Maronitisches Kloster in Rom eröffnet

Das Kloster ist dem libanesischen Volksheiligen Charbel Makhlouf geweiht – Kardinal Sandri, der Präfekt der Ostkirchenkongregation, würdigte die Treue der maronitischen Kirche zu ihrer monastischen Tradition

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain )

Rom, 01.10.19 (poi) In Rom wurde ein maronitisches Kloster eingeweiht, das dem libanesischen Nationalheiligen Charbel Makhlouf geweiht ist. Zum Kloster gehört auch die Immacolata-Kirche in der Via Monza, ein 1928 bis 1930 errichtetes Gotteshaus im neuromanischen Stil. Die Weihe von Kirche und Kloster wurde zu einem großen Fest nicht nur für die Maroniten, sondern auch für viele andere arabischsprachige Christen, die in Rom leben. Hauptzelebrant der Liturgie war der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, der Generalobere des Libanesischen Maronitischen Ordens (dessen Mönche Kirche und Kloster betreuen), P. Nimatullah Hachem, konzelebrierte. Auch die beiden Kardinäle Leonardo Sandri (Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation) und Antonio Maria Veglio‘ (früherer Apostolischer Nuntius im Libanon) sowie Bischof Rafic Warcha, der neue maronitische Prokurator beim Heiligen Stuhl, waren anwesend.

Kardinal Sandri erinnerte in seinem Grußwort daran, dass der Heilige Charbel Makhlouf mittlerweile in aller Welt verehrt wird. Der Heilige entspreche der ursprünglichen Tradition der maronitischen Kirche, die von Mönchen begründet wurde, die sich in die Berglandschaften des Libanons zurückgezogen hatten. Charbel Makhlouf sei groß geworden, weil er das „Essenzielle des christlichen Lebens“ erfasst habe. Der Präfekt der Ostkirchenkongregation lud die Gläubigen ein, für Papst Franziskus zu beten, aber auch für Frieden, Versöhnung und Allgemeinwohl der libanesischen Republik und des ganzen Nahen Ostens sowie für die maronitische Kirche, damit sie den Weg der monastischen Tradition und der Heiligkeit weitergehe, der sie seit vielen Jahrhunderten im Herzen des Zedern-Landes vor allen Gefahren bewahrt habe.

Oberer des neuen Klosters ist P. Milad Tarabay. Auf seine Initative findet im Kloster ein Aramäisch-Sprachkurs statt, der am 5. Oktober beginnt und Interessierten die Kenntnis der Sprache Jesu vermitteln soll. „Ein erstes Ziel ist, dass alle Teilnehmenden am Kurs nach zwei bis drei Monaten das Vaterunser auf aramäisch beten können“, so P. Milad.

Der Heilige Charbel Makhlouf (1828-1898) war ein maronitischer Mönch, der erste Maronit, der in der Neuzeit 1977 offiziell heilig gesprochen wurde. Im Libanon und in Syrien ist er ein Volksheiliger, der von Christen unterschiedlicher Konfession, Drusen und Muslimen gleichermaßen verehrt wird – seine Präsenz ist vergleichbar mit der von Pater Pio in Süditalien. Makhlouf stammte aus einer christlichen Bauernfamilie in der Hochgebirgsregion im Norden des Libanons, deren Kultur stark von den dort zahlreich vorhandenen maronitischen Klöstern und Einsiedeleien geprägt ist. Mit 23 Jahren trat der künftige Heilige in das Kloster Notre Dame-de-Mayfouk (nördlich von Jbeil/Byblos) ein. Im Jahre 1853 wechselte er zum Kloster St. Maroun in Annaya und legte dort die Mönchsgelübde ab. Er studierte Theologie, 1859 wurde er zum Priester geweiht. 1875 entschloss er sich zu einem Leben als Eremit bei Annaya. Am 16. Dezember 1898 erlitt er, während er die Heilige Messe zelebrierte, einen Schlaganfall, an dessen Folgen er am Weihnachtsabend des Jahres 1898 starb.

Schon zu Lebzeiten galt der Mönch als Wundertäter. Bald nach seinem Tode stellte man fest, dass sein Leichnam nicht verwest war. Dieses Phänomen sowie zahlreiche Krankenheilungen auf seine Anrufung hin machten ihn sehr schnell zu einer Zentralgestalt der nahöstlichen Volksfrömmigkeit. 1965 wurde er von Papst Paul VI. selig gesprochen, am 9. Oktober 1977 nahm der Montini-Papst die Heiligsprechung des Mönchs aus den libanesischen Bergen vor.