Montenegro: Spannung mit Kirche vor Parlamentswahl

In den letzten Tagen gab es wieder „Kreuzprozessionen“, mit denen gegen das umstrittene neue Religionsgesetz Stellung bezogen wurde

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Foto: © Sailko (Quelle: Wikimedia; Lizenz:Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Podgorica, 26.08.20 (poi) Im Hinblick auf die am kommenden Sonntag, 30. August, bevorstehenden Parlamentswahlen in Montenegro hat sich die Auseinandersetzung zwischen Staatspräsident Milo Djukanovic und seinem Ministerpräsidenten Dusko Markovic auf der einen Seite und der orthodoxen Kirche auf der anderen Seite wieder zugespitzt. Ursache ist das im Dezember 2019 im Parlament durchgedrückte neue Religionsgesetz, auf dessen Grundlage der orthodoxen Kirche sakrale Gebäude entzogen werden könnten. Staatspräsident Djukanovic ist bemüht, eine sektiererische Gruppierung als Gegengewicht zur orthodoxen Kirche zu fördern. Seit der Verabschiedung des umstrittenen Gesetzes gab es in Montenegro zunächst zwei Mal pro Woche „Kreuzprozessionen“, die dann unter Berufung auf die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie unterbunden wurden. Am vergangenen Sonntag, 23. August, fanden in Montenegro ab den Morgenstunden wieder „Kreuzprozessionen“ statt. Die größte Prozession führte von Niksic in die Hauptstadt Podgorica, wurde aber „coronabedingt“ von der Polizei blockiert.  Nach stundenlangen Diskussionen wurde die Blockade aufgehoben. Zur Mittagszeit erreichte die Prozession die Auferstehung Christi-Kathedrale in Podgorica, wo sich dann aber Oppositionsführer Zdravko Krivokapic an die Gläubigen wandte. Die Prozession endete mit dem gemeinsamen Gebet des Vater unser. Die montenegrinischen Sicherheitsbehörden eröffneten gegen fünf Priester und drei weitere Personen Verfahren, weil sie mit der Prozession die Bestimmungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verletzt hätten.

Am 15. August, dem Marienfeiertag, wurde von Budva aus eine eindrucksvolle Schiffsprozession für die Freiheit der orthodoxen Kirche in Montenegro gehalten. Mehr als 70 Boote unterschiedlicher Größe nahmen an der Prozession teil. In der Schiffsprozession kam auch die venezianische Tradition zum Ausdruck, mit der Montenegro in seinem Küstengebiet eng verbunden ist.

 

„Unbesiegbare Kirche“

Zur montenegrinischen Wahl äußerte sich auch der serbisch-kanadische Sänger, Liedermacher, Rapper und Produzent Filip Jankovic (Künstlername: Filip Filipi). Der durch sein humanitäres Engagement – für Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft – bekannte Künstler erinnerte daran, dass die serbisch-orthodoxe Kirche „seit 1.000 Jahren“ Kultur, Sprache und Freiheit des serbischen Volkes verteidige: „Grenzen ändern sich, Feinde kommen und vergehen, Imperien erheben sich und fallen, aber die serbische Kirche bleibt unveränderlich. Unsere Kirche hat uns in geistlicher Hinsicht unbesiegbar gemacht“. Daran hätten 500 Jahre osmanischer Herrschaft, fünf Jahre der Todeslager des NS-Regimes und seiner Verbündeten und 78 Tage der NATO-Angriffe mit uran-angereicherter Munition nichts geändert. Die spirituelle Freiheit des serbischen Volkes sei nicht verhandelbar, es sei eine „heilige Pflicht“, sie zu verteidigen.  Am diesjährigen Veitstag – 28. Juni – veröffentlichte der Künstler sein jüngstes Album unter dem Titel „Nine Roses“.  Unter dem Titel „28. Juni“ hat Filip Jankovic auch eine international tätige humanitäre Organisation begründet.