Libanon: „Politiker haben nicht auf Gott gehört“

Kardinal-Patriarch Rai: „Wenn die Politiker wirklich vom göttlichen Willen inspiriert wären und beten würden, würde sich der Libanon heute nicht in einer verzweifelten wirtschaftlichen und finanziellen Situation mit gelähmten Institutionen befinden“

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Foto: © Piotr Rymuza (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Beirut, 16.12.19 (poi) Der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, ging am Sonntag auf die derzeitige Krise im Libanon ein, die seit zwei Monaten von heftigen Protesten gegen die „herrschende Klasse“ gekennzeichnet ist. Das Volk werde gedemütigt, es hungere, prangerte der Patriarch an. Mindestens ein Drittel der Bürger lebe unterhalb der Armutsgrenze, während etwa die Hälfte der Libanesen arbeitslos sei: „Wenn die führenden Politiker auf die Stimme Gottes gehört hätten, wären keine öffentlichen Gelder verschwendet worden, man hätte die Ministerien nicht unter sich aufgeteilt und die Forderungen der Demonstranten und Streikenden nicht ignoriert“. Wörtlich fügte der Kardinal-Patriarch hinzu: „Wenn die Politiker wirklich vom göttlichen Willen inspiriert wären und beten würden, würde sich der Libanon heute nicht in einer verzweifelten wirtschaftlichen und finanziellen Situation mit gelähmten Institutionen befinden“.

In Bezug auf die Protestkundgebungen bekräftigte der Kardinal-Patriarch, dass nach seiner Ansicht die Unzufriedenheit über die konfessionellen Grenzen hinweg alle Komponenten der libanesischen Gesellschaft durchziehe. Ein Phänomen, das Politiker „nicht ignorieren oder unterschätzen sollten“, so der maronitische Patriarch.