Montenegro: Metropolit Amfilohije setzt Ausbau der Kirchenstruktur fort

Neues Kloster im Bereich der Küstenstadt Ulcinj – Konflikt mit der montenegrinischen Polizei geht aber weiter

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Foto: © Medija centar Beograd (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Podgorica, 10.05.20 (poi) Der serbisch-orthodoxe Metropolit von Montenegro, Amfilohije (Radovic), setzt ungeachtet des gespannten Verhältnisses mit der Regierung in Podgorica den Ausbau der kirchlichen Struktur im „Land der Schwarzen Berge“ fort. Am 9. Mai feierte der Metropolit auf der Briska Gora beim Küstenstädtchen Ulcinj die Gründungsliturgie für das neue Nonnenkloster St. Basil von Ostrog. Als Kirche dieses Klosters dient ein Gotteshaus, das der Bekenner-Patriarch Gabriel V. (1881-1950) vor Jahrzehnten geweiht hatte. Gabriel V. war vor seiner Wahl zum Patriarchen 1938 Metropolit von Montenegro, er wurde als Djordje Dozic in dem montenegrinischen Städtchen (und heutigem Wintersportort) Kolasin geboren. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Gabriel von den Deutschen in das KZ Dachau verschleppt. Metropolit Amfilohije bezeichnete es als ein „wunderbares Zeichen“, dass das von dem späteren Patriarchen geweihte Gotteshaus jetzt Kirche des neuen Klosters wird. Gabriel V. sei während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs von den Feinden Serbiens inhaftiert gewesen, aber das Gotteshaus auf der Briska Gora sei gleichsam der „Berg Zion, auf dem der Heilige Geist auf die Apostel herabkam“. Verfolgung gehöre die ganze Geschichte hindurch zum Leben der Kirche, so der Metropolit.

Im Anschluss an die Liturgie wurde der Grundstein für das neue Klostergebäude gelegt, die Nonne Olga aus dem nahe gelegenen Kloster Rustovo wurde zur ersten Äbtissin des neuen Konvents erhoben. Das Kloster Rustovo ist eines der Klöster im Gemeindegebiet von Budva, die alle auf die Initiative der Adelsfamilie Pastrovic zurückgehen; Rustovo ist mit seinen zwei Kirchen (eine ist dem Heiligen Benedikt geweiht, die andere dem letzten russischen Zaren Nikolaus II.) ein geistlicher Mittelpunkt.

Bei der Liturgie am 9. Mai war auch der 101-jährige Bogdan Peric anwesend, der als Kind an der Kirchweihe durch den späteren Patriarchen auf der Briska Gora teilgenommen hatte. Peric sagte, er könne sich an die viele Jahrzehnte zurückliegende Kirchweihe erinnern, wie wenn sie heute wäre. Und er sei Metropolit Amfilohije zutiefst dankbar, dass es ihm gelinge, so viele junge Leute für das Evangelium und die Kirche zu begeistern.

Ulcinj hat heute eine zu 70 Prozent albanische, mehrheitlich muslimische Bevölkerung. Bis zur osmanischen Eroberung 1571 war die Stadt unter dem Namen Dulcigno Teil des venezianischen Albanien. Wie in anderen Teilen der venezianischen Gebiete am östlichen Mittelmeer wurden in Dulcigno die Renaissance-Kirchen nach der osmanischen Eroberung in Moscheen verwandelt. 1880 wurde Ulcinj Montenegro zugesprochen.

Vor der Klostergründung auf der Briska Gora  hatte der montenegrinische Metropolit im Simeonskloster in Podgorica am 8. Mai die Göttliche Liturgie zum Fest des Heiligen Markus gefeiert, der auch als Patron der Hauptstadt des „Landes der Schwarzen Berge“ verehrt wird. Obwohl nur einige Priester mit dem Metropoliten in der Kirche des Simeonsklosters konzelebrierten, sei das Gotteshaus wegen der coronabedingten Maßnahmen „gleichsam von der Polizei belagert“ gewesen, hieß es in einem Bericht aus Podgorica. Als kleine Retourkutsche erinnerte der Metropolit in seiner Predigt daran, dass dort, wo sich einst das Markuskloster der Stadt befand, heute das Haus der zum Islam konvertierten Adelsfamilie Djecevic stehe. Nach der Liturgie hielt Metropolit Amfilohije ein Totengedenken für alle Bewohner von Podgorica, die Opfer der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts geworden waren.

Auch am Mittwoch der orthodoxen Osterwoche war es zu einem Konflikt zwischen Metropolit Amfilohije und der montenegrinischen Polizei gekommen. Der Metropolit wurde vorgeladen und verhört, weil er in Cetinje das Begräbnis des Historikers Vladimir Jovicic gehalten hatte. Auch mehrere andere Anwesende wurden verhört. Ähnliches hatte sich auch am orthodoxen Palmsonntag ereignet. Metropolit Amfilohije stellte am Donnerstag der Osterwoche fest, zum ersten Mal in seinem mehr als 80-jährigen Leben – von dem 60 Jahre der Seelsorge gewidmet waren – sei er zwei Mal von der Polizei vorgeladen worden, um Fragen im Hinblick auf seine priesterlichen Pflichten zu beantworten.

Auf der Website seiner Metropolie stellte Amfilohije wörtlich fest: „Als montenegrinischer Bischof und als Person bringe ich meinen menschlichen und bischöflichen Protest zum Ausdruck, dass das Begraben der Toten auf diese Art von den staatlichen Autoritäten missbraucht, verfolgt und entweiht wird“. Dieser heilige Ritus sei menschliche und christliche Pflicht. „Ich habe weder vor Gott noch vor dem staatlichen Gesetz das Recht, meine bischöfliche und menschliche Pflicht zu vernachlässigen“, so der Metropolit. Durch die staatlichen Quarantäne-Maßnahmen seien religiöse Riten nicht untersagt. Es sei offensichtlich, dass ein Vorwand gesucht werde, um Repräsentanten der Kirche als „gesellschaftlich unerwünschte Gruppe“ verfolgen zu können. Metropolit Amfilohije bedauerte, dass die Quarantäne-Maßnahmen für die ideologische und parteiliche Einschüchterung der Gläubigen missbraucht werden, „was eine Verletzung ihrer durch die Verfassung garantierten Rechte“ darstelle. Im übrigen sei er bereit, „vor jedem Gericht der Welt“ wegen seines Dienstes für den auferstandenen Christus Rede und Antwort zu stehen.

Hinter den Vorgängen steht die Auseinandersetzung um das umstrittene neue montenegrinische Religionsgesetz, das nach Auffassung der orthodoxen Metropolie dazu dienen soll, der Kirche das Eigentum an den jahrhundertealten Kirchen und Klöstern zu entziehen.