Libanon: Orthodoxer Patriarch appelliert an die Politiker

„Handelt endlich im Interesse eines gequälten Volkes, das durch eine dramatische Krise zugrunde gerichtet wird, wie es sie im Libanon seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat“

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Foto ©: Υπουργείο Εξωτερικών, Ministry of Foreign Affairs, Greece (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Beirut, 13.01.20 (poi) Der antiochenisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X. hat am Sonntag am Schluss der Göttlichen Liturgie im Kloster Balamand aus Anlass des Neuen Jahres einen dramatischen Appell an die libanesischen Politiker gerichtet, endlich eine „Regierung der Rettung“ zu bilden, um das Land und seine Menschen aus der tiefen Krise herauszuführen, „die sich jetzt in eine Tragödie verwandelt“. Die Politik müsse endlich im Interesse des gequälten Volkes handeln, das durch eine dramatische Krise zugrunde gerichtet wird, wie es sie im Libanon seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat. Es sei inakzeptabel, sich weiterhin aus der Verantwortung zu flüchten, wenn das Land zusammenbricht, die Menschen Hunger leiden, die Grundlagen eines anständigen Lebens zerstört werden und jede Hoffnung auf Reformen verschwindet. Der Patriarch verwies auf die Steigerung der Arbeitslosenrate, die Defizite der Unternehmen und privaten Institutionen und „all die anderen Schwierigkeiten, mit denen die Menschen konfrontiert sind, einschließlich der Tatsache, dass sie ihre Schulden nicht mehr bezahlen können“.

Im Hinblick auf die kirchliche Situation erinnerte der Patriarch daran, dass die Orthodoxie in der Welt von heute eine schwierige Etappe durchlebe. Es sei notwendig, Gebet und Arbeit zu intensivieren, um jene Einheit zu bewahren, zu der Christus aufgerufen habe. Das erfordere, dass alle Verantwortungsträger in der Kirche sich von Auseinandersetzungen fern halten. Die Gläubigen wiederum dürften sich nicht auf Fiktionen einlassen, die darauf abzielen, das Vertrauen in der Kirche zu mindern und „im Dienst wohlbekannter Ziele“ den Dissens zu fördern. Die Kirche von Antiochien werde – ebenso wie in der Vergangenheit – im Hinblick auf die Wahrheit keinerlei Kompromisse machen. Sie werde eine prophetische Stimme bleiben, die die Probleme der nahöstlichen Länder und des ganzen Orients beim Namen nennt. Was die innerkirchlichen Fragen angehe, werde das Patriarchat von Antiochien sie „in der Kirche, im Geist der Kirche, auf der Grundlage der Heiligen Evangelien, der Tradition und der kirchenrechtlichen Bestimmungen behandeln“.