Moskauer Patriarch weihte neue russische Kirche in Straßburg

Das Gotteshaus befindet sich am Rhein-Marne-Kanal in unmittelbarer Nähe der europäischen Institutionen

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Foto ©: Serge Serebro, Vitebsk Popular News (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Straßburg, 26.05.19 (poi) Der  Moskauer Patriarch Kyrill I. hat am Sonntag die „große Weihe“ der neuen russisch-orthodoxen Allerheiligenkirche in Straßburg durchgeführt, die „kleine Weihe“ hatte bereits im Dezember des Vorjahrs der für die russisch-orthodoxen Gemeinden in Frankreich zuständige Titularbischof von Korsun/Cherson, Nestor (Sirotenko), erteilt. An der Weihe und der göttlichen Liturgie nahmen zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens, an der Spitze der Straßburger Bürgermeister Roland Ries, teil. Für Patriarch Kyrill I. war am Sonntag auch ein Zusammentreffen mit dem Generalsekretär des Europarates, Thorbjorn Jagland, vorgesehen. Der Moskauer Patriarch wollte die Situation der Gläubigen der ukrainisch-orthodoxen Kirche (des russisch-orthodoxen Patriarchats) zur Sprache bringen, die in den letzten Monaten zunehmend Übergriffen von seiten der früher schismatischen Gruppierungen ausgesetzt waren; seit der Ablösung von Petro Poroschenko durch den neuen ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij sind die Vorfälle allerdings zurückgegangen.

Das neue russisch-orthodoxe Gotteshaus am Rhein-Marne-Kanal – in unmittelbarer Nähe der europäischen Institutionen – hat in der elsässischen Hauptstadt und Europa-Metropole bereits große Bekanntheit gewonnen, die Kirche in der traditionellen Form nordrussischer Gotteshäuser wird als „Perle von Straßburg“ oder „weißer Schwan von Straßburg“ bezeichnet. Der Bau der Kirche und des angeschlossenen spirituell-kulturellen Zentrums hatte im Dezember 2013 begonnen. Finanziert wurde der Bau durch Spender aus aller Welt, vor allem aus Russland, der Ukraine, Frankreich und Deutschland. Wesentlich für die Gewinnung von Sponsoren war der Einsatz des Leiters des Russischen Philharmonischen Orchesters, Wladimir Spiwakow.

Die Gemeinde der Allerheiligenkirche setzt sich aus Orthodoxen aus allen Nachfolgestaaten der einstigen Sowjetunion, europäischen Funktionären, Wissenschaftlern und Studenten zusammen, nicht wenige wohnen östlich des Rheins im deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Daher werden in der Liturgie auch immer wieder Gebete auf französisch, georgisch, rumänisch, deutsch usw. integriert. Begründet wurde die Gemeinde 2003, bereits ein Jahr später wurde sie in den Rang einer „patriarchalen Gemeinde“ erhoben. Der Rektor der Allerheiligenkirche – derzeit P. Philippe Ryabykh (Rjabich) – ist zugleich Repräsentant der russisch-orthodoxen Kirche beim Europarat.

Die orthodoxe Bibliothek der Gemeinde umfasst auch seltene Veröffentlichungen aus vorrevolutionärer Zeit und aus der Emigration. Im November 2011 erhielt die Bibliothek eine Kopie des „Peresopnytsia“-Evangeliars, auf dessen Original die ukrainischen Präsidenten ihren Amtseid ablegen. Musikalisch wurde der Weihegottesdienst am Sonntag vom Chor der Orthodoxen Akademie am Kiewer Höhlenkloster gestaltet. Der weltweit bekannte Chor sang auf Einladung der katholischen Erzdiözese auch im Straßburger Münster.