Libanon: Melkitische Bischöfe unterstützen Forderungen nach „Neutralität“

Bischöfe tagten unter der Leitung von Patriarch Absi in Raboue – Forderung nach rascher Bildung einer neuen libanesischen Regierung

0
104
Foto: © Mahmoudalrawi (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Beirut/Rom, 12.03.21 (poi) Die Bischöfe der Melkitisch-katholischen Kirche unterstützen die Forderung des maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Rai nach einer „Neutralität“ des Libanon. Das Land müsse aus den regionalen Konflikten im Nahen Osten herausgehalten werden, hielten die Bischöfe nach ihrer jüngsten Versammlung laut dem vatikanischen Nachrichtendienst Fides (Freitag) fest.

In der Abschlusserklärung der Bischofsversammlung, die vom melkitischen Patriarchen Joseph Absi geleitet wurde, wird zudem die rasche Bildung einer neuen libanesischen Regierung betont. Sieben Monate des institutionellen Stillstands angesichts einer sozioökonomischen Krise, die das Land zunehmend an den Rand des Zusammenbruchs geführt habe, seien genug. Man „befeuere“ die institutionelle Krise aus „konfessionellen Gründen“ und sei dabei „weit entfernt von jeglichem nationalen Interesse“, kritisieren die melkitischen Bischöfe die verantwortlichen Politiker, ohne konkrete Namen zu nennen.

Angesichts der Rekordabwertung der libanesischen Währung fordern die Bischöfe vor allem dringende Maßnahmen, um dem „Anstieg des Dollarwerts auf dem Schwarzmarkt“ ein Ende zu setzen und die Verantwortlichen dieser Geschäfte zu bestrafen. Die Bischöfe tagten Mitte der Woche in der Patriarchal-Dependance in Raboué bei Beirut. Die Melkitische Kirche ist nach den Maroniten die zweitgrößte katholische Ostkirche im Nahen Osten.

Kardinal Rai hatte zuletzt für den Libanon nicht nur eine aktive Neutralität, sondern auch eine UN-Sonderkonferenz zu diesem Thema eingemahnt. Der Libanon ist seit dem Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Hassan Diab vor rund sieben Monaten ohne Regierung. Der erneut als Ministerpräsident designierte Saad Hariri scheiterte bisher an einer Einigung über die Verteilung der Ministerposten.