – Dank für die russische Hilfe an die Christen des Nahen Ostens

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Foto: © Imadmhj (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Moskau, 27.03.19 (poi) Der libanesische Präsident Michel Aoun – ein maronitischer Christ – hat sich bei seinem Besuch in Moskau am 26. März beim russischen Präsidenten Wladimir Putin für die Unterstützung bedankt, die christliche Gemeinschaften im Nahen Osten durch Russland erfahren. Aoun lud den russischen Präsidenten zu einem Besuch im Libanon ein. Zugleich übte der libanesische Staatschef Kritik an der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die Souveränität Israels über den Golan anzuerkennen, das sei eine „Verletzung des Völkerrechts“.

Während ihres kurzen Aufenthalts in Moskau trafen Aoun und seine Delegation – zu der auch der libanesische Außenminister Gebran Bassil gehörte – auch mit Vertretern der Duma und des von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleiteten Außenamts des Moskauer Patriarchats zusammen. In den Gesprächen zwischen Präsident Aoun und Metropolit Hilarion am 25. März, dem Fest Mariä Verkündigung (im Libanon ein Nationalfest), wurde auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, in naher Zukunft einen Organismus des Dialogs zu schaffen, um die Beziehungen russischer Christen zu den Christen des Nahen Ostens zu fördern und neue Formen der Zusammenarbeit im Bereich des religiösen Tourismus, der Bildungsarbeit und des sozialen und karitativen Wirkens auf den Weg zu bringen.

Metropolit Hilarion würdigte den libanesischen Präsidenten als den einzigen Staatschef christlicher Konfession im Nahen Osten. Zugleich sei der Libanon das einzige orientalisch Land, das die Rechte der Christen in der Verfassung verankert habe. Der Leiter des Außenamts betonte seine Hoffnung, dass die gemeinsamen Friedensanstrengungen der russisch-orthodoxen Kirche und der christlichen Kirchen im Libanon helfen werden, „die christliche Präsenz im ganzen Nahen Osten zu bewahren und zu stärken“. Bei der Begegnung zwischen  Präsident Aoun und Metropolit Hilarion war auch der Repräsentant des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien beim Moskauer Patriarchen, Metropolit Nifon (Saikali), anwesend.

Die Vertreter der Duma betonten bei ihrer Begegnung mit Präsident Aoun die Dringlichkeit der Rückführung syrischer Flüchtlinge, die auch von libanesischen Politikern immer wieder mit Nachdruck erwähnt wird. Zu diesem Thema soll eine Konferenz mit Vertretern des libanesischen, russischen, europäischen, türkischen und syrischen Parlaments in Beirut einberufen werden. Michel Aoun und viele andere libanesische Politiker – aber auch führende Kirchenleute wie Kardinal-Patriarch Bechara Boutros Rai – beklagen das Desinteresse westlicher Regierungen im Hinblick auf die Konsequenzen der Präsenz von mehr als 1,5 Millionen syrischer Flüchtlinge im Libanon.

Wenige Tage vor dem Moskau-Besuch Aouns hatte Metropolit Hilarion in der russischen Hauptstadt bei der Eröffnung des 2. Interdisziplinären Kongresses über „Rehabilitationsmedizin in der Kinderheilkunde“ über ein gemeinsames Projekt des Moskauer Patriarchats und verschiedener Wohltätigkeitsorganisationen für kriegsverletzte Kinder in Syrien berichtet. Das Projekt wurde im Mai 2018 gestartet. Am Rande des Kongresses traf der Metropolit auch mit der syrischen christlichen Parlamentsabgeordneten Maria al-Betaar Shehadeh zusammen, um Maßnahmen zur Ausweitung des Projekts zu besprechen. Die Abgeordnete verwies darauf, dass Syrien wegen der Sanktionen nicht in der Lage sei, neue medizinische Geräte, Medikamente und Kindernahrung einzukaufen.