Metropolit von Odessa bittet Patriarch Kyrill um Intervention für die ukrainischen Matrosen

„Nur die orthodoxe Kirche kann die Konfrontation überwinden und ihre Stimme auf beiden Seiten des Konflikts hörbar machen“

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Foto ©: Serge Serebro, Vitebsk Popular News (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Kiew-Moskau, 06.12.18 (poi)  Der Metropolit von Odessa, Agafangel (Sawwin; er gehört zur ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats), hat an Patriarch Kyrill I. appelliert, sich für die Freilassung der ukrainischen Matrosen einzusetzen, die beim Zwischenfall in der Straße von Kertsch von russischen Grenzschutzbeamten festgenommen wurden und derzeit in Untersuchungshaft sind. Nur die orthodoxe Kirche könne die Konfrontation überwinden und ihre Stimme auf beiden Seiten des Konflikts hörbar machen, so der Metropolit in einem „Offenen Brief“, der auf der Website der Metropolie von Odessa publiziert wurde.

In diesen „schwierigen Tagen“ bestehe die Gefahr eines noch nie dagewesenen militärischen Konflikts, der den Verlust von Menschenleben, Zerstörung, Leid und Tränen mit sich bringen könne, stellte Metropolit Agafangel fest und erinnerte daran, dass etliche der festgenommenen Matrosen aus Odessa stammen und dort wohnen. Wörtlich fügte der Metropolit hinzu: „Als Bischof von Odessa, dessen Herz von Schmerz und Sorge um die mir anvertraute Herde erfüllt ist, bitte ich Eure Heiligkeit, die Schreie der Mütter, das Stöhnen der Frauen und Kinder zu hören und die rasche Freilassung der verhafteten Matrosen zu erleichtern“. Abschließend  betonte der Metropolit seine Hoffnung, dass die militärische Konfrontation beendet und der Ukraine der „Segen des Friedens“ zuteil wird.

Patriarch Kyrill hatte bereits im Dezember 2017 einen Gefangenenaustausch zwischen der Kiewer Regierung und den Verantwortlichen im Donbass ermöglicht, bei dem 300 Gefangene der Ukrainer und 70 Gefangene der „Separatisten“ freigelassen wurden.

Der Pressesprecher von Patriarch Kyrill, P. Aleksander Wolkow, deutete am Dienstag an, dass sich Patriarch Kyrill für die ukrainischen Matrosen einsetzen werde. Der Patriarch sei sehr betrübt über die Entwicklung der Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland. Der Patriarch bete dafür, dass die Konfrontation zwischen den beiden „Brudernationen“ überwunden wird und unternehme alle Anstrengungen, um die Friedensmission der Kirche im Alltag zu verwirklichen.

 

Metropolit schreibt an Putin

Auch der – erst vor wenigen Tagen mit einem hohen ukrainischen Orden ausgezeichnete – Metropolit Anatolij (Hladkiy) von Sarny bemüht sich um die Freilassung der ukrainischen Matrosen.  Der Metropolit, der der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats angehört, schrieb „im eigenen Namen wie im Namen des Klerus meiner Eparchie“ an den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit der Bitte um Freilassung der nach der Auseinandersetzung in der Straße von Kertsch festgenommenen Matrosen. Einer der Seeleute stamme aus der Polesie, die zur Eparchie von Metropolit Anatolij gehört. Wörtlich stellte der Metropolit in seinem Schreiben an Präsident Putin fest: „Ich kann politische Entwicklungen nicht beurteilen, aber sowohl meine christliche Pflicht als Bischof  der orthodoxen Kirche, die die beiden benachbarten Völker und Staaten vereint, wie auch mein christliches Gewissen verpflichten mich zum Mitgefühl mit den Seeleuten und ihren Familien“. Deshalb bitte er den russischen Präsidenten, den Matrosen zu ermöglichen, dass sie das Weihnachtsfest wieder vereint mit ihren Familien feiern können.