Moskau: Religionsführer beraten über Karabach-Konflikt

Gipfeltreffen mit russisch-orthodoxem Patriarchen Kyrill I, armenischem Katholikos Karekin II. und aserbaidschanischem Großmufti Scheich-ul-Islam Allahshukur Paschazade

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Foto ©: Alvesgaspar (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Moskau, 12.10.21 (poi) Die religiösen Führer Russlands, Armeniens und Aserbaidschans bemühen sich um eine Lösung des Karabach-Konflikts. Der armenisch-apostolische Katholikos Karekin II. ist zu diesem Zweck Montagabend nach Moskau gereist, wo er bereits am Flughafen Scheremetjewo von Metropolit Hilarion (Alfejew), Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, empfangen wurde. An diesem Dienstag steht eine Begegnung mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. auf dem Programm. Am Mittwoch wird der Kreis dann nochmals um den aserbaidschanischen Großmufti Scheich-ul-Islam Allahshukur Paschazade erweitert.

Patriarch Kyrill hat sich seit dem Ausbruch der Kriegshandlungen im Herbst 2020 um eine friedliche Lösung des Konflikts bemüht. Schon im Oktober warnte er davor, dass aus der Konfrontation kein interreligiöser Konflikt werden dürfe. Er stand auch stets im Austausch mit Katholikos Karekin und Scheich-ul-Islam Allahshukur Paschazade. Über konkrete Lösungsvorschläge, die nun bei den Treffen der drei Religionsführer in Moskau diskutiert werden könnten, wurde im Vorfeld des Gipfels aber nichts bekannt.

Der eingefrorene Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach war am 27. September 2020 wieder aufgebrochen und dauerte bis zum 9. November. Die Streitkräfte Armeniens bzw. Karabachs hatten der aufgerüsteten Armee Aserbaidschans, die u. a. massiv von der Türkei unterstützt wurde, wenig entgegenzusetzen. Ein Großteil Karabachs wurde von aserbaidschanischen Truppen eingenommen, bevor am 9. November unter der Ägide Russlands ein Waffenstillstand ausgehandelt wurde. Rund 6.000 Menschen starben im Krieg, 100.000 mussten fliehen bzw. wurden vertrieben. Nur ein Teil dieser Flüchtlinge konnte bisher zurückkehren. Die politische Zukunft der Region ist nach wie vor ungewiss.

1991 hatte sich die armenisch besiedelte autonome Republik Artsach (Berg-Karabach) innerhalb Aserbaidschans für unabhängig erklärt. Der folgende erste Karabach-Krieg dauerte bis 1994 und endete mit einem Waffenstillstand. Die Milizen von Artsach konnten den größten Teil der kleinen Republik mit der historisch bedeutsamen Hauptstadt Stepanakert bewahren und im Zusammenwirken mit der armenischen Armee auch sieben aserbaidschanische Provinzen zwischen Berg-Karabach und Armenien unter Kontrolle bringen und so die Verbindung zwischen Artsach und der armenischen Republik sicherstellen. (Auch diese sieben Provinzen gingen im Herbst 2020 bis auf einen schmalen Korridor verloren.) Die „Republik Artsach“ wurde bis heute aber international von keinem Staat anerkannt; auch nicht von Armenien.