Maronitischer Patriarch: Islamistische Greueltaten erfordern mehr Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen

Kardinal Rai verweist auf die von Papst Franziskus und Großimam al-Tayyeb im Vorjahr unterzeichnete Erklärung „über Brüderlichkeit aller Menschen“

0
45
Foto: © Piotr Rymuza (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Beirut, 31.10.20 (poi)  Angesichts der grausamen Enthauptungen unter der „beleidigenden Berufung“ auf den Namen Gottes müsse man dringend das Klima des „Konflikts zwischen den Religionen“ vermeiden und mit noch mehr Entschlossenheit den Weg der Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen einschlagen. Dies betonte der maronitische Patriarch, Kardinal Mar Bechara Boutros Rai, in der Predigt zum Schlussgottesdienst der jährlichen Synode der maronitischen Kirche am Samstag, 31. Oktober, in  Bkerke. Der Patriarch bezog sich auf die am 4. Februar 2019 in Abu Dhabi von Papst Franziskus und dem Großimam der Al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb, unterzeichnete „Gemeinsame Erklärung über Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“.

In seiner Predigt erinnerte der maronitische Patriarch an die blutigen, „islamistisch inspirierten“ Attentate der vergangenen Wochen in Frankreich, mit der Enthauptung eines Lehrers am 16. Oktober in Paris und dem Massaker an drei Gläubigen am 29. Oktober in der Basilika Notre-Dame-de l’Assomption in Nizza. Für diese Taten – so der Patriarch – „gibt es keinen menschliche oder religiöse Rechtfertigung“; sie stellten „ein schweres Vergehen gegen Gott, den Herrn des Lebens und des Todes“,  dar.

Der Patriarch referierte ausführlich über die Lage im Libanon und im Nahen Osten und äußerte seine Sorge über eine “ Einflussnahme globaler und regionaler Mächte“, die das gesamte Gebiet betreffe und ohne den Willen der Völker des Nahen Ostens geschehe. In Bezug auf die libanesische Situation äußerte der Kardinal seine Hoffnung auf die rasche Bildung einer neuen Regierung (das Mandat wurde dem sunnitischen Politiker Saad Hariri anvertraut), die wirklich „auf den Schrei der Mütter, Väter und Kinder“ des Libanons hört, in einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt.