Meisterwerke russischer Kirchenmusik am 2. Dezember im Wiener Konzerthaus

Ausstellung „Geistliche Musik Russlands und Österreichs“ im Russischen Kulturinstitut in Wien

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Foto: © Embassy of Russia in Vienna (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported/ Attribution: www.rusemb.at)

Wien, 27.11.18 (poi) Ein Konzert mit Meisterwerken der russischen Kirchenmusik findet am Sonntag, 2. Dezember, um 14 Uhr, im Schubert-Saal des Wiener Konzerthauses statt. Ausführende sind der Moskauer Synodalchor unter Aleksij Puzakow und als Solist Iwan Scherbatyh (Bass). Im Programm sind Werke u.a. von Pjotr Tschaikowskij, Aleksander Kastalskij, Sergej Rachmaninow, Nikolai Wedernikow und Metropolit Hilarion (Alfejew).

Der Moskauer Synodalchor wurde 2010 vom Dirigenten Aleksij Puzakow wiederbegründet und bietet eine unerreichte Kombination von liturgischer Praxis und höchster musikalischer Professionalität. Der Chor tritt regelmäßig in Moskauer Kirchen auf, er war aber auch im Petersdom, in der Kathedrale von Santiago de Compostela, in der Sagrada Familia in Barcelona sowie in den besten Konzertsälen von Moskau bis London zu hören. Im heurigen Februar gab es einen umjubelten Auftritt im Großen Saal des Wiener Konzerthauses. (Infos: Esm-Event Management, Tel.: 01/533 76 79, E-Mail: office@amazingevents.info).

Zugleich präsentiert die Ausstellung „Geistliche Musik Russlands und Österreichs“ im Russischen Kulturinstitut in Wien (Brahmsplatz 8) die wichtigen Etappen in der Entwicklung der geistlichen Musik im künstlerischen Schaffen russischer Komponisten und in Russland beliebte und aufgeführte geistliche Werke österreichischer Komponisten. Die Exponate der Ausstellung aus den Sammlungen des Russischen Nationalen Musikmuseums decken eine 200-jährige Periode der Geschichte der russischen Kultur ab: vom Ende des 18.  bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Sie widerspiegeln die Vielfalt musikalischer Kreativität von alten handschriftlichen Gesangbüchern bis zu höchst meisterhaften Musikstücken von Tschaikowskij, Rachmaninow, Mussorgskij, Schnittke usw.

Der erste Teil der Ausstellung ist der Geschichte der russischen Kirchen- und Gesangskunst gewidmet. Russland übernahm aus Byzanz liturgische Bücher und Kirchentraditionen. Die Zeit der ursprünglichen Entwicklung byzantinischer Tradition auf russischem Boden wird durch handschriftliche Gesangsbücher, in denen Melodien in der ursprünglichen altrussischen Notation – mittels Banner (oder Haken) – mit schwarzer und roter Tinte belegt.  Seit dem 18. Jahrhundert wurde diese Notation (bis heute) von den „Altgläubigen“ gepflegt.

Die Kirchen- und Gesangskunst in Russland konzentrierte sich auf die beiden größten Zentren für Studium und Ausübung von Kirchenmusik: die Hofkapelle in St. Petersburg sowie den Synodalchor und die Synodalschule in Moskau. Die besten Beispiele für die Verwirklichung traditioneller russischer Kirchen- und Gesangskultur in der künstlerischen Arbeit der Komponisten sind gleichzeitig die wertvollsten Exponate der Ausstellung. Es sind Originalmanuskripte kirchlicher Werke von Komponisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts: „Die Cherubim“ von P. Tschaikowskij; „Nachtwache“ von S. Rachmaninow; „Die Große Litanei“ von A. Grechaninow, die durch eine Schallplattenaufnahme von F. Schaljapin bekannt wurde; die Kantate „Brüderliches Gedenken“ von A. Kastalskij, eine Art Requiem zur Erinnerung an die Helden des Ersten Weltkrieges; die Kantate „Nach dem Lesen des Psalms“ von S. Tanejew.

Als Beispiele für die Umsetzung von Kirchenthemen im Genre Oper werden Fragmente von handschriftlichen Manuskripten und Anschauungsmaterial der Opern „Chowanschtschina“ von M. Mussorgskij und „Das Märchen von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronia“ von N. Rimskij-Korsakow gezeigt.

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden nicht nur die ältesten Schichten kirchenmusikalischer Kultur der Vergangenheit studiert, auch die schöpferische Tätigkeit der Komponisten in diesem Genre hat sich erweitert. Chorwerke von R. Schtschedrin, Y. Falik, A. Schnittke verbinden alte Kunstrichtungen mit modernem musikalischem Denken. Ohne die Kirchentexte und die „liturgische Musik“ von Georgij Swiridow ist es unmöglich, sich die Entwicklung dieses Genres in Russland Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts vorzustellen.

Ein wesentlicher Teil der Ausstellung zeigt Notenausgaben (darunter auch russische) geistlicher Musik der Wiener Klassiker – Joseph Haydn, Wolfgang Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Anton Bruckner sowie Lithografien ihrer Porträts aus der Sammlung des Museums für Musik. Die Werke österreichischer Komponisten, die für die Kirche geschrieben wurden, waren bereits zu Lebzeiten der Komponisten in Russland bekannt. Fürst Nikolai B. Golizyn (1794–1866), ein Laienmusiker, war mit J. Haydn persönlich bekannt und verbreitete die Werke von Ludwig van Beethoven. Auf Anregung Golizyns wurde in Russland, früher als in Österreich, erstmals die „Missa solemnis“ von Ludwig van Beethoven aufgeführt. 1823 erhielt Beethoven einen Brief von seinem russischen Freund, dass die Aufführung seiner Messe in Petersburg mit großem Aufwand vorbereitet werde. Ein echtes Unikat der Ausstellung ist die handschriftliche Skizze von Ludwig van Beethovens Oratorium „Christus am Ölberg“ aus dem Skizzenbuch von 1802-1803, eine der wertvollsten musikalischen Handschriften aus der Sammlung des Museums. Durch die geniale Tragödie von A. S. Puschkin „Mozart und Salieri“ wurde Mozarts unvollendetes Requiem eines der in Russland am beliebtesten und am meisten aufgeführten Werke. Unter den Exponaten befinden sich Porträts von J. Haydn und W. Mozart aus der Sammlung des Museums für Musik. Das Porträt von W. A. Mozart von Josef Grassi ist eines der wenigen in der Welt erhaltenen Bilder und das einzige Porträt des Komponisten in Russland, das zu seinen Lebzeiten gemalt wurde. Die Echtheit des Porträts wurde von Experten in Österreich bestätigt.