Moskauer Patriarchat trauert um bischöfliches Opfer der Corona-Pandemie

Betretungsverbot für Kirchen und Klöster in der russischen Hauptstadt und ihrem Umfeld auf unbestimmte Zeit verlängert

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Foto: © Mario Modesto Mata (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Moskau, 02.05.20 (poi) Die russisch-orthodoxe Kirche trauert um Bischof Wenjamin (Korolow) von Schelesnogorsk, der ein Opfer der Corona-Pandemie wurde. Der 55-jährige Bischof war zunächst in ein Krankenhaus in Kursk gebracht worden. Nach wenigen Tagen wurde der Bischof in die Intensivstation verlegt, wo er schließlich am 26. April einer doppelseitigen Lungenentzündung erlag. Bischof Wenjamin hatte noch am 2. April  in seiner Eparchie veranlasst, dass in allen Dekanaten Prozessionen zur Fürbitte um Beendigung der Pandemie veranstaltet wurden. Zugleich appellierte der Bischof an die Gläubigen, die Ausnahmesituation als Gelegenheit zur Intensivierung des Gebets im Familienkreis zu nutzen.

Der verstorbene Bischof war ein Beispiel der neuen Bischofsgeneration. Er wurde bereits als Kind getauft. Nach dem Dienst in der Roten Armee studierte er an einer Musikschule und wurde stellvertretender Vorsitzender des Pfarrgemeinderats in seiner Wohnpfarre. Im Oktober 1996 trat er in das Kloster der Gottesmutter des Zeichens in Kursk ein, 2006 wurde er zum Abt bestimmt. Im Juli 2012 erfolgte seine Erhebung zum Bischof von Schelesnogorsk.

Bischof Wenjamin ist der erste russische, aber bereits der zweite orthodoxe Bischof, der dem Corona-Virus zum Opfer gefallen ist. Am 30. März war  in Belgrad der serbisch-orthodoxe Bischof  Milutin (Knezevic) an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben. Der 1949 geborene Bischof hatte von 2003 bis 2006 die serbische Eparchie Australien geleitet, ehe er zum Bischof von Valjevo gewählt wurde.

Knezevic stammte aus der Gegend von Valjevo. Schon als Jugendlicher trat er in das Kloster Kaona ein, er absolvierte seine Mittelschulausbildung im Kloster Ostrog in Montenegro. Danach kehrte er in das Kloster Kaona zurück, wo er auch zum Priester geweiht und später zum Abt gewählt wurde. Knezevic studierte Theologie an der orthodoxen Fakultät in Belgrad und an der serbisch-orthodoxen Fakultät in Libertyville im US-Staat Illinois. Er war vorübergehend im pastoralen Dienst der serbisch-orthodoxen Kirche in Nordamerika tätig, dann kehrte er in das Kloster Kaona zurück und baute es zu einem spirituellen Zentrum aus. Bischof Jovan (Velimirovic) von Sabac ernannte ihn zu seinem Generalvikar.

Im Sommer 2003 wurde Knezevic – nicht zuletzt wegen seiner guten Englischkenntnisse – zum serbisch-orthodoxen Bischof für Australien und Neuseeland bestimmt. Am 20. Juli 2003 wurde er in der Belgrader Michaelskathedrale zum Bischof geweiht; Hauptzelebrant war der serbische Patriarch Pavle I. Im Mai 2006 wurde Bischof Milutin zum Oberhaupt der wiederhergestellten Eparchie Valjevo bestimmt. Am 26. September jenes Jahres wurde er in Valjevo in sein neues Amt eingeführt. In seiner Amtszeit förderte der Bischof u.a. den diözesanen Radiosender „Istocnik“ und trat insbesondere als Prediger hervor.

Der Tod von Bischof Wenjamin hat in der russisch-orthodoxen Kirche zu einer Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie geführt. Zunächst hatte das Moskauer Patriarchat ein Betretungsverbot für Kirchen und Klöster in der russischen Hauptstadt für die Heilige Woche und die Ostertage (nach dem Julianischen Kalender) erlassen. Dieses Verbot wurde dann bis 28. April ausgedehnt, an dem orthodoxe Gläubige am „Tag des Gedenkens“ die Gräber der Familienangehörigen und Freunde besuchen. Metropolit Dionisij, der engste Mitarbeiter des Patriarchen für die Pastoral im Raum Moskau, erließ dann ein Rundschreiben, in dem das Betretungsverbot ab 29. April auf „unbestimmte Zeit“ verlängert wurde. Gottesdienste werden in den Moskauer Kirchen hinter verschlossenen Türen gehalten, ausschließlich von Angehörigen des Klerus und in Anwesenheit von kirchlichen Mitarbeitern, die etwa als Sänger oder als Gestalter der Livestream-Übertragungen unverzichtbar sind.

In einem Kommunique der Corona-Arbeitsgruppe des Patriarchats wurden alle Gläubigen aufgefordert, die von der Kirche „mit dem Segen des Patriarchen“ beim ersten Anzeichen der Epidemie beschlossenen Maßnahmen unbedingt einzuhalten. In dem Kommunique wurde auch mitgeteilt, dass Patriarch Kyrill I. Maßnahmen eingeleitet habe, um die Verantwortung  von Priestern festzustellen, die sich geweigert hätten, die Einschränkungen zu akzeptieren. Solche Priester könnten suspendiert oder laisiert werden.

Wie in anderen Ländern werden auch in der Russischen Föderation über die „Social media“ viele Fehlinformationen verbreitet. Es scheint aber festzustehen, dass auch der Metropolit von Tscheljabinsk, Grigorij (Petrow), angesteckt worden ist – zusammen mit einem Dutzend Priestern, die mit ihm in der Kathedrale konzelebriert hatten. Auch Familienangehörige der Priester seien mit entsprechenden Krankheitssymptomen hospitalisiert worden. Metropolit Grigorij habe am 29. April angeordnet, alle Kirchen in seiner Eparchie zu schließen.

Im Dreifaltigkeitskloster in Sergijew Posad – einem der wichtigsten Klöster Russlands – seien 37 Mönche angesteckt worden. Die Moskauer Theologische Akademie, die im Dreifaltigkeitskloster ihren Sitz hat, soll von 52 positiv getesteten Angehörigen der Akademie berichtet haben. Insgesamt leben im Bereich der Akademie – einschließlich des lehrenden Personals und der Mönche – 136 Personen.