Möglichkeit eines Papstbesuchs in Serbien wieder im Gespräch

Nuntius Suriani betonte in Interview aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums der Apostolischen Nuntiatur in Belgrad die Sympathie von Papst Franziskus für Patriarch Irinej und für Serbien

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Foto: © : Casa Rosada (Argentina Presidency of the Nation), Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic) )

Belgrad, 05.07.20 (poi) Ein Interview des Apostolischen Nuntius in Belgrad, Erzbischof Luciano Suriani, hat die Möglichkeit eines Papstbesuch in Serbien wieder ins Gespräch gebracht, wie die katholische Nachrichtenagentur ACI-Stampa berichtet. Nuntius Suriani hat in dem Interview mit der serbischen „Politika“ wörtlich festgestellt: „Papst Franziskus hat mehrfach seine Sympathie für Patriarch Irinej und für Serbien bekundet. Dabei hat er nicht seinen Wunsch verhehlt, Serbien zu besuchen. Die politischen Autoritäten scheinen mir geneigt, ihn zu empfangen, ebenso viele Bürger, die mir das in den letzten Jahren offen gesagt haben. Mein Wunsch ist, dass die Zeit für einen Papstbesuch – die von einigen noch nicht für reif erachtet wird – bald zur Reife gelangt“.

In dem Interview nahm der Nuntius auch auf die Diskussion um das Verfahren zur Heiligsprechung des bereits selig gesprochenen Kardinal-Erzbischofs Alojzije Stepinac von Zagreb Bezug. Im Hinblick auf die Proteste vor allem der serbisch-orthodoxen Kirche hatte Papst Franziskus eine gemischte katholisch-orthodoxe Kommission zur Causa Stepinac eingesetzt; die Kommission gelangte aber nicht zu übereinstimmenden Erkenntnissen. Der Papst habe alle möglichen Wege beschritten, so Suriani; es sei der Wunsch beider Seiten, den Dialog fortzusetzen, um auch andere Aspekte dieses „schmerzlichen und kontroversen historischen Zeitabschnitts“ zu beleuchten. Auf jeden Fall würde es ihm sehr leid tun, wenn diese Angelegenheit weiterhin ein „unüberwindbares Hindernis“ in den Beziehungen zwischen katholischer Kirche in Kroatien und serbisch-orthodoxer Kirche bleibe, betonte der Nuntius: „Das ist eine Verwundung unserer Glaubwürdigkeit als Christen“.

Anlass des Interviews – das auf der „Politika“-Titelseite mit einem Bild des Nuntius im Gespräch mit Patriarch Irinej aufgemacht ist – ist das 100-Jahr-Jubiläum der Nuntiatur in Belgrad. Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“ (SHS) – wie Jugoslawien zunächst offiziell hieß – wurden 1920 aufgenommen. Sie wurden auch mit der jugoslawischen Exilregierung aufrecht erhalten, die nach dem Überfall der Achsenmächte auf Jugoslawien 1941 zuerst in London, dann in Kairo und schließlich wieder in London amtierte. Nach der Proklamation der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien unter Marschall Tito wurden die Beziehungen 1945 abgebrochen und erst 1970 wieder aufgenommen. Der Nuntius war ab 2003 bei der Bundesrepublik Serbien-Montenegro akkreditiert, nach der Abspaltung Montenegros ab 2006 bei Serbien. Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin besuchte Serbien (ebenso wie Montenegro) im Juni 2018.

Nuntius Suriani stellte in dem „Politika“-Interview fest, trotz der bereits relativ langen Beziehungen zwischen Belgrad und dem Heiligen Stuhl bleibe noch viel zu tun. Vor allem gehe es darum, dass die katholische Gemeinschaft in Serbien nicht als Fremdkörper empfunden werde, sondern als „integrierender Bestandteil des gesellschaftlichen Gewebes des Landes“. Als Nuntius habe er in Belgrad sehr gute Erfahrungen gemacht, betonte der Erzbischof. Patriarch Irinej habe ihn „wie ein Bruder“ aufgenommen, es gebe ein sehr aufrichtiges Verhältnis.

Die Corona-Pandemie habe auch in Belgrad die Einsicht in die Notwendigkeit des Schutzes der Umwelt verstärkt, unterstrich Suriani. Die Regierungen müssten sich ebenso wie die einzelnen Bürger für die Förderung und Entwicklung einer „integralen Ökologie“ einsetzen, die den Menschen und den Schutz seiner Gesundheit an die erste Stelle setzt.