Moskauer Patriarchat macht Vorschläge für Wiederaufnahme der kirchlichen Einheit mit der Pariser Erzeparchie

Wiener russischer Erzbischof Antonij übermittelte im Auftrag von Patriarch Kyrill konkrete Vorschläge an Erzbischof Jean – Erzeparchie könnte ihre Traditionen und „Besonderheiten“ bewahren

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Foto: © Annesov (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic)

Wien-Paris, 27.02.19 (poi) Der russisch-orthodoxe Erzbischof von Wien und Österreich, Antonij (Sewrjuk), hat sich in seiner Eigenschaft als Leiter der Verwaltung der Institutionen des Moskauer Patriarchats im Ausland in das Ringen um die Zukunft der Erzeparchie für die Gemeinden russisch-orthodoxer Tradition in Westeuropa eingeschaltet. Zentrum der aus der russischen Emigration nach der bolschewistischen Machtergreifung hervorgegangenen Erzeparchie ist Paris. Erzbischof Antonij unterbreitete dem geistlichen Oberhaupt der Eparchie (der bis vor kurzem den Titel eines Exarchen des Ökumenischen Patriarchats trug), Erzbischof Jean (Renneteau), im Auftrag von Patriarch Kyrill einen Vorschlag für eine Wiederaufnahme der Einheit der Eparchie mit dem Moskauer Patriarchat.

Die Eparchie könnte demnach  die „historische Integrität“ ihrer Pfarrgemeinden, Klöster und sonstigen kirchlichen Institutionen bewahren. Alle Priester und Diakone der Eparchie, die das wünschen, könnten weiterhin unter der Leitung von Erzbischof Jean dienen. Das „historische Erbe“ der Eparchie samt ihrer auch liturgischen Traditionen und der funktionellen Besonderheiten auf diözesaner und pfarrlicher Ebene, wie sie im Statut der Eparchie festgeschrieben sind, würden bewahrt (damit ist u.a. die starke Beteiligung der Laien gemeint, die auf die Entscheidungen des Moskauer Konzils von 1917/18 zurückgeht). Die Wahl der Bischöfe der Eparchie würde gemäß dem Statut erfolgen, nachdem der Patriarch eine Kandidatenliste genehmigt hat. Alle Bischöfe der Eparchie wären automatisch Mitglieder der Bischofsversammlungen der russisch-orthodoxen Kirche. Entscheidungen des Heiligen Synods würden in der Eparchie nur nach Maßgabe der statutarischen Besonderheiten Anwendung finden.

In dem Brief betonte Erzbischof Antonij, dass die russisch-orthodoxe Kirche seit jeher den Bruch der vollen Einheit mit der ursprünglich von Metropolit Jewlogij (Georgijewskij; 1868-1946) geleiteten Gemeinschaft in Westeuropa nur als „vorübergehend“ betrachtet habe. Die Trennung sei die Konsequenz der tragischen Zeitumstände der kommunistischen Kirchenverfolgung und des Verlusts der Freiheit der orthodoxen Kirche im nachrevolutionären Russland gewesen. Metropolit Jewlogij habe das 1931 selbst betonte, als er erklärte, dass die von ihm geleitete Gemeinschaft zurückkehren werde, sobald es wieder „normale Lebensbedingungen“ für die orthodoxe Kirche in Russland gebe. Es handle sich nicht um ein Schisma, sondern um eine „zeitweise Unterbrechung der offiziellen administrativen Beziehungen“, habe der Metropolit damals geschrieben. Erzbischof Antonij verwies jetzt darauf, dass auch die Patriarchen von Konstantinopel die Unterstellung der russisch-orthodoxen Gemeinden in Westeuropa unter ihr Omophorion nur als „temporär“ bezeichnet hätten.

Erzbischof Jean hatte sich bereits Ende des Vorjahrs an Patriarch Kyrill gewandt, am 12. Dezember schrieb der Patriarch an den in Paris residierenden Erzbischof einen ersten Antwortbrief. Erzbischof Antonij hatte jetzt die Aufgabe, die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme der kirchlichen Einheit detailliert zu beschreiben. Bei der außerordentlichen Generalversammlung der Erzeparchie am 23. Februar verlas Erzbischof Jean den Brief von Erzbischof Antonij, nachdem sich die Delegierten gegen eine Auflösung der Eparchie ausgesprochen hatten, wie sie sich aus den Maßnahmen des Heiligen Synods von Konstantinopel vom 27. November des Vorjahrs eigentlich ergeben müsste. Erzbischof Jean unterstützt persönlich die Option einer „Rückkehr nach Moskau“. In einem Interview am Tag nach der Generalversammlung sagte Erzbischof Jean, er werde immer älter und der Phanar erlaube keine Wahl eines neuen Bischofs: „Sie haben uns eine Zukunft verweigert“.