Montenegro: Pläne für größten orthodoxen Kirchenbau des Landes

In der Hafenstadt Budva soll der Wunsch des im Herbst verstorbenen Metropoliten Amfilohije umgesetzt werden

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Foto: © Medija centar Beograd (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Podgorica, 19.03.21 (poi) In der Hafenstadt Budva soll die größte Kirche Montenegros gebaut werden. Das Infoportal „orthochristian“ berichtete dieser Tage von entsprechenden Plänen der Serbisch-orthodoxen Kirche und der Behörden im Land. Demnach geht das Vorhaben auf Metropolit Amfilohije (Radovic) zurück, der zumindest seit zwei Jahren mit dem Gedanken gespielt haben soll. Dann wurden die Pläne aber wieder auf Eis gelegt. Der Metropolit ist vergangenen Herbst verstorben. Nun hat der Bürgermeister von Budva, Marko Tsarevic, die Pläne erneut aufgegriffen, wie lokale Medien berichteten.

Die neue Kirche soll dem Apostel Markus geweiht sein. Die Fläche des Kirchenkomplexes umfasst fünf Hektar. Nach aktuellen Plänen wird die Kirche rund 24 Meter hoch, 32 Meter lang und 27 Meter breit sein. Der freistehende Glockenturm mit seinem Kreuz erreicht eine Höhe von 21 Metern. Die Kirche ist als dreischiffige Basilika nach dem Vorbild frühchristlicher Kirchen mit zentralem Kuppelraum konzipiert. Es gibt auch Pläne, eine Krypta unter der Kirche zu bauen. Die Stadt Budva zählt laut letzten verfügbaren Angaben gut 13.000 Einwohner. Mit dem Umland sind es mehr als 22.000. Es gibt in Budva bereits einige orthodoxe Kirchen und eine katholische Kirche.

Beobachter sprechen davon, dass im Kirchenbau auch das neue Selbstbewusstsein der Serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro zum Ausdruck kommt. Die Kirche war in den vergangenen Jahren vor allem politisch stark unter Druck gekommen, seit den Parlamentswahlen vom vergangenen Sommer fühlt sie sich aber wieder gestärkt.

In Montenegro gibt es zwei orthodoxe Kirchen. Die Serbisch-orthodoxe Kirche und zum anderen die kleine Montenegrinisch-orthodoxe Kirche, die sich selbst als unabhängig ansieht, von der Weltorthodoxie aber nicht anerkannt ist. Der historische Hintergrund des Konflikts ist komplex, die überwiegende Mehrheit der Gläubigen und Geistlichen hält jedenfalls der Serbisch-orthodoxen Kirche die Treue. Von der Politik wurde in den vergangenen Jahren aber die kleine unabhängige Kirche favorisiert.

Der montenegrinische Präsident Milo Djukanovic wollte ein Religionsgesetz durchbringen, das die Serbisch-orthodoxe Kirche befürchten ließ, viele Gotteshäuser und Klöster an die konkurrierende Kirche zu verlieren. Das geplante Gesetz führte in der Folge zu heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen. Der montenegrinische Metropolit Amfilohije stand an der Spitze des serbisch-orthodoxen Widerstands.

Der Streit um das Religionsgesetz war auch ein Zentralthema des Wahlkampfs im vergangenen Sommer gewesen. Bei der Wahl im August 2020 unterlag Djukanovic mit seiner pro-westlichen Partei DPS knapp. Das neue (eher pro-serbische) Regierungsbündnis entschärfte das Gesetz, das letztendlich im Jänner 2021 in Kraft trat, entscheidend.