Moskau wird „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ nie anerkennen

Russisch-orthodoxer Patriarch Kyrill betont in Interview mit griechischer Zeitung, dass er und seine Kirche bei der Abwehr der neugegründeten „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ auf spirituelle Mittel vertrauen

0
121
Foto ©: Serge Serebro, Vitebsk Popular News (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Moskau-Athen, 20.04.19 (poi) Das Moskauer Patriarchat anerkennt die Zuerkennung der Autokephalie an die neugegründete „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ nicht und wird sie „nie anerkennen“. Dies betonte der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. in einem Interview mit der griechischen Zeitung „Ethnos“. Wörtlich sagte der Patriarch: „Die ukrainischen Schismatiker haben keinen Anteil an der göttlichen Gnade. Die einzige orthodoxe Kirche, die in der Ukraine die heilbringenden Sakramente verwaltet, ist die von Metropolit Onufrij geleitete ukrainisch-orthodoxe Kirche. Dieser Kirche gehört die Mehrheit der ukrainischen Gläubigen an“.

Patriarch Kyrill erinnerte daran, dass der bisherige ukrainische Präsident Petro Poroschenko schon vor der Veröffentlichung des „Tomos“ für die Autokephalie der neugegründeten Kirche Drohungen gegen die ukrainisch-orthodoxe Kirche formuliert habe. Nach der Gründung der „falschen Kirche“ habe das ukrainische Parlament in kürzester Frist „diskriminierende Gesetze“ gegen die kanonische Kirche erlassen. Diese Gesetze würden eine erzwungene Namensänderung der ukrainisch-orthodoxen Kirche bedeuten und zugleich legale Vorwände für die feindliche Inbesitznahme von Gotteshäusern und anderen Immobilien dieser Kirche liefern. Mit der Zuerkennung der Autokephalie an die neue Kirche habe Konstantinopel den ukrainischen staatlichen Behörden „grünes Licht“ in ihrem Kampf gegen die ukrainisch-orthodoxe Kirche gegeben.

In dem Interview machte Patriarch Kyrill klar, dass er und seine Kirche spirituelle Mittel zur Verteidigung der ukrainisch-orthodoxen Kirche anwenden wollen, „vor allem im Gebet zu Christus und im Vertrauen darauf, dass er seine Kirche verteidigen wird“. Trotz des „extremen Drucks“ des ukrainischen Staates hätten sich nur zwei Bischöfe der schismatischen Kirche angeschlossen, erinnerte der Patriarch. Die absolute Majorität der Bischöfe, Priester und Laien in der Ukraine seien „ihrer Kirche und ihrem Oberhaupt, Metropolit Onufrij“ treu. Was sich derzeit in der Ukraine abspiele, sei ein gravierender Eingriff des Staates in kirchliche Angelegenheiten, „eine klare Verletzung der ukrainischen Verfassung und der fundamentalen Menschenrechte“. „Erstaunlicherweise“ gebe es zugleich Deklarationen über das „Engagement der Ukraine für die europäischen Werte“.

Zweifellos hätten der Phanar und die ukrainischen Staatsbehörden im Hinblick auf die Autokephalie eng zusammengearbeitet, sagte der Moskauer Patriarch. Warum sich Patriarch Bartholomaios I. darauf eingelassen habe, die „Autokephalie“ zu gewähren, darauf wolle er sich jetzt nicht einlassen. Was immer die Motive gewesen seien, könne jeder erkennen, dass die „Autokephalie“ nicht zur Wiederherstellung der Einheit der Orthodoxen in der Ukraine, sondern vielmehr zur Gefährdung der weltweiten Integrität der Orthodoxie geführt habe. Bisher habe noch keine einzige autokephale orthodoxe Kirche (außer Konstantinopel) die neue „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ anerkannt. Es gehe auch nicht darum, „Moskau oder Konstantinopel zu unterstützen“. Vielmehr gehe es um die Frage, ob eine Kirche außerordentliche Vollmachten über alle anderen Kirchen habe und mit einem Federstrich schismatische Gruppierungen als „kanonisch“ und die allgemein anerkannte Kirche des Landes als „nichtexistent“ erklären könne.

Im Hinblick auf Griechenland betonte der russisch-orthodoxe Patriarch, dass er sich dort „nicht unter Fremden, sondern unter Brüdern“ gefühlt habe. Seit vielen Jahrhunderten seien das griechische und das russische Volk durch die spirituelle Einheit verbunden. Er sei überzeugt, so Patriarch Kyrill, dass die guten Beziehungen zwischen griechischer und russischer Kirche helfen werden, „die tragische Spaltung der gemeinsamen orthodoxen Familie zu überwinden“.