Moskauer Patriarch nahm erstmals öffentlich zum Inhalt seiner Begegnung mit Papst Franziskus in Havanna Stellung

Bei Begegnung mit dem kubanischen Präsidenten Diaz-Canel Bermudez im Danielskloster übte Kyrill I. auch Kritik an der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche

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Foto: © Serge Serebro, Vitebsk Popular News (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Moskau, 03.11.19 (poi) Der russisch.orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat bei einer Begegnung mit dem kubanischen Präsidenten Miguel Mario Diaz-Canel Bermudes im Moskauer Danielskloster erstmals öffentlich zu den Inhalten seines historischen Treffens mit Papst Franziskus im Flughafen von Havanna im Februar 2016 Stellung genommen. Das Treffen mit Papst Franziskus sei der Höhepunkt seines damaligen Kuba-Aufenthalts gewesen, unterstrich der Patriarch. Es war, so Kyrill I., ein historisches Treffen „am richtigen Platz“ und „im richtigen Augenblick“. Unter „idealen Bedingungen“ sei es möglich gewesen, ein zweistündiges „wahrhaft brüderliches“ Gespräch über wichtige Fragen zu führen. Im Mittelpunkt sei die Christenverfolgung gestanden. Eine Konsequenz des Gesprächs habe darin bestanden, dass der Ausdruck „Genozid an den Christen“ – den man zuvor im Westen nicht gebrauchen wollte – international üblich wurde. Auch der US-Kongress habe nach der „gemeinsamen Erklärung“ von Havanna den Begriff des „Genozids an den Christen“ immer wieder verwendet. Die „gemeinsame Erklärung“ sei überhaupt der Grundstein für gemeinsame Aktionen der russisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche angesichts der vielen Probleme geworden, von denen die Mehrheit der Menschen in aller Welt heute betroffen ist.

Weiters erinnerte der Moskauer Patriarch bei der Begegnung mit Präsident Diaz-Canel Bermudes am 30. Oktober daran, dass in Havanna auch intensiv über den Ukraine-Konflikt gesprochen wurde. Der Appell für Solidarität und Befriedung sei „sehr wichtig“ gewesen. Mit dem Papst sei er sich einig gewesen, dass Kirche immer die Aufgabe habe, die Differenzen zu verringern und Kompromisse zu suchen, keinesfalls dürfe sie die Gegensätze verstärken. Dann fügte der Patriarch vor dem kubanischen Präsidenten eine Passage an, die mittlerweile auch Kritik ausgelöst hat: „Die russisch-orthodoxe Kirche und die römisch-katholische Kirche vertreten die geschilderte Auffassung. Man kann das aber nicht über die Griechisch-Katholischen in der Ukraine sagen, die nicht nur ein Teil des Konflikts sind, sondern ihn inspirieren. Ich denke, dass auch Papst Franziskus gewisse Schwierigkeiten mit den Griechisch-Katholischen hat, weil die Aktionen dieser Gruppe nicht leicht zu handhaben sind“.

Patriarch Kyrill hatte Kuba bereits in den Jahren 1998, 2004 und 2008 besucht, damals noch als Metropolit von Smolensk und Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats. Beim Besuch 2004 habe es eine ausführliches Gespräch mit Fidel Castro gegeben, der Revolutionsführer habe dabei sein Einverständnis für den Bau einer russisch-orthodoxen Kirche in Havanna gegeben, erinnerte Kyrill I. jetzt bei der Begegnung mit Präsident Diaz-Canel Bermudes. Die Kirche sei dann 2008 geweiht worden. Er sei sehr glücklich über die heutigen positiven Veränderungen in Kuba, betonte der Moskauer Patriarch. Er sei überzeugt, dass diese Veränderungen auch für das religiöse Leben auf der Insel förderlich sein werden, denn „das religiöse Leben ist ein wichtiger Teil des menschlichen Lebens“. Die orthodoxe Kirche sei für den Ausbau der Beziehungen zwischen Russland und Kuba in verschiedenen Bereichen, auch in der spirituellen Sphäre.