Naher Osten darf seine pluralistische Identität nicht verlieren

Bei der Regionalkonferenz der Caritas in Beirut wurde die Bedeutung der multiethnischen und multireligiösen Vielfalt betont

0
428
Foto: © Vladanr (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Beirut, 28.02.19 (poi) Die jüngsten Entwicklungen in den Ländern des Nahen Ostens zielten darauf ab, die komplexen orientalischen Gesellschaften zu „zerteilen“, was dazu führe, dass der Nahen Osten seine auf multiethnischer und multireligiöser Vielfalt beruhende pluralistische Identität verliert. Dies betonte der libanesische Präsidenten Michel Aoun am 27. Februar im Kongresszentrum „Saydet el-Jabal“ in Beirut bei der Regionalkonferenz der Caritas für den Nahen Osten. Auch der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, verwies darauf, dass es notwendig sei, alle Bestrebungen zu bekämpfen, die auf eine groteske „ethnische Säuberung“ hinauslaufen, die „unsere levantinischen Gesellschaften in rassistische, einseitige und konfliktgeladene“ verwandeln würden. Zugleich forderte der maronitische Patriarch neuerlich die Rückkehr der syrischen Flüchtlinge im Libanon in ihre Heimat. Diese Rückführung müsse unabhängig von einer politischen Lösung des Syrien-Konflikts sofort erfolgen.

Eindringlich warnten Präsident Aoun und Kardinal-Patriarch Rai vor den negativen Auswirkungen der „social media“, die vielfach den Boden für „Extremismus, Intoleranz und Terrorismus“ bereitet hätten. Ursache dafür seien Unwissenheit, Armut und Ausschließung, in diesem Klima würden zerstörerische und terroristische Ideen wuchern.

Der libanesische Präsident, ein maronitischer Christ, bezeichnete den Nahen Osten als Kreuzungspunkt der Zivilisationen und Wiege der monotheistischen Religionen mit einem Reichtum an geistiger und kultureller Vielfalt, die gefährdet sei, wenn auch nur eine der vielen Komponenten angetastet werde. Die Region, so Aoun, „darf nicht ihrer Bewohner beraubt werden; man kann sich das Land Christi, des Golgatha und des Heiligen Grabes, nicht ohne Christen vorstellen, genauso wie man sich Jerusalem und die Al-Aqsa-Moschee nicht ohne Muslime vorstellen kann“.

Das libanesische Staatsoberhaupt würdigte die Rolle der Caritas beim Erhalt der Pluralität im Nahen Osten. Die Bedeutung dieses „Instruments der Sozialarbeit der der Kirche“ ergebe sich aus dem „interkonfessionellen und interethnischen Handeln und dem Prinzip, in Notfällen unabhängig von der ethnischen und religiösen Herkunft Hilfe zu leisten“.

An der Tagung in Beirut nehmen auch Kardinal Luis Antonio Tagle, Präsident von Caritas Internationalis, und Kardinal Peter K.A. Turkson, Präfekt des vatikanischen Dikasteriums für ganzeitliche menschliche Entwicklung, teil.