Metropolit Hilarion bei Papst Franziskus

Am Donnerstag hatte der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats vor der Bischofssynode als Gastdelegierter gesprochen und Kardinal Koch über die Position seiner Kirche in der Auseinandersetzung um die Ukraine informiert

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Foto ©: Osservatore Romano

Vatikanstadt-Moskau, 19.10.18 (poi) Der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), wird laut TASS am Freitag von Papst Franziskus empfangen werden. Der Metropolit möchte dem Papst die Haltung des Moskauer Patriarchats in der Auseinandersetzung um die orthodoxe Kirche in der Ukraine darlegen. TASS zitierte Metropolit Hilarion mit den Worten: „Wir erwarten nicht, dass der Papst in dieser Situation eingreift oder  irgendwie versucht, das Problem zu lösen. Aber ich werde ihn über die Entscheidungen unseres Heiligen Synods informieren“.

Am Donnerstag hatte der Metropolit vor der Generalversammlung der katholischen Bischofssynode als Gastdelegierter einen vielbeachteten Vortrag zum Synodenthema „Jugend, Glaube und Berufung“ gehalten. Der Metropolit plädierte dabei für eine Intensivierung der orthodox-katholischen Zusammenarbeit im Jugendbereich. Am Ende der Sitzung dankten Papst Franziskus und viele andere Synodalen in herzlichen Worten dem russisch-orthodoxen Metropoliten für seinen Beitrag. Anschließend traf Metropolit Hilarion mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, zusammen und informierte ihn ausführlich über die Position des Moskauer Patriarchats in Sachen Ukraine.

In seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache vor der Synode überbrachte der Metropolit die Grüße von Patriarch Kyrill und der gesamten russisch-orthodoxen Kirche und stellte fest, dass das Thema Jugend, Glaube und Berufung „eines der drängendsten Anliegen aller christlichen Konfessionen“ sei. In der modernen Zeit, in der verschiedene Kräfte um die jungen Menschen kämpfen, bestehe die Mission der Kirche darin, „die jüngeren Generationen zu lehren, das Gute vom Bösen zu unterscheiden, die Wahrheit von der Lüge, das Wertvolle vom Vorübergehenden und Oberflächlichen“. Das Wertvollste, das die Kirche allen Generationen bieten kann, sei Jesus Christus selbst, dessen Bild im Evangelium eine positive Reaktion in den Herzen der jungen Menschen hervorrufe.

Der Metropolit bezeichnete Entchristianisierung, Säkularismus, die Verleugnung christlicher Werte, die Verfolgung von Christen als die negativen Faktoren der globalen Realität, der sich die Kirchen stellen müssten. Wörtlich meinte Metropolit Hilarion: „Unsere jungen Menschen, die um Christus und das Evangelium vereint sind, können die kreative und lebendige Kraft werden, die auf diese Herausforderungen reagieren wird. Ich bin davon überzeugt, dass der Eifer, die für die Jugend charakteristische Begeisterung und die Inspiration durch die Kraft des Evangeliums nicht nur den zerstörerischen Faktoren standhalten werden, sondern auch das Blatt wenden können“.

Im Gespräch mit Kardinal Koch informierte der Metropolit über die Beschlüsse des Heiligen Synods des Moskauer Patriarchats, die am 15. Oktober in Minsk „anlässlich der nichtkanonischen Handlungen des Patriarchats von Konstantinopel in der Ukraine“ verabschiedet wurden. Metropolit Hilarion erläuterte die Position des Moskauer Patriarchats zu diesem Thema und übergab dem Kardinal den Text der Erklärung des Heiligen Synods.

Die Gesprächspartner tauschten Eindrücke über die Arbeit der römischen Bischofssynode aus. Kardinal Koch betonte die Bedeutung des gemeinsamen Projekts der „Summer School“, das jährlich in Zusammenarbeit zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und dem Heiligen Stuhl durchgeführt wird, dank dem die jungen Priester und Studenten aus beiden Kirchen das Erbe und das geistliche Leben der orthodoxen und katholischen Traditionen besser kennenlernen können. Der Kardinal und der Metropolit diskutierten auch die Tätigkeit der Gemeinsamen Arbeitsgruppe für kulturelle Zusammenarbeit zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und dem Heiligen Stuhl und andere Fragen von gemeinsamem Interesse.

Am Donnerstagabend war Metropolit Hilarion Ehrengast eines Konzerts in der Basilika Dodici Apostoli. Dabei wurden mehrere seiner Kompositionen aufgeführt.