Manuskripte des Katharinenklosters werden digital erfasst

Die Arbeit wird mehr als zehn Jahre dauern – Unter den Schätzen des Klosters am Fuß des Mosesberges sind einige der ältesten Handschriften der Evangelien

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Foto: © Wilson44691 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Kairo, 18.04.19 (poi) Eine griechische Equipe erfasst derzeit tausende kostbare Handschriften, die im Katharinenkloster auf der Halbinsel Sinai aufbewahrt und gehütet werden. In einem komplexen Prozess werden Rotlicht-, Grünlicht- und Baulicht-Aufnahmen erstellt und dann mithilfe digitaler Methoden überblendet, sodass Abbilder der Manuskripte von außerordentlicher Leuchtkraft entstehen. Ohne dass es ausgesprochen wird, hat die schwierige Sicherheitslage auf dem Sinai, wo sich islamistische Gruppierungen eingenistet haben, die rasche Durchführung des aufwändigen Verfahrens beflügelt. Das Katharinenkloster befindet sich zwar im Süden der Halbinsel, wo die Sicherheitslage besser ist als im Norden, aber auch hier kam es im Jahr 2017 zu einem Überfall von IS-Terroristen auf einen Kontrollposten der ägyptischen Polizei, wobei ein Offizier getötet wurde. „Die Unwägbarkeiten unserer Zeit verlangen eine rasche Fertigstellung des Projekts der digitalen Erfassung der im Kloster aufbewahrten Handschriften“, sagte Erzbischof Damianos (Samartsis), der als Erzbischof von Sinai, Pharan und Raitho die autonome orthodoxe Kirche des Sinai leitet (die zum Patriarchat von Jerusalem gehört) und zugleich Abt des Katharinenklosters ist.

Ziel ist es, ein digitales Archiv der rund 4.500 Manuskripte der Klosterbibliothek des Katharinenklosters zu erstellen. 1.100 dieser Manuskripte sind auf altsyrisch oder arabisch verfasst, viele andere auf griechisch oder lateinisch, aber auch in verschiedenen orientalischen Sprachen von äthiopisch bis mittelpersisch. Erzbischof Damianos und die Fachleute rechnen damit, dass die Arbeit mehr als zehn Jahre dauern wird. Begonnen wurde im Vorjahr. Trägerorganisation ist die „Early Manuscripts Electronic Library“ (EMEL) in Zusammenarbeit mit dem Katharinenkloster und mit der Bibliothek der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA). Die UCLA-Bibliothek möchte ab dem heurigen Herbst die ersten digital erfassten Manuskripte ins Internet stellen. Unter den Schätzen des Katharinenklosters sind einige der ältesten Evangelien-Handschriften, aber auch viele Hauptwerke der spätantik-frühchristlichen theologischen, philosophischen und historischen Literatur.

Das Katharinenkloster wurde zwischen 548 und 565 gegründet und ist eines der ältesten immer noch bewohnten Klöster des Christentums. Es liegt am Fuße des Berges Sinai (Mosesberg). Dort befand sich nach der Überlieferung der brennende Dornbusch, in dem dem Heiligen Moses die Offenbarung Gottes zuteil wurde. Es gibt einen Schutzbrief des Propheten Mohammed an das Kloster. In dem aus dem 7. Jahrhundert stammenden Schriftstück stellte Mohammed die Mönche – und darüberhinaus die Christen im allgemeinen – unter seinen Schutz.  Als Motiv des Schutzbriefes bekundete Mohammed, dass er vor seiner Berufung zum Propheten im Kloster bei einem Aufenthalt gut behandelt worden sei. Das Kloster verfügt heute nur über eine Kopie des Briefes, das Original befindet sich in Istanbul.