Metropolit Hilarion: Moskauer Patriarchat hat keinen innerorthodoxen Führungsanspruch

Leiter des Moskauer Außenamts nimmt in Interview zu entsprechenden Vorwürfen Stellung und bekräftigt, dass Abchasien und Südossetien zum kanonischen Territorium der Georgischen Orthodoxen Kirche gehören

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Foto: © Υπουργείο Εξωτερικών (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Moskau, 17.05.21 (poi) Die Russisch-orthodoxe Kirche stellt keinerlei Führungsanspruch in der Orthodoxie. Das hat Metropolit Hilarion (Alfejew), Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, betont. In einem aktuellen Interview mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti wies er entsprechende immer wieder vorgebrachte Vorwürfe zurück. „Wir sind zufrieden mit unserem Platz in den Diptychen“, so der Metropolit wörtlich. – In den Diptychen der byzantinischen Liturgie ist die Reihenfolge der Nennung der Patriarchen der Orthodoxen Kirchen geregelt; das Moskauer Patriarchat folgt hier unmittelbar nach den vier altkirchlichen Patriarchaten von Konstantinopel, Alexandria, Antiochien und Jerusalem an fünfter Stelle. – Die Position des Moskauer Patriarchats zur Rangordnung sei zudem in einem offiziellen Dokument aus dem Jahr 2007 für jedermann einsehbar, so Hilarion.

Vor dem „erzwungenen“ Bruch der Eucharistischen Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Konstantinopel habe Moskau auch dessen Ehrenvorrang innerhalb der Orthodoxie anerkannt, hielt der Außenamtsleiter fest. Es gebe auch weder ein einziges offizielles kirchliches Dokument noch eine Erklärung oder eine Äußerung des Moskauer Patriarchen, wonach Moskau sich selbst als „Drittes Rom“ bezeichne. Moskau lege auch keinerlei Wert auf eine solche Bezeichnung.

Darauf angesprochen, dass der Ökumenische Patriarch Bartholomaios kürzlich in einem Interview (siehe dazu auch den PRO ORIENTE-Informationsdienst vom 10. Mai) mit einem Georgischen TV-Sender davon sprach, dass Moskau kein Recht habe, der orthodoxen Kirche in Abchasien oder sonstwo die Autokephalie zu verleihen, sprach Hilarion von einer „absurden“ Fragestellung. Moskau habe schließlich nie für sich ein solches generelles Recht beansprucht.

Hilarion wörtlich: „Konstantinopel nimmt ein solches Recht für sich in Anspruch. Aber in der Geschichte wurde die Autokephalie nicht nur vom Patriarchat von Konstantinopel gewährt. So wurde die Autokephalie der Georgischen Orthodoxen Kirche vom Patriarchat von Antiochien gewährt.“

Abchasien und Südossetien gehörten zum kanonischen Territorium der Georgischen Orthodoxen Kirche, betonte Metropolit Hilarion. Die Russische Orthodoxe Kirche habe dies niemals zur Diskussion gestellt und man habe auch weder in Abchasien noch in Südossetien einen Bischof.

 

„Orthodox Church in America“

Zu der Bemerkung des Interviewers, dass die Russisch-orthodoxe Kirche aber einst ihren Gemeinden in den USA die Autokephalie gewährt habe, meinte Metropolit Hilarion, dass die Orthodoxie in Nordamerika dank russischer Mönche und russischer Missionare Fuß gefasst habe, die aufgrund von deren „selbstlosen Bemühungen“ und offenen Einstellung nicht auf eine nationale Sichtweise beschränkt geblieben sei, sondern sich tief in das Leben der USA integriert habe.

Nun sei die Orthodoxe Kirche in den USA eine völlig unabhängige und originelle Kirche mit einer eigenen Verfassung und liturgischen Traditionen und ihrem eigenen Platz in der Welt, so der Metropolit. Die Geschichte und Hintergründe, die 1970 zur Gewährung der Autokephalie an die „Orthodox Church in America“ (OCA) durch das Moskauer Patriarchat führten, sind komplex. Die Autokephalie wird aber nur vom Moskauer Patriarchat anerkannt.

 

Ukrainischer Kirchenkonflikt

Inhalt des RIA Nowosti-Interviews mit Metropolit Hilarion war auch der Kirchenkonflikt um die Ukraine, die zum Bruch zwischen Moskau und Konstantinopel führte. Für die Russisch-orthodoxe Kirche bleibt nach wie vor die Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats die einzige legitime Kirche in der Ukraine. Dass Patriarch Bartholomaios der Orthodoxen Kirche der Ukraine 2019 die Autokephalie verlieh, wird nicht anerkannt. Moskau sieht diese Kirche als schismatisch an, was Hilarion u.a. auch mit Blick auf einzelne Bischöfe im Interview erläuterte.

Die Russisch-orthodoxe Kirche hatte infolge der Autokephalie-Gewährung die Eucharistiegemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat aufgekündigt und ebenfalls angekündigt, dies auch auf all jene orthodoxen Kirchen anzuwenden, die die Orthodoxe Kirche der Ukraine anerkennen.

