Metropolit Hilarion bei Papst Franziskus

Zufriedenheit auf beiden Seiten über die „fruchtbare Entwicklung“ der Zusammenarbeit zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche – Ausweitung des Radius der Zusammenarbeit auf sozial-karitative Initiativen und Projekte

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Foto ©: Osservatore Romano

Vatikanstadt-Rom, 13.02.20 (poi) Papst Franziskus hat am Donnerstag den Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), mit einer Delegation in Audienz empfangen. Der Metropolit war mit seiner Delegation aus Anlass des 4. Jahrestags des „historischen Treffens“ von Havanna zwischen Papst Franziskus und dem Moskauer Patriarchen Kyrill nach Rom gekommen, der Jahrestag wurde diesmal am Tiber begangen. Die Zentralveranstaltung zum 4. Jahrestag behandelte das Thema „Die Heiligen – Zeichen und Samenkörner der Einheit“. Dementsprechend hoben Papst Franziskus und Metropolit Hilarion übereinstimmend die ökumenische Bedeutung des vorübergehenden Transfers der in Bari verehrten Reliquien des Heiligen Nikolaus nach Russland im Zeitraum Mai bis Juli 2017 hervor. Dieser Transfer war im Hinblick auf die außerordentliche Verehrung des Heiligen Nikolaus in der russischen Kirche in Havanna vereinbart worden. Metropolit Hilarion überreichte dem Papst einen aufwändigen Bildband über die russische „Pilgerreise“ der Reliquien, der in Moskau in italienischer Sprache publiziert wurde. Von beiden Seiten wurde bei der Audienz die „fruchtbare Entwicklung“ der Zusammenarbeit zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche betont. Dabei wurde insbesondere die Bedeutung der Sommerkurse hervorgehoben, bei denen junge Kleriker aus beiden Kirchen in der jeweils anderen Hauptstadt Gelegenheit haben, an Ort und Stelle Traditionen und aktuelle Entwicklungen des kirchlichen Lebens aus erster Hand kennen zu lernen. Im Bericht des Moskauer kirchlichen Außenamtes über die Papstaudienz für Metropolit Hilarion wurde die positive Atmosphäre des „gegenseitigen Verständnisses und des guten Willens“ gewürdigt.

Metropolit Hilarion erläuterte vor dem Papst die Ergebnisse der jüngsten Session der gemeinsamen Arbeitsgruppe für die Zusammenarbeit zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche, die am 12. Februar im Gebäude des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen getagt hatte. Die katholische Delegation wurde von Kardinal Kurt Koch geleitet, die russische von Metropolit Hilarion. Der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats zeigte sich bei der Papstaudienz zufrieden darüber, dass eine Ausweitung des Radius der Zusammenarbeit auf sozial-karitative Initiativen und Projekte erzielt wurde. Dabei wird es u.a. um Hilfsprojekte für die leidende Bevölkerung in Syrien gehen. Metropolit Hilarion hob eine Initiative der medizinischen und psychologischen Hilfe für verletzte Kinder in Syrien hervor, bei der die russische Kirche mit der Päpstlichen Hilfsorganisation „Kirche in Not“ zusammenarbeitet.

Im Interview mit “Radio Vatikan” bezeichnete Metropolit Hilarion das Treffen von Papst und Patriarch in Havanna neuerlich als “Meilenstein”. Zugleich erinnerte der Metropolit an seine vielen eigenen Gespräche mit Papst Franziskus, den er das erste Mal am Tag nach der Amtseinführung getroffen habe: „Jedes Mal besprechen wir den Stand der Dinge im Hinblick auf die Beziehungen zwischen unseren Kirchen und die gemeinsamen Projekte, die wir unternehmen könnten. Jetzt ging es darum, jene Projekte zu besprechen, die ich bereits mit Kardinal Koch erörtert habe, Projekte mit humanitärem Charakter im Nahen Osten. Unsere Priorität ist ein Projekt, das die Hilfe für kriegsversehrte syrische Kinder betrifft“. Es handle sich um ein komplexes und sehr teures Projekt: „Mit Prothesen allein ist es nicht getan, Ziel ist es, die gesamte Rehabilitierung der Kinder zu begleiten und sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren“.

Die russisch-orthodoxe Kirche teile vollständig die Sorge des Papstes, was die Christen im Nahen Osten betrifft, sagte der Metropolit. Das sei ja auch der Hauptgrund für das Treffen auf Kuba vor vier Jahren gewesen. Im Nahen Osten finde praktisch ein Genozid an Christen statt. Zu lange hätten Politiker und Medien im Westen das nicht sehen wollen und deshalb auch nicht darüber gesprochen: „Der Papst und der Patriarch gehören zu den ersten, die das dann doch taten“.

Im Hinblick auf die Feiern zum 4. Jahrestag des Havanna-Treffens sagte Metropolit Hilarion im Interview: „Rom ist für uns eine Stadt, die wir mit den Heiligen Aposteln Petrus und Paulus verbinden. Und jedes Mal, wenn wir hierher kommen, spüren wir ein besonderes Gefühl, weil wir die Geschichte der Urchristen ganz nah erleben können. Doch die Geschichte der Christen schreitet voran und wir nehmen daran teil“.

Nach der Papstaudienz war der Metropolit bei der Präsentation der italienischen Ausgaben von Band 2 („Die Bergpredigt“) und Band 6 („Tod und Auferstehung“) seiner Serie „Jesus Christus. Sein Leben und seine Lehre“. Die Präsentation nahm als Vertreter des Päpstlichen Staatssekretariats Erzbischof Antonio Mennini, früherer Apostolischer Nuntius in Moskau, vor. Metropolit Hilarion sagte, seine Bücher über Jesus Christus stellten eine „orthodoxe Antwort auf mehr als zwei Jahrhunderte der Entwicklung der neutestamentlichen Studien im Westen“ dar. Sein Wunsch an die italienischen Leserinnen und Leser sei es, dass sie Christus „nicht nur als moralischen Lehrer, sondern als Gott und Heiland erkennen“.