Metropolit Arsenios betont tiefe Verbindung der Griechisch-Orthodoxen mit Österreich

Schilderung des intensiven Lebens der Metropolis von Austria in Interview für die Jubiläumsausgabe des „Society“-Magazins

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Foto ©: Franz Johann Morgenbesser (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Wien, 22.07.20 (poi) Die „tiefe Bindung“ zwischen griechischer und österreichischer Gemeinschaft hat Metropolit Arsenios (Kardamakis) in einem Interview in der 75-Jahr-Jubiläumsausgabe des Wiener Diplomatie-Magazins „Society“ unterstrichen.  Metropolit Arsenios zitierte das Wort seines Vorgängers, Metropolit Michael (Staikos): „Griechenland ist unser Vaterland, Österreich ist unsere Heimat“.

Metropolit Arsenios betonte in dem Gespräch mit der Journalistin Hermine Schreiberhuber die „lange Geschichte“ der griechisch-orthodoxen Gemeinschaft in Wien. Ihre Präsenz großen Stils beruhe auf der Gründung der Georgs-Bruderschaft und der Dreifaltigkeits-Bruderschaft im 18. Jahrhundert. Aus beiden Gemeinschaften seien große Persönlichkeiten gekommen,  wie die Kämpfer für die griechische Unabhängigkeit, Rhigas Fereos oder Fürst Alexandros Ypsilanti. Der Metropolit verwies aber auch auf die Familie Dumba, die den Wiener Musikverein mitprägte, oder auf den Bankier Simon von Sina, der 1856 den Architekten Theophil Hansen nach Wien holte, um die Dreifaltigkeitskathedrale am Fleischmarkt auszubauen. Die griechische Nationalschule, die in den Räumlichkeiten der Kathedrale untergebracht ist, sei seit 1801 ein  Zentrum von Wissen und Bildung gewesen, an der bedeutende Gelehrte unterrichteten. Um die geistliche Betreuung der wachsenden Zahl der Gläubigen zu gewährleisten, habe das Ökumenische Patriarchat 1963 die Metropolis von Austria gegründet.

Hauptaufgabe der orthodoxen Kirche sei die Verkündigung des Evangeliums, die Feier der Liturgie, die geistliche Begleitung der Gläubigen, Pastoral und Katechese, Krankenhaus- und Gefangenenseelsorge, die Jugendarbeit. Neben den beiden griechischen Gemeinden in Wien gebe es jetzt auch eine deutsch- und eine ukrainischsprachige. Die Bildung sei Aufgabe der Nationalschule und des Orthodoxen Schulamts. Wenn auch jetzt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie behindert, würden kulturelle Veranstaltungen organisiert und die Aktivitäten von Musikschulen und Kulturvereinen gefördert. Metropolit Arsenios unterstrich die Bedeutung der karitativen Projekte, etwa der Gratis-Deutschkurse. Seit der griechischen Finanzkrise organisiere die Metropolis auch Solidaritätsfeste für Hilfe in Griechenland.

Im Hinblick auf die Zahl der griechisch-orthodoxen Gläubigen merkte der Metropolit an, dass die orthodoxe Kirche keine Mitgliedsbeiträge einhebe und somit auch die Mitglieder nicht erfasse. Schätzungen gingen von etwa 30.000 griechisch-orthodoxen Gläubigen aus, die Gesamtzahl aller orthodoxen Christen in Österreich werde auf zirka 600.000 geschätzt. Die Metropolis von Austria habe in Österreich 13 Gemeinden, in denen15 Geistliche Dienst tun. Das erste orthodoxe Kloster in Österreich werde seit 2014 in St. Andrä am Zicksee im Burgenland aufgebaut. Auch drei Nonnen seien in der Metropolis tätig.

Die beiden Bruderschaften – ursprünglich jeweils für die Bürger des Osmanen- und des Habsburger-Reiches zuständig – hätten heute eine sehr enge Zusammenarbeit, obzwar sie bis heute unabhängig organisiert sind, mit eigenem Gemeinderat und eigenen Strukturen. Beide hätten aber dieselben Gemeindepriester und gestalteten das Gemeindeleben zusammen. Feste würden gemeinsam gefeiert, „so fühlen sich alle Gläubigen als Mitglieder einer großen Gemeinde“.

Wegen der Pandemie sei es heuer kein typisches „griechisches Ostern“ gewesen, das gemeinsam, laut und fröhlich begangen wird, schilderte der Metropolit: „Wir bemühten uns sehr, die Menschen so intensiv wie möglich von Zuhause mitfeiern zu lassen. So wurden täglich Gottesdienst gestreamt, die Texte in Griechisch und Deutsch online gestellt und Online-Fragerunden organisiert“. Es sei eine „schwere Zeit“ gewesen, ein „sehr schmerzhaftes Erlebnis“. Viele Gläubige hätten darunter gelitten, nicht an der Liturgie teilnehmen zu können, sagte Metropolit Arsenios. Auch für ihn selbst sei es schwer gewesen, Gottesdienst in nahezu leeren Kirchen zu feiern und „zu wissen, dass viele Menschen kommen wollten, aber nicht durften“.