Metropolit Hilarion traf mit österreichischem Botschafter zusammen

Moskauer Patriarch Kyrill wird im Mai in Wien erwartet

0
232
Foto: © Serge Serebro, Vitebsk Popular News (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Moskau-Wien, 18.01.20 (poi) Der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), ist am 16. Jänner mit dem österreichischen Botschafter in der Russischen Föderation, Johannes Aigner, zusammengetroffen. Die Begegnung fand im Amtsgebäude des Außenamts statt. Nach Angaben des Außenamts wurden bei dem Treffen die “interorthodoxen Beziehungen, die kirchliche Situation in der Ukraine, das Verhältnis zwischen russisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche, aber auch Fragen der praktischen Zusammenarbeit” besprochen.

Die österreichische katholische Nachrichtenagentur “Kathpress” hatte am 10. Jänner berichtet, dass der Moskauer Patriarch Kyrill I. Ende Mai “erstmals in Österreich erwartet” werde. Die “Kathpress” berief sich auf eine Nachricht ihrer deutschen Schwesteragentur KNA, wonach der russische Botschafter in Wien, Dmitrij Ljubinskij, mitgeteilt habe, dass man sich darauf freue, im neuen Jahr den Patriarchen von Moskau in Wien willkommen zu heißen.

Der Besuch des Patriarchen wird für den 28. Mai – das Fest Christi Himmelfahrt nach Julianischem Kalender – erwartet. Ein wichtiger Punkt des Besuchs könnte die Neuweihe der Wiener russisch-orthodoxen Nikolauskathedrale nach der ab 2004 durchgeführten Generalrestaurierung sein. Die Generalrestaurierung der 1893-1899 nach Plänen von Grigorij Kotow vom Architekten Luigi Giacomelli als Botschaftskirche erbauten Kathedrale erfolgte ab 2004. ”Die Nikolaukathedrale ist im Laufe der Zeit zu einem Wahrzeichen Wiens geworden, es ist daher erfreulich, dass sich die Stadt an der Instandhaltung des historischen Bauwerks beteiligt“, sagte der damalige Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny im März 2003 bei der Präsentation der Renovierungspläne gemeinsam mit Architekt Wolfgang Zehetner und Erzpriester Wladimir Tyschuk. Die Neueinweihung der Kathedrale hätte bei einem – bereits bis in letzte Detail vorbereiteten – Wien-Besuch des damaligen Moskauer Patriarchen Aleksij II. erfolgen sollen. Der Besuch sollte von 20. bis 23. Dezember 2008 stattfinden – aber der Patriarch starb am 5. Dezember 2008.

In der Geschichte der Nikolauskathedrale spiegelt sich die dramatische Historie des 20. Jahrhunderts. Als sie 1899 geweiht wurde, gab es zwar Spannungen zwischen St. Petersburg und manchen politisch-kulturellen Strömungen in der österreichisch-ungarischen Monarchie, aber niemand hätte sich vorstellen können, dass das russische Kaisertum verschwindet. Ein großer Teil der Baukosten war durch eine Spende von Kaiser Alexander III. aufgebracht worden. Die Weihe der Kathedrale wurde am 4. April 1899 (nach Julianischem Kalender 17. April) vorgenommen. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Kirche geschlossen und der Obhut des neutralen Spanien unterstellt. Ab 1924, dem Jahr, in dem die Sowjetunion und Österreich diplomatische Beziehungen aufnahmen, wurde das Kirchengebäude der sowjetischen Botschaft übergeben, jedoch diente es zunächst nur als Lagerraum. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche der Musikhochschule Wien zur Nutzung übertragen. Ab 1945 wurde die Kirche mit Unterstützung der sowjetischen Militärkommandantur wieder für die orthodoxen Gläubigen zugänglich gemacht. Der erste sowjetische Stadtkommandant nach der Befreiung Wiens, Aleksij W. Blagodatow, und seine Nachfolger setzten sich dafür ein und stellten auch Soldaten für die Reparaturarbeiten ab (Blagodatow hatte unmittelbar nach der Befreiung Wiens 1945 auch mit Kardinal Innitzer Kontakt aufgenommen).