Libanon: Wiedereröffnung des Felsenklosters St. Maron

Nach jahrhundertelanger Verwahrlosung konnte der maronitische Bischof von Baalbek in dem Kloster wieder die Heilige Messe feiern – Möglicherweise war das Felsenkloster Ort der Wahl des ersten maronitischen Patriarchen von Antiochien

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Foto: © Jan Hilgers (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Beirut, 02.08.18 (poi) Das Felsenkloster St. Maron im Libanon, ein Ort wichtiger historischer und spiritueller Erinnerungen für die maronitischen Christen, wurde jetzt nach jahrhundertelanger Verwahrlosung wiedereröffnet. Am Dienstag, 31.Juli, fand dort eine festliche Liturgiefeier unter dem Vorsitz des maronitischen Bischofs von Baalbek-Deir el Ahmar, Youhanna Rahmé, statt. An der Messfeier nahmen viele Ordensleute und Studenten, aber auch lokale Politiker teil. Das nicht weit von der syrischen Grenze und der Quelle des Orontes liegende Felsenkloster ist Teil der Erinnerungen an den Heiligen Maron. Der Heilige lebte im 4./5. Jahrhundert, er gilt als der Vater jener monastisch-spirituellen Tradition, auf die die Entstehung der maronitischen Kirche zurückgeht.

Bereits im 5. Jahrhundert waren die Grotten, in denen jetzt der Bischof von Baalbek die Eucharistie feierte, von den ersten Schülern des Heiligen Maron bewohnt. Die Wiedereröffnung des Ortes für Liturgie und Andacht wird von zahlreichen Christen im Libanon und in Syrien dankbar erlebt. Es wird als freudige Nachricht empfunden, dass ein der christlichen Erinnerung so wertvoller Ort aus Vergessenheit und Verwahrlosung geholt werden konnte.

Dieser erfreulichen Entwicklung waren jahrzehntelange Rechtsstreitigkeiten vorangegangen. „Es ist uns gelungen, dieses Kloster nach dem Betrug in den 1930er Jahren wieder zu bekommen“, sagte Bischof Hanna in seiner Predigt: „Jetzt wollen wir diesen heiligen Ort mit unseren christlichen und muslimischen Brüdern teilen. Vielleicht wurde der erste maronitische Patriarch hier gewählt. Wer immer hierher kommt, spürt die Gegenwart Gottes“. Der Bischof kündigte an, dass im Felsenkloster wenigstens einmal am Tag die Heilige Messe gefeiert werden soll.

Nachdem die Mönche in osmanischer Zeit den Ort verlassen hatten, war er Jahrhunderte lang vergessen und der atmosphärischen Unbill ausgesetzt. In den 1930er Jahren war er dann Gegenstand des Streites zwischen der maronitischen Diözese von Baalbek-Deir el Ahmar und einigen einflussreichen muslimischen Familien der Gegend. Die Rechtsanwälte der Familien behaupteten, die Diözese habe das Klostergelände 1923 widerrechtlich usurpiert. In einem weiteren, jüngeren Rechtsstreit standen die Diözese Baalbek-Deir el Ahmar und das libanesische Energieministerium einander gegenüber; eine Einigung erfolgte erst, als die Regierung in Verhandlungen mit der maronitischen Diözese der Wiederherstellung des Klosters und der Öffnung der Grotten zustimmte.