Moskauer Patriarch hofft, dass orthodoxe Weltkirche ihre Einheit bewahrt

Am Montag tagt in Minsk der Heilige Synod der russisch-orthodoxen Kirche – „Jedesmal, wenn sich Politiker in die Kirche einmischen, werden sie besiegt“

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Foto ©: Vadim Sazanovich (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Minsk-Moskau, 14.10.18 (poi) Der Moskauer Patriarch Kyrill I., der sich derzeit in Minsk aufhält, sagte am Samstag laut „Interfax-Religion“ vor Journalisten, er hoffe inständig, dass die orthodoxe Weltkirche die Kraft finden werde, um die derzeitigen Krisen zu bewältigen und ihre Einheit zu bewahren. Am Montag tagt der Heilige Synod der russisch-orthodoxen Kirche – erstmalig in der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Wie der Patriarch sagte, werde sich der Heilige Synod mit wichtigen Fragen befassen, „einschließlich der aktuellen Situation in der Ukraine und der notwendigen Reaktion auf das, was heute in der Familie der orthodoxen Kirchen geschieht“.

Am Mittwoch hatte der Moskauer Patriarch bei einem Festgottesdienst in der Klosterstadt Sergijew Posad seine Überzeugung betont, dass die Versuche von bestimmten Politikern, die ukrainische orthodoxe Kirche von der Kirche Russlands loszureißen „und unsere Einheit zu zerstören“, in einem „totalen Misserfolg“ enden werden. Die „Kräfte des Bösen“ hätten sich verschworen, die ukrainische Kirche aus der Einheit der Kirche der Rus herauszubrechen, die vor 1.030 Jahren mit der Taufe im Dnjepr begonnen habe. Wörtlich fügte er hinzu: „Wir sollten uns daran erinnern, dass die Gesetze, auf Grund derer der Herr die Kirche führt, nicht die Gesetze der Menschen sind und dass Politiker jedesmal, wenn sie sich in die Kirche einmischen, besiegt werden“. In diesem Zusammenhang erinnerte der Patriarch an die „Erneuerer“-Bewegung, die von den Bolschewiken benutzt worden sei, um in den 1920er Jahren ein Schisma in der russischen Kirche zu erzeugen, an die kommunistischen Verfolgungsmaßnahmen gegen Patriarch Tichon, an die Verhaftung und Ermordung so vieler Priester und Bischöfe. Die kommunistischen Behörden hätten gemeint, dass es mit der Kirche aus und vorbei sei, dass „wir tot sind, aber wir leben, ein neues Zeitalter des Wiederauflebens der Kirche hat begonnen dank des Gebets der vielen Christen, die in der Verfolgung treu geblieben sind und dank des Zeugnisses der Neumärtyrer und Bekenner“.

Was die Situation in der Ukraine betreffe, „wo die Politiker das Projekt einer vom Moskauer Patriarchat unabhängigen autokephalen Kirche inspiriert haben“, setze er auf „den Glauben und die Frömmigkeit“ des Volkes, sagte der Patriarch: „Es sind die einfachen Leute, die jetzt die Einheit unserer Kirche verteidigen. Ich weiß, dass sie diese Einheit tapfer verteidigen, ebenso wie ihre Gotteshäuser. Sie leisten Widerstand gegen die Versuche, diese Kirchen mit Beschlag zu belegen. Sie kämpfen nicht nur für die Einheit unserer Kirche, sondern auch für die Reinheit des orthodoxen Glaubens“. Die russisch-orthodoxe Kirche werde die kirchenrechtlichen Bestimmungen genau befolgen, um zu zeigen, dass sie imstande sei, „die Wahrheit Gottes auch in schwierigen Momenten mit einer Stimme und aus vollem Herzen zu erklären“.

Scharfe Worte Hilarions im Fernsehen

Der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), sagte am Samstag in einem TV-Interview, die jüngsten Entscheidungen des Heiligen Synods des Patriarchats von Konstantinopel in Sachen Ukraine würden die russisch-orthodoxe Kirche „zwingen“, die Gemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat zu beenden. Denn der Patriarch von Konstantinopel haben die führenden Persönlichkeiten des Schismas in der Ukraine anerkannt und das Schisma damit legitimiert. Die russisch-orthodoxe Kirche werde Maßnahmen ergreifen müssen, darüber werde am Montag in Minsk entschieden. Die am Donnerstag veröffentlichen Entscheidungen des Heiligen Synods des Patriarchats von Konstantinopel bezeichnete Metropolit Hilarion wörtlich als „unverschämt“. Er könne die Aktionen von Patriarch Bartholomaios nur als „räuberisch“ bezeichnen. Es sei klar, dass diese Aktionen zu einer Spaltung in der orthodoxen Welt führen werden. Die Situation könne nur bereinigt werden, wenn „Patriarch Bartholomaios oder einer seiner Nachfolger auf solche Übergriffe und auf Ansprüche auf das kanonische Territorium von anderen unterlassen“.