Moschee in Athen eröffnet

Hohe politische Bedeutung, auch im Hinblick auf die Auseinandersetzungen mit der türkischen Regierung wegen der immer wieder blockierten Wiedereröffnung der orthodoxen Theologischen Hochschule und des Priesterseminars auf der Marmara-Insel Chalki

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Foto: © A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) (Quelle: Wikimedia; Lizenz: e Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license)

Athen, 06.11.20 (poi) In Athen wurde am Montag die erste Moschee seit der Befreiung der Stadt von der osmanischen Herrschaft 1821 eröffnet. Pandemiebedingt erfolgte die Eröffnung ohne Feierlichkeiten. Die Eröffnung der Moschee hat hohe politische Bedeutung, weil der türkische Präsident Recep T. Erdogan bisher immer die fehlende Präsenz einer Moschee in Athen als Vorwand benützt hatte, um eine Wiedereröffnung der orthodoxen Theologischen Hochschule und des Priesterseminars auf der Marmara-Insel Chalki zu blockieren. Der Leiter des griechischen Kultusamtes, Giorgios Kalantzis, stellte fest, Griechenland sende mit der Eröffnung der Moschee eine „klare Botschaft der Demokratie, der Religionsfreiheit und des Respekts“ für das In- und Ausland. Bereits 2002 hatte die Regierung den Bau einer Moschee im Hinblick auf die Olympischen Spiele von 2004 angekündigt. Aber erst 2006 wurde ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, 2016 konnte mit dem Bau begonnen werden. Die Eröffnung musste aber aus unterschiedlichen Gründen immer wieder verschoben werden. Im Hinblick auf die skeptische Haltung der griechischen Öffentlichkeit wurde auf den Bau eines Minaretts verzichtet. Die Moschee wurde in Botanikos auf dem früheren Zentralparkplatz der griechischen Marine errichtet, die das Grundstück zur Verfügung gestellt hat. Die griechischen Behörden wollen mit der Eröffnung der neuen Moschee offenbar auch den Wildwuchs der illegalen „Kellermoscheen“ in Athen eindämmen.

Nach der osmanischen Eroberung des lateinischen Herzogtums Athen im 15. Jahrhundert hatte es in der heutigen griechischen Hauptstadt zahlreiche Moscheen gegeben. Einige dieser früheren Moscheen stehen noch, so zum Beispiel die Fethiye-Moschee, die 1456/58 aus einer früheren orthodoxen Kirche entstand. Die Moschee wurde als „Weizenmarktmoschee“ bezeichnet. Während der vorübergehenden venezianischen Herrschaft am Ende des 17. Jahrhunderts diente das Gotteshaus wieder als römisch-katholische Kirche, die dem Heiligen Dionysios dem Areopagiten geweiht war. Nach der griechischen Revolution wurde die Moschee zunächst als Schule genutzt, später als Kaserne, Militärgefängnis und schließlich als Militärbäckerei. Nach einer umfassenden Restaurierung dient sie jetzt als Ausstellungsraum. Eine andere noch vorhandene Moschee ist die 1759 von dem islamisierten Griechen Mustafa Tsistarakis errichtete Moschee. Auch sie wird heute als Museum genutzt.