Metropolit Emmanuel von Paris in Saudiarabien

Direktorium des KAICIID legte Strategie für 2020 und die Folgejahre fest – Generalsekretär des Weltkirchenrats empfing in Genf den ägyptischen Großmufti

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Foto: © Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Riad-Genf, 20..02.20 (poi) Der orthodoxe Metropolit von Paris, Emmanuel (Adamakis), ist vor kurzem zum Vorsitzenden des Direktoriums („Board of Directors“) des in Wien ansässigen „Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ (KAICIID) gewählt worden. In dieser Woche fand in Riad unter dem Vorsitz von Metropolit Emmanuel die Direktoriumssitzung zur Festlegung der KAICIID-Strategie für 2020 und die Folgejahre statt. Dabei wurde sowohl die Ausweitung der konkreten Programme des Zentrums als auch die zunehmende Bedeutung des multireligiösen KAICIID-Beratungsgremiums diskutiert. KAICIID-Generalsekretär Faisal bin Muaammar geleitete die Direktoriumsmitglieder zu einer Begegnung mit dem saudischen König Salman bin Abdulaziz Al Saud, um die Arbeit des Zentrums zu präsentieren.

Saudiarabien ist gemeinsam mit Österreich und Spanien Gründungsmitglied des KAICIID, der Heilige Stuhl ist Gründungsbeobachter. Initiator war der verstorbene saudische König Abdullah, der im Gespräch mit dem Heiligen Stuhl über „Wege zur Förderung des interreligiösen Dialogs“ nachgedacht hatte. Faisal bin Muammar sagte jetzt: „Wir sind dem Königreich Saudiarabien dankbar, dass jetzt – in diesem wichtigen Augenblick für die Entwicklung des KAICIID – das Direktorium in Riad zu Gast sein kann“. Schließlich stamme das KAICIID aus einer Vision von König Abdullah und das Königreich sei immer ein Unterstützer des Zentrums gewesen.

Faisal bin Muammar präsentierte den Direktoriumsmitgliedern auch junge Menschen, die in Riad an einem Seminar der „Salam“-Organisation für kulturelle Kommunikation teilnehmen, das von den beiden KAICIID- „Special advisers“ Mohammed Abu Nimer und Patrice Brodeur unterstützt wurde. Die Direktoriumsmitglieder beantworteten dabei Fragen über die Hoffnungen auf den interreligiösen Dialog als „Vorbedingung für Frieden und gegenseitige Verständigung“.

Dem KAICIID-Direktorium gehören außer Metropolit Emmanuel u.a. Kardinal Miguel Ayuso, der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, der transkaukasische Scheich-ul-Islam Allahshukur Paschazade, Rabbiner David Rosen vom „American Jewish Committee“, Mohammed Sammak, der Generalsekretär des libanesischen Nationalkomitees für den christlich-islamischen Dialog, Richard Sudworth, der Sekretär des Erzbischofs von Canterbury für den interreligiösen Dialog,.und Kosho Niwano, der künftige Präsident der japanischen buddhistischen Reformgemeinschaft „Rissho Kosei-kai“, an.

Parallel zum Aufenthalt von Metropolit Emmanuel in Saudiarabien empfing der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, in Genf den ägyptischen Großmufti Shawki Ibrahim Abd-el-Karim. Im Gespräch ging es um friedliche Beziehungen zwischen den Religionsgemeinschaften, um die Religionsfreiheit, um die „gleiche Bürgerschaft“ für alle Bewohner, um den interreligiösen Dialog und um die Bekämpfung des „religiös“ maskierten Extremismus, der in vielen Teilen der Welt zur Gewalt führt. Der Großmufti verwies auf die „gemeinsamen Wurzeln und die Erfahrung des Zusammenlebens“ von Muslimen und Christen in Ägypten. Dies könne die Basis für ein „konstruktives Engagement zum Aufbau friedlicher Beziehungen“ sein. „Wir sind seit Jahrhunderten Nachbarn“, betonte der Großmufti: „Allianzen zwischen Christen und Muslimen sind nicht nur möglich, sie bestehen an der Basis zwischen normalen Menschen in ihrem Alltagsleben. Die Werte von Ehrlichkeit, Vertrauen und Respekt werden von Christen und Muslimen geteilt“.

Pfarrer Fykse Tveit unterstrich die Bedeutung einer „gemeinsamen Vision von friedlichen Beziehungen“. In den Gesprächen mit Muslimen gehe es oft um die Frage, was es bedeute, in der Welt von heute Christ oder Muslim zu sein und dabei mit als Spannungen interpretierten Trennungen konfrontiert zu werden. Auch deswegen sei die Zusammenarbeit mit anderen Glaubensgemeinschaften ein „unverzichtbarer Teil des Strebens nach christlicher Einheit“. Der Generalsekretär des Weltkirchenrats unterstrich die Bedeutung einer entsprechenden religiösen Bildung. In beiden Religionen spiele ein „Heiliges Buch“ eine zentrale Rolle. Sowohl im Islam als auch im Christentum gebe es aber auch das Potenzial für den Missbrauch der heiligen Texte durch Leute, die „keine Gelegenheit hatten, die heiligen Schriften im Kontext zu studieren“.