Moskau: Gründung einer interkonfessionellen „Allianz für die Verteidigung der verfolgten Christen in Afrika“

Metropolit Hilarion formulierte entsprechenden Vorschlag bei einer internationalen Online-Konferenz – Sorge darüber, dass Afrika zum Epizentrum der Christenverfolgung wird

0
295
Foto: © Υπουργείο Εξωτερικών (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Moskau, 28.12.20 (poi)  Die Gründung einer interkonfessionellen „Allianz für die Verteidigung der verfolgten Christen in Afrika“ hat der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), bei einer internationalen Online-Konferenz  vorgeschlagen, die von der russisch-orthodoxen Kirche und der russischen „Vereinigung zum Schutz der Religionsfreiheit“ veranstaltet wurde. Der Metropolit betonte, dass die Unterstützung der „leidenden Brüder und Schwestern“ von der russisch-orthodoxen Kirche  als ihre „historische Aufgabe“ gesehen werde. Patriarch Kyrill, der die Entwicklung genau beobachte, sei überzeugt, dass Afrika leider immer mehr zum Epizentrum der Unterdrückung der Christen wird. Möglicherweise hänge das auch damit zusammen, dass Afrika mittlerweile jener Teil der Welt sei, in dem das Christentum am stärksten wachse.  Bereits im November des Vorjahrs habe der Patriarch beim „Interreligiösen Gipfel“ in Baku darauf aufmerksam gemacht, dass die Christen in Nigeria einem „Genozid“ ausgesetzt seien. Kyrill I. habe damals die religiösen Führungspersönlichkeiten aus aller Welt aufgefordert, ihre Stimme zur Verteidigung der Christen in Nigeria zu erheben.

In Ostafrika wiederum schlage die in Somalia beheimatete Terrororganisation „Al-Shabaab“ immer wieder auch in Kenya zu, erinnerte Metropolit Hilarion. Die bevorzugte Taktik seien dabei Überfälle auf Linienbusse. Die Terroristen trennten die Christen von den anderen Fahrgästen und ermordeten sie. Der „Islamische Staat“ sei zwar im Nahen Osten zerschlagen, aber die IS-Terroristen  hätten sich mittlerweile in Afrika durch ihre Kooperation mit “Al-Shabaab“ und der nigerianischen Terrorgruppe „Boko Haram“ eine neue Machtbasis geschaffen. In jüngster Zeit hätten die  IS-Terroristen auch blutige Überfälle auf die christliche Bevölkerung in der Republik Mocambique (in der Provinz Cabo Delgado) und im Kongo-Kinshasa (in der Provinz Kivu) gestartet. Der Metropolit verwies aber auch auf die schwierige Situation in Algerien und in Äthiopien. In Algerien werde zunehmend christlichen Gemeinden die Registrierung verweigert, zudem habe der Inlandsgeheimdienst begonnen, Informationen über die religiöse Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern zu sammeln. Auch Äthiopien sei eine neue Brutstätte der Christenverfolgung geworden. Auf dem Hintergrund der politischen Krise, in der sich das Land seit Mitte 2019 befinde,  seien die äthiopisch-orthodoxe Kirche und ihre Gläubigen gezielten Attacken ausgesetzt. Hunderte Christen seien bei schrecklichen Massakern ums Leben gekommen, tausende seien Inlandsvertriebene in der eigenen Heimat.

Als Ziel der Online-Konferenz bezeichnete der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats die Konsolidierung der Bemühungen christlicher Kirchen und Organisationen bei der Unterstützung der Christen Afrikas. Es gehe um ständigen Informationsaustausch, aber auch darum, die Stimme der Christen Afrikas in der internationalen Öffentlichkeit vernehmbarer zu machen. Die angepeilte interkonfessionelle „Allianz für die Verteidigung der verfolgten Christen in Afrika“  müsse sich aber auch für die Verstärkung der gemeinsamen humanitären Initiativen für Afrika einsetzen. Das Moskauer Patriarchat lege dabei besonderen Wert darauf, dass alle Initiativen im Einvernehmen mit den örtlichen Kirchen und Organisationen erfolgen. Metropolit Hilarion: „Man kann nicht verfolgten Christen helfen wollen und dabei deren Standpunkt ignorieren“. Dieser Grundsatz müsse auch im Hinblick auf Afrika gelten.

Der koptisch-orthodoxe Patriarch Tawadros II. richtete an die Teilnehmenden der Online-Konferenz eine Grußbotschaft, in der er dringend darum ersuchte, für eine intensivere Berichterstattung über die Verfolgung von Christen auf dem afrikanischen Kontinent zu sorgen. Leider habe sich die Verfolgungssituation in der Zeit der Pandemie zugespitzt. Der Leiter der „Kommission für internationale Angelegenheiten“ beim Weltkirchenrat, Peter Prove, berichtete über die Erfahrungen seiner Organisation in Afrika. Er bezeichnete es als notwendig, dass es auf die Verfolgung von Christen „auch aus der Region“ eine Antwort gibt.

Unter den weiteren Sprechern waren der Generalsekretär der russischen katholischen Bischofskonferenz, P. Igor Kowalewskij, der Vorsitzende der „Geistlichen Versammlung der Muslime in Russland“, Mufti Albir Krganow, und der evangelikale Bischof Sergej Rjakhovskij.