Metropolit Hilarion: “Wir wollten das vermeiden”

“Tür zum Dialog ist nicht völlig verschlossen” – Russisch-orthodoxe Laien können in Kirchen des Ökumenischen Patriarchats die Heilige Kommunion empfangen – Sorge um die großen orthodoxen Heiligtümer in der Ukraine

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Foto: © Υπουργείο Εξωτερικών (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Moskau, 14.09.18 (poi) “Wir wollten das vermeiden, viele Jahre haben wir versucht, die Probleme durch Dialog zu lösen”, sagte Metropolit Hilarion (Alfejew), der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, bei einem Gespräch mit Journalisten unmittelbar nach Beendigung der Sondersitzung des Heiligen Synods der russisch-orthodoxen Kirche wegen der Ukraine-Krise mit dem Ökumenischen Patriarchat. Der letzte Versuch sei am 31. August die Reise von Patriarch Kyrill nach Konstantinopel gewesen, wo der Patriarch bei einem “vertraulichen und brüderlichen Gespräch” im Phanar die Position der russischen Kirche dargelegt und vor den Schritten gewarnt habe, die dann “leider erfolgt” seien. Aber sobald Patriarch Kyrill die Bosporus-Metropole verlassen habe, sei durch Patriarch Bartholomaios I. der Heilige Synod von Konstantinopel einberufen worden (Hilarion: “Wir haben das erst später erfahren”). Bei dieser Sitzung sei beschlossen worden, die Vorschläge aus Moskau nicht zu akzeptieren. Dann sei bei der “Synaxis” der Bischöfe des Ökumenischen Patriarchats aus aller Welt ab 1. September mitgeteilt worden, wie man in der Ukraine vorgehen wolle und eine Woche später seien die Exarchen ernannt worden. Am 8. September habe der Heilige Synod des Moskauer Patriarchats angekündigt, dass es “sehr bald” eine Antwort auf die Schritte Konstantinopels geben werde. Die Entscheidung darüber sei am Freitag erfolgt.

Im Hinblick auf die Gründe, warum es zur Entsendung von Exarchen nach Kiew durch Konstantinopel gekommen sei, sagte der Metropolit, der Phanar sei in Eile mit dem Autokephalie-Verfahren, “solange Präsident Poroschenko noch an der Macht ist”. Er denke aber nicht, dass all das, was vorgefallen sei, die Tür zum Dialog völlig verschließe, betonte der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats. Die Entscheidung des Moskauer Heiligen Synods sei aber ein Signal an Konstantinopel, dass es zum Abbruch der eucharistischen Gemeinschaft kommen müsse, wenn der Phanar weiterhin Aktionen wie die Ernennung der Exarchen setze.

Im Gespräch mit den Journalisten hob Metropolit Hilarion im Hinblick auf entsprechende Fragen hervor, dass die am Freitag in Moskau beschlossenen Maßnahmen keinen

“kompletten Bruch” der eucharistischen Gemeinschaft bedeuten. Laien, die etwa auf den Berg Athos pilgern oder sonst an der Liturgie in Kirchen des Ökumenischen Patriarchats teilnehmen, könnten dort die Heilige Kommunion empfangen. Bei den Fürbitten in den Gottesdiensten des Moskauer Patriachats (Metropolit Hilarion sagte wörtlich: “bei den von Patriarch Kyrill zelebrierten Liturgien”) werde ab sofort aber nicht mehr Bartholomaios I. an erster Stelle genannt werden, sondern der Patriarch von Alexandrien.

Auf die Frage, ob er fürchte, dass nach einer möglichen Autokephalie-Erklärung “für die Ukraine” die großen orthodoxen Heiligtümer wie das Kiewer Höhlenkloster oder das Kloster von Potschajew der Kirche des Moskauer Patriarchats entzogen werden könnten, meinte der Metropolit, das sei nicht auszuschließen. Auch bisher seien der ukrainisch-orthodoxen Kirche Gotteshäuser weggenommen worden, 50 Kirchen hätten sich die Schismatiker angeeignet. Wenn das Autokephalie-Projekt weitergehe, müsse man mit schwerwiegenden Konsequenzen für die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats rechnen.

Auf “Facebook” hielt Metropolit Hilarion seine Überzeugung fest, dass das Ökumenische Patriarchat im 20. Jahrhundert bei schwierigen Situationen dem Moskauer Patriarchat nicht brüderliche Hilfe gewährt, sondern vielmehr getrachtet habe, die russische Kirche zu schwächen. Im Hinblick auf die Bemühungen Konstantinopels um “Autokephalie für die Ukraine” zur Überwindung der Spaltungen stellte der russische Metropolit die rhetorische Frage, warum der Phanar sich nicht für eine einheitliche orthodoxe Kirche in den USA einsetze. Dort werde alles getan, um zumindest einen Teil der Orthodoxen unter dem Omophorion Konstantinopels zu behalten. Abschließend rief er zum Gebet für die ukrainisch-orthodoxe Kirche und den Metropoliten von Kiew, Onufrij (Berezowskij) auf; die “Kräfte der Hölle” hätten sich zur Zerstörung dieser Kirche verschworen, aber sie würden nicht siegen. Zugleich lud der Metropolit auch zum Gebet für die Schismatiker ein, damit sie durch Reue und Buße zur kirchlichen Einheit zurückkehren.