Moskauer Patriarchat bricht eucharistische Gemeinschaft mit Konstantinopel ab

Beschluss des Heiligen Synods wurde in Minsk mit „größtem Bedauern“ gefasst – Russisch-orthodoxe Priester dürfen nicht mehr mit Priestern des Ökumenischen Patriarchats konzelebrieren, russisch-orthodoxe Laien dürfen die Sakramente nicht in Gotteshäusern des Patriarchats von Konstantinopel empfangen

0
808
Foto: © Serge Serebro, Vitebsk Popular News (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Minsk, 15.10.18 (poi) Das Moskauer Patriarchat hat die eucharistische Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Konstantinopel abgebrochen. Der Heilige Synod des Moskauer Patriarchats fasste am Montag in Minsk unter dem Vorsitz von Patriarch Kyrill I. einen entsprechenden Beschluss. Darin heißt es, die Mitglieder des Heiligen Synods erachteten es als unmöglich, weiterhin in eucharistischer Gemeinschaft mit Konstantinopel zu verbleiben. Die vom Heiligen Synod des Ökumenischen Patriarchats in der Vorwoche beschlossene Zulassung von Schismatikern und von „Personen, die von einer anderen Ortskirche samt den von diesen Personen geweihten ‚Bischöfen‘ und ‚Priestern‘ exkommuniziert worden sind“, zur eucharistischen Gemeinschaft sowie das Vordringen Konstantinopels auf das kanonische Territorium eines anderen Patriarchats und der Versuch, „die eigenen historischen Entscheidungen und Verpflichtungen zurückzunehmen“, stelle das Patriarchat von Konstantinopel „außerhalb des kanonischen Raums“. Zum „größten Bedauern“ der russisch-orthodoxen Bischöfe sei es daher unmöglich, die eucharistische Gemeinschaft mit der Hierarchie, den Priestern und Laien des Ökumenischen Patriarchats fortzusetzen. Wörtlich wird in der Erklärung festgestellt: „Von nun an ist es bis zum Zeitpunkt, an dem das Patriarchat von Konstantinopel seine antikanonischen Entscheidungen widerruft, für den gesamten Klerus der russisch-orthodoxen Kirche unmöglich, mit dem Klerus der Kirche von Konstantinopel zu konzelebrieren, die russisch-orthodoxen Laien dürfen die Sakramente nicht in den Gotteshäusern der Kirche von Konstantinopel empfangen“.

Der Heilige Synod von Konstantinopel habe kein kanonisches Recht, Urteile des Bischofsrates der russisch-orthodoxen Kirche aufzuheben, heißt es in der Erklärung des Moskauer Synods im Hinblick auf die in Konstantinopel beschlossene Rehabilitierung der schismatischen ukrainischen Bischöfe und die „Legalisierung“ ihrer Hierarchie. Die „Anmaßung von Vollmachten“, um Entscheidungen anderer orthodoxer Ortskirchen zu kippen, sei eine Manifestation der „neuen falschen Lehre, die jetzt in Konstantinopel proklamiert wird und die dem Patriarchen als ‚erster ohne gleichen‘ einen universalen Jurisdiktionsprimat zuschreibt“. Diese Sicht des Patriarchats von Konstantinopel über seine Rechte und Vollmachten stehe in einem „unüberwindlichen Gegensatz mit der jahrhundertealten kanonischen Tradition, auf der die Existenz der russisch-orthodoxen Kirche und der anderen Ortskirchen“ beruhe, wie der Bischofsrat des Moskauer Patriarchats bereits im Jahr 2008 betont habe. Der Bischofsrat habe Konstantinopel – bereits damals im Hinblick auf die Situation in der Ukraine – davor gewarnt, Schritte zu setzen, die zu einer Zerstörung der orthodoxen Einheit führen könnten.

Abschließend appellierte der Heilige Synod des Moskauer Patriarchats an die orthodoxen Ortskirchen, die Aktionen Konstantinopels im Hinblick auf die Ukraine zu bewerten und gemeinsam nach Wegen zur Überwindung der „überaus ernsten Krise“ zu suchen, die „den Leib der Kirche zerreißt“.

Der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), sagte nach der Sitzung des Heiligen Synods vor Journalisten in Minsk, die russisch-orthodoxen Bischöfe würden hoffen, dass der „Gemeinsinn“ die Oberhand behält und der  Ökumenische Patriarch seine Haltung im Hinblick auf die kirchliche Wirklichkeit in der Ukraine ändert. Solange das nicht der Fall sei und die „ungesetzlichen Entscheidungen Konstantinopels in Kraft“ bleiben, sehe sich das Moskauer Patriarchat außerstande, mit einer Kirche in Gemeinschaft zu sein, „die sich heute inmitten des Schismas befindet“. Zugleich äußerte der Metropolit die Hoffnung, dass die Gläubigen der Moskauer Kirche in der Ukraine keiner Verfolgung ausgesetzt sein werden. Er erwarte, dass die Zusicherungen des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko über die freie Entscheidung der Gläubigen eingehalten werden.

Vermittelt der Patriarch von Alexandrien?

Am Montag kursierten Gerüchte, dass der orthodoxe Patriarch von Alexandrien, Theodoros II., nach Konstantinopel und Moskau reisen könnte, um im Konflikt um die ukrainische Kirche zu vermitteln. Der Patriarch hält sich derzeit zu einer Pastoralvisite in Zimbabwe auf (in der orthodoxen Kirche untersteht der gesamte afrikanische Kontinent dem Patriarchen von Alexandrien; die Orthodoxie verzeichnet in Schwarzafrika ein dramatisches Wachstum).

Theodoros II. tritt dafür ein, dass die orthodoxe Kirche in der Ukraine im Verband des Moskauer Patriarchats verbleibt, die Schismatiker könnten nur dann in die kirchliche Gemeinschaft wiederaufgenommen werden, wenn sie zur Buße bereit sind. Der Patriarch von Alexandrien kennt die Verhältnisse in der Ukraine sehr gut. Er hat in Odessa studiert, fünf Jahre residierte er als Vertreter des alexandrinischen Patriarchats bei der russisch-orthodoxen Kirche in der kosmopolitischen Hafenstadt am Schwarzen Meer. Vor kurzem stattete er Odessa einen Solidaritätsbesuch ab und appellierte an die Gläubigen, der kanonischen Kirche die Treue zu halten.