Mosul: Syrisch-katholische Eparchie hilft bei Betreuung der Corona-Kranken

Syrisch-katholische Kirche im Irak verstärkt ihre Aktivität wieder – Die im 17. Jahrhundert erloschene Eparchie Adiabene wurde revitalisiert

0
48
Foto: © Sgt. Michael Bracken/PD-USGOV-MILITARY-ARMY (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Bagdad, 07.05.20 (poi) Die syrisch-katholische Erzeparchie Mosul hat insgesamt 48 Einzelzimmer für mit dem Coronavirus Infizierte zur Verfügung gestellt, die keine Intensivpflege benötigen, aber die Quarantänezeit isoliert verbringen müssen. Die syrisch-katholische Kirche möchte damit einen Beitrag zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie in der Tigris-Metropole leisten. Die Räumlichkeiten dienten früher dem syrisch-katholischen Priesterseminar, das nach dem Einmarsch der IS-Terroristen seinen Betrieb einstellen musste. Die Kirche wird die in den  Räumen des Priesterseminars untergebrachten Kranken und Genesenden auch mit Lebensmitteln und logistischer Unterstützung versorgen, wofür sie den Dank des Direktors des Gesundheitsamtes der Provinz Ninive erhielt. Insbesondere Infizierte aus der christlich geprägten Stadt Qaraqosh (Baghdida) in der Ninive-Ebene sollen in den von der Kirche zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten untergebracht werden.

Im April hätten die Wiederaufbau- und Restaurierungsarbeiten an der St. Thomas-Kirche in Mosul beginnen sollen, die während der Herrschaft der IS-Terroristen verwüstet worden war. Durch die Auswirkungen der Pandemie ist jetzt eine Verzögerung eingetreten. Der Wiederaufbau des syrisch-katholischen Gotteshauses ist als Zeichen der Wiedergeburt Mosuls geplant, die Vereinigten Arabischen Emirate haben der UNESCO für die Arbeiten an St. Thomas und anderen Kirchen eine Zuwendung in Höhe von 50 Millionen US-Dollar zugesagt. Das Projekt ist Teil der Initiative „Revive the spirit of Mosul“, die 2018 ins Leben gerufen wurde und darauf abzielt, Spenden für den Wiederaufbau von Denkmälern und Gotteshäusern zu sammeln, die die pluralistische, multiethnische und multireligiöse Identität der Tigris-Metropole symbolisieren, aber während des dschihadistischen Terrors schwer beschädigt worden sind.

Während des Terrors, der im Dezember 2017 mit der Rückeroberung von Mosul durch die irakischen Streitkräfte endete, hatte die Thomaskirche schwere Schäden an den Außenmauern und im Inneren erlitten. In einer UNESCO-Erklärung wurde das christliche Gotteshaus als Symbol der Geschichte Mosuls beschrieben, die vom friedlichen Zusammenleben verschiedener Religionsgemeinschaften geprägt gewesen sei. Die Kirche befindet sich im historischen Teil der Stadt am Ostufer des Tigris, ihre heutige Gestalt geht auf einen Umbau im Jahr 1859 zurück.

 

Die Märtyrer von Bagdad

Die von den Entwicklungen im Irak schwer in Mitleidenschaft gezogene syrisch-katholische Kirche des Landes hat seit letztem Sommer ihre Aktivität wieder verstärkt. So wurde die diözesane Phase des Seligsprechungsprozesses für die beim Überfall der Islamisten auf die syrisch-katholische Marienkathedrale in Bagdad am 31. Oktober 2010 getöteten 48 Märtyrerinnen und Märtyrer abgeschlossen. Unter den Märtyrern waren u.a. zwei Priester, ein zwölfjähriges Mädchen und ein dreijähriger Bub. Die fünfköpfige islamistische Terroristengruppe hatte zunächst unweit der Kathedrale eine Bombe gezündet, um die Aufmerksamkeit der Sicherheitsorgane abzulenken und war dann in das Gotteshaus eingedrungen, wo gerade die Liturgie im Gang war. Rund 150 Personen hielten sich in der Kathedrale auf, Priester, Diakone, Chormitglieder, Gottesdienstbesucher. Einigen Gläubigen gelang es, in die Sakristei zu flüchten. Aber die anderen waren hilflos dem Blutrausch der Terroristen ausgesetzt, die Handgranaten warfen und auf die Menschen schossen.

Erstmals seit längerer Zeit hat die syrisch-katholische Kirche im Irak wieder eine neue Eparchie errichtet oder eigentlich revitalisiert. Die Eparchie umfasst das Gebiet zwischen Oberem und Unterem Zab; die syrisch-katholische Synode verlieh der Eparchie die klassische Bezeichnung Adiabene, unter der dieser Landstrich im kurdischen Autonomiegebiet von größter historischer und kirchengeschichtlicher Bedeutung ist. Bereits in apostolischer Zeit war Adiabene Sitz eines Bischofs, die Eparchie erlosch aber im 17. Jahrhundert. In den Zuständigkeitsbereich der neuen Eparchie fällt auch die kurdische Regionalhauptstadt Erbil. Zum ersten neuen Bischof von Adiabene wurde der  55-jährige Nizar Semaan ernannt. Er war bisher Koadjutor der Erzeparchie Mosul. Der aus Qaraqosh stammende Semaan studierte Theologie im Libanon und war nachfolgend als Priester in seiner Heimatstadt tätig. Von 1997 bis 2002 studierte er am Päpstlichen Orientalischen Institut. Seit 2005 betreute er die syrisch-katholische Gemeinschaft in Großbritannien. Der syrisch-katholische Patriarch Mor Ignatius Yousef III. Younan würdigte die syrisch-katholische Gemeinschaft in der kurdischen Region als „Verkörperung des lebendigen christlichen Glaubens“, der den Herausforderungen des Islamismus und aller bösen Kräfte zu widerstehen wisse. Wörtlich meinte der Patriarch: „Sie syrisch-katholischen Gläubigen im nördlichen Irak haben nach dem Beispiel Christi das Kreuz getragen. Sie harren aus im Glauben, in der Treue zu ihrem Erbe und in der Hoffnung. Dafür werden sie in aller Welt, im Osten wie im Westen, bewundert“.