Neben den bekannten Vorwürfen gegen Konstantinopel zeigte Metropolit Hilarion im RIA Nowosti-Interview aber auch Gesprächsbereitschaft. „Wenn wir die Einheit der Orthodoxie wiederherstellen wollen, brauchen wir einen Dialog“, so Hilarion wörtlich.

Moskau, 17.05.21 (poi) Die Russisch-orthodoxe Kirche stellt keinerlei Führungsanspruch in der Orthodoxie. Das hat Metropolit Hilarion (Alfejew), Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, betont. In einem aktuellen Interview mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti wies er entsprechende immer wieder vorgebrachte Vorwürfe zurück. „Wir sind zufrieden mit unserem Platz in den Diptychen“, so der Metropolit wörtlich. – In den Diptychen der byzantinischen Liturgie ist die Reihenfolge der Nennung der Patriarchen der Orthodoxen Kirchen geregelt; das Moskauer Patriarchat folgt hier unmittelbar nach den vier altkirchlichen Patriarchaten von Konstantinopel, Alexandria, Antiochien und Jerusalem an fünfter Stelle. – Die Position des Moskauer Patriarchats zur Rangordnung sei zudem in einem offiziellen Dokument aus dem Jahr 2007 für jedermann einsehbar, so Hilarion.

Vor dem „erzwungenen“ Bruch der Eucharistischen Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Konstantinopel habe Moskau auch dessen Ehrenvorrang innerhalb der Orthodoxie anerkannt, hielt der Außenamtsleiter fest. Es gebe auch weder ein einziges offizielles kirchliches Dokument noch eine Erklärung oder eine Äußerung des Moskauer Patriarchen, wonach Moskau sich selbst als „Drittes Rom“ bezeichne. Moskau lege auch keinerlei Wert auf eine solche Bezeichnung.

Darauf angesprochen, dass der Ökumenische Patriarch Bartholomaios kürzlich in einem Interview (siehe dazu auch den PRO ORIENTE-Informationsdienst vom 10. Mai) mit einem Georgischen TV-Sender davon sprach, dass Moskau kein Recht habe, der orthodoxen Kirche in Abchasien oder sonstwo die Autokephalie zu verleihen, sprach Hilarion von einer „absurden“ Fragestellung. Moskau habe schließlich nie für sich ein solches generelles Recht beansprucht.

Hilarion wörtlich: „Konstantinopel nimmt ein solches Recht für sich in Anspruch. Aber in der Geschichte wurde die Autokephalie nicht nur vom Patriarchat von Konstantinopel gewährt. So wurde die Autokephalie der Georgischen Orthodoxen Kirche vom Patriarchat von Antiochien gewährt.“

Abchasien und Südossetien gehörten zum kanonischen Territorium der Georgischen Orthodoxen Kirche, betonte Metropolit Hilarion. Die Russische Orthodoxe Kirche habe dies niemals zur Diskussion gestellt und man habe auch weder in Abchasien noch in Südossetien einen Bischof.

 

„Orthodox Church in America“

Zu der Bemerkung des Interviewers, dass die Russisch-orthodoxe Kirche aber einst ihren Gemeinden in den USA die Autokephalie gewährt habe, meinte Metropolit Hilarion, dass die Orthodoxie in Nordamerika dank russischer Mönche und russischer Missionare Fuß gefasst habe, die aufgrund von deren „selbstlosen Bemühungen“ und offenen Einstellung nicht auf eine nationale Sichtweise beschränkt geblieben sei, sondern sich tief in das Leben der USA integriert habe.

Nun sei die Orthodoxe Kirche in den USA eine völlig unabhängige und originelle Kirche mit einer eigenen Verfassung und liturgischen Traditionen und ihrem eigenen Platz in der Welt, so der Metropolit. Die Geschichte und Hintergründe, die 1970 zur Gewährung der Autokephalie an die „Orthodox Church in America“ (OCA) durch das Moskauer Patriarchat führten, sind komplex. Die Autokephalie wird aber nur vom Moskauer Patriarchat anerkannt.

 

Ukrainischer Kirchenkonflikt

Inhalt des RIA Nowosti-Interviews mit Metropolit Hilarion war auch der Kirchenkonflikt um die Ukraine, die zum Bruch zwischen Moskau und Konstantinopel führte. Für die Russisch-orthodoxe Kirche bleibt nach wie vor die Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats die einzige legitime Kirche in der Ukraine. Dass Patriarch Bartholomaios der Orthodoxen Kirche der Ukraine 2019 die Autokephalie verlieh, wird nicht anerkannt. Moskau sieht diese Kirche als schismatisch an, was Hilarion u.a. auch mit Blick auf einzelne Bischöfe im Interview erläuterte.

Die Russisch-orthodoxe Kirche hatte infolge der Autokephalie-Gewährung die Eucharistiegemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat aufgekündigt und ebenfalls angekündigt, dies auch auf all jene orthodoxen Kirchen anzuwenden, die die Orthodoxe Kirche der Ukraine anerkennen.

Neben den bekannten Vorwürfen gegen Konstantinopel zeigte Metropolit Hilarion im RIA Nowosti-Interview aber auch Gesprächsbereitschaft. „Wenn wir die Einheit der Orthodoxie wiederherstellen wollen, brauchen wir einen Dialog“, so Hilarion wörtlich